Sunflower geht wieder demonstrieren

Ich habe es wieder getan. Ich war demonstrieren. Once again. Gegen TTIP, zusammen mit einer Viertelmillion Menschen. Unglaublich. Ein  irres Gefühl. Irgendwie ein Volksfest, ein Polit-Karneval. Es hat viel Spaß gemacht. Aber es war auch notwendig.

Was an diesem geplanten TTIP Mist ist, könnt ihr an anderen Stellen ausführlich nachlesen. Ich will das gar nicht vertiefen. Es wird auch vieles übertrieben, kein Wunder, wenn alles geheim ist. Da kommst du schon auf allerlei Ideen. Darum geht es mir nicht.

Die neoliberale Deformation der Wirtschaft hat seit 1980 viel Schaden angerichtet, Dinge die noch vor nicht allzulanger Zeit niemand für möglich gehalten hätte: Privatisierungen, Deregulierungen, Sozialabbau. Inzwischen wird es immer klarer, wie wenige Gewinner es bei dieser Ideologie gibt und wie viele Verlierer. Überall stagnieren die Reallöhne oder gehen zurück, aber die Kapitaleinkommen steigen. Kurzum: die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer, und die Mittelschichten zerlegen sich. Das ist politischer Mainstream in Europa, in der angelsächsischen Welt.

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Dagegen wehren sich langsam die vielen Verlierer. Eigentlich erstaunlich, dass es so lange gedauert hat. Das doppelbödige Spiel Merkels und der Herren Blair, Clinton, Obama, Schröder, Sarkozy, Hollande & Co ist doch eigentlich nicht so schwer zu durchschauen. Sie haben abgewirtschaftet.

Aber der Protest, er ist überall anders, und oft nicht sehr appetitlich. Tea Party. Gruselig. UKIP, völlig idiotisch. Le Pen’s Front National, Alarmstufe eins. Podemos und Syriza, tolle Sache, aber wahrscheinlich habt ihr keine Chance. Katholische Extremisten in Polen. Hilfe.

Und Deutschland? Aus AFD & Co wird irgendwie nichts. Ihr seid zu wachsam gegen Rechtspopulisten, und eure Rechtspopulisten sind zu dumm. Natürlich, ihr habt auch noch längst nicht die Probleme anderer Länder. Wäre die wirtschaftliche Lage besser und die Chancen gerechter verteilt, die meisten anderen Länder hätten gar keine Protestbewegungen. Le Pen hätte keine Chance. Noch könnt ihr euch glücklich schätzen, dass ihr noch der Illusion nachhängen könnt, auf einer Insel der Seligen zu leben.

Aber eure starke Bewegung gegen TTIP ist eure Antwort auf den Irrsinn des Neoliberalismus. Zivil, seriös argumentierend, bunt und vielfältig, keine Hassparolen (nicht einmal gegen die Amis), jung und alt vereint. Sympathisch, ernsthaft, überzeugend. Man nennt es Zivilgesellschaft.  Chapeau, Deutschland.

 

Über sunflower22a

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6 Antworten zu Sunflower geht wieder demonstrieren

  1. Provinzler schreibt:

    War auch da.
    Es war einfach der Knüller.
    Aber wieder typisch. In den Medien heißt es lapidar „über 100 000“
    Wenn die Nationalmannschaft vor dem Brandenburger Tor gefeiert wird heißt es gleich „eine 1/2 Million“.
    Ich schätze mal 300 000.
    Viele verließen ja den Sternplatz ( Siegessäule) als von hinten immer noch Leute nachgeströmt sind.
    Wenn man mal erlebt hat, wie ein Fußballstadion mit 60 000 Leuten volläuft weiß, das am Samstag locker mehr als 250 000 Leute auf den Beinen waren.
    Lügenpresse ist wirklich ein scheiß Wort.
    Ich sage mal (ver)schweigende Presse.

  2. Matthias Eberling schreibt:

    Dein Engagement ist aller Ehren wert, aber der letzte Politiker, der sich in Deutschland durch Massendemonstrationen beeindrucken ließ, war Erich Honecker. Wirtschaftsminister Gabriel ist es egal, wie viele Leute auf die Straße gehen, so wie die Proteste von Millionen Menschen gegen Atomkraft und Umweltzerstörung oder für den Frieden in den 80ern niemand von der SPD interessiert haben. Und von der CDU/CSU will ich hier gar nicht erst anfangen …

    • Johannes schreibt:

      Stimmt nicht, steter Tropfen höhlt den Stein, es war ein langer Weg für die einstigen Aktivisten, aber die Welt sähe ohne sie heute deutlich anders aus.

  3. Provinzler schreibt:

    Hast ja recht.
    Die Vernunft tendiert auch mehr zu Kalaschnikow und direkter Gewalt.
    Aber wer ist schon vernünftig ?
    Nein, jetzt mal ernsthaft.
    Ich bewege mich in einem Kreis, schon auf der Arbeit, bei dem man sagen kann, es sind eigentlich keine Dummköpfe. Auch meine Bekannten und Freunde sind jetzt keine Assis.
    Obwohl…..Bildung und Stand reichen oft nicht aus…..gut, andere Diskussion.
    Also Inschinöre und was sonst noch so rumläuft. Nicht gerade das klassische Bildungsbürgertum, aber zum Teil.
    Aber frag die mal : eh, TTIP, weißt bescheid ?
    Hä ????????????????
    Es ist zum heulen.
    Von daher wird es so kommen wie es kommen muss, die Menschen rotten sich selber aus.
    Mahlzeit.

  4. waswegmuss schreibt:

    Wieso sollte auch gegen die Amis geschimpft werden?
    Cargill, der weltweit größte Agrarkonzern ist wohl ein amerikanischer Familienbetrieb. Monsanto (Im Vergleich zu Cargill eine Butze); Nestlé & Co sind im Streubesitz.
    Shell ist ein Niederländer, BP britisch, Total französisch….

    momentan.

    Denn wenn es darum geht einen Staat zu verklagen werden auch mal schnell die Seiten gewechselt, damit ist einfach mehr Geld zu verdienen.

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