Kein normales Frauenmagazin?!

Sogenannte Frauenzeitschriften sind total abgedroschen. Immer dasselbe. Eine wie die andere. So ist es. Trotzdem blättere ich sie immer wieder gerne durch. Nicht nur in Wartezimmern oder Airport Lounges, nein, ich kaufe sie sogar ab und zu. Jedesmal ärgere ich mich hinterher, aber so what.

Nun gibt es schon wieder eine neue. „Barbara – Kein normales Frauenmagazin“ wird groß beworben. Gruner + Jahr, Editor-at-Large ist Barbara Schöneberger. Geben wir ihr eine Chance, ich kaufe die erste Nummer.

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Schön, was im Editorial steht. Finde ich auch:

„Geben wir es doch mal ehrlich zu: in vielen Magazinen läuft es immer gleich. Vorn wird dazu aufgerufen, sich einfach so zu akzeptieren, wie man ist. Drei Seiten weiter gibt’s die Herbst-Diät, mit der man fünf Kilo in nur drei Tagen verlieren soll. Und ab Seite 40 kommen dann die schönsten Cupcake-Rezepte mit zusammengenommen 85000 Kalorien!! Wie soll ich das ernst nehmen?“

Recht hat sie. Finde ich auch. Habe ich hier auch schon ausführlich geschrieben.

Anyway. Let’s have a look. “Das erste Mal” …das ist dann wohl der Schwerpunkt. Mit 10 kriegst du zum ersten Mal Schamhaare. Mit 15-17 der erste Sex. Mit 42.9 die erste Scheidung. Mit 58 endlich sagen was man denkt. Und so weiter. Schön. Stories über Untreue, britische Jungessellinnenparties, Mode, die Frau die zum Mars fliegen will.

“Oben ohne” – ganz mein Ding, aber hier ist nur gemeint: „natürlich ohne Make-up“.  Eine Lady die immer Make-up nimmt tauscht für einen Tag mit einer die es nie nimmt – irgendwo schon mal gelesen. Botox – machen oder lassen? Auch schon öfter gelesen. Home Design darf nicht fehlen. Ein bisschen Urlaub, und natürlich Rezepte. So weit, so gut, so bekannt.

Wirklich gut die Abteilung „tacheles“: Und der Sex ist zum ersten Mal ganz anders. Ein Dreier mit der besten Freundin. Nie hungrig ins Bett. Selbstbefriedigung als Kreativquelle. Der erste Mann nach meiner Scheidung. Der Orgasmus, der mein Leben veränderte. Alles das irgendwie schon mal gelesen, aber irgendwie auch immer wieder schön.

Echt gut: Frau Lübke lässt sich gehen. Die Kinder essen nur gesund und sagen keine schlimmen Wörter. Männer ohne Studium sind inakzeptabel. Eine Sex-Affäre übers Handy? Selber mal Schrott essen? Niemals. Aber für Barbara wirft Karina Lübke für eine Weile alle ihre Regeln über Bord.

Bleibt noch die Frage, warum in „Frauen-Magazinen“ Politik und Wirtschaft nie vorkommen. Nie. Grundsätzlich nicht. Warum? Ist das nichts für Frauen? Dieses antiquierte Weltbild nervt. Ein Streikbericht einer Kita-Erzieherin wäre doch auch mal was. Nein, kommt nicht in Frage, das ist zu kritisch, zu politisch, zuweit weg vom Mainstream.

Alles in allem – so furchtbar neu und anders ist Barbara nicht wirklich. Kein Wunder, schließlich wird das Blatt von einem Team um die Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber gemacht. Aber netter gemacht als die meisten anderen ist  es.

Ach ja, und wie könnten wir uns eine wirklich gute Frauenzeitschrift vorstellen? Eine, die wirklich ganz anders ist als die Brigitte-myself-Vogue-elle-marieclaire undsoweiter?

Genau die Frage hat sich Sophia Benoit im Guardian gestellt. Ein super Text. Just three excerpts:

In the career section: I want to hear from, like, a tollbooth operator. Why is it just journalists, CEOs and occasionally a congresswoman? I want to hear about what it’s like to be a waitress or a board game designer. I’m never, after all, going to get a job where I wear a pantsuit.

Articles that don’t consult men on what is sexy. At all.

A whole article tellings us what women find sexy. Not “how to attract anyone”, just how to divine pleasure from sex that isn’t just “put a pillow under your butt while he has sex with you in missionary for the fourth time this week.”

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Go for it. However, though, to be honest, that would make a good single-issue magazine. Admittedly, I am wondering what a really good women’s magazine appearing like every week would really be. I can’t answer it. But let’s think about it, ladies.

Über sunflower22a

I am a mystery.
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4 Antworten zu Kein normales Frauenmagazin?!

  1. kalypso schreibt:

    hilfe…………………..frauenzeitschriften!!!!!
    danke, ich denke noch selber! 🙂

    wie wärs mal mit nem guten buch?

    habe unlängst „picasso“ von arianna huffington gelesen. das würde dir auch gefallen. da kommt alles drin vor. auch politik!

  2. MT schreibt:

    Ich mag die Schöneberger nicht. Ehrlich gesagt, ich finde die schrecklich. Furchbar, die ist inzwischen überall. Man kann fast nicht mehr flüchten.

    Frauenzeitschriften sind langweilig. Ich lese sie in Wartezimmern, einfach nur um die Zeit totzuschlagen oder mich über die neuste Mode zu informieren. Alles andere interessiert mich nicht wirklich. Am schlimmsten sind diese Sextipps. Ich finde das meiste davon richtig peinlich. Wenn ich einen Dreier machen will, dann mache ich ihn. Dafür brauche ich nicht eine Frauenzeitschrift. Und mit meiner besten Freundin will ich auch nicht ins Bett. Ich weiß nicht, wer sich so einen Quatsch ausdenkt.

    Aber Politik und Wirtschaft in einer Frauenzeitschrift wäre vielleicht mal interessant.

    Und mal richtig gute Buch- und Filmtipps. Nicht so ein langweiliger Frauenschmodder. Vielleicht dazu auch mal ne vernünftige Buchrezension. Und keine Diäten mehr.

  3. waswegmuss schreibt:

    Wenn Ruth Moschner und Enie van de Majenklockies(?) auch noch Illustrieren wandere ich aus.

  4. Pingback: L’Officiel | sunflower22a

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