Subtile Gehirnwäsche

World Economic Forum, Davos. Die Spitzentreffen der globalen Elite, die Reichen und Mächtigen. The World Economic Forum is the International Institution for Public-Private Cooperation to shape the global, regional, national and industry agendas. So beschreiben sie sich selbst. Die Show in den Schweizer Bergen ist das eine. Die Produktion und Reproduktion der neoliberalen Ideologie ist die andere, wichtigere und weniger glamoureuse Seite dieses Think tanks.

Jetzt haben sie wieder zugeschlagen und „The Global Competitiveness Report 2015-2016“ herausgebracht.

The Global Competitiveness Report 2015-2016 assesses the competitiveness landscape of 140 economies, providing insight into the drivers of their productivity and prosperity. The Report series remains the most comprehensive assessment of national competitiveness worldwide.

Ein Seitenhieb auf die Weltbank. Die gibt nämlich so etwas Ähnliches heraus, den „Doing Business“ Report.

Natürlich kommen beide Reports nicht exakt zu denselben Ergebnissen. Beim Schweizer WEF ist prompt die Schweiz das „wettbewerbsfähigste Land der Welt“, gefolgt von Singapur, USA, Deutschland. Die Weltbank  findet heraus, Singapur sei am wettbewerbsfähigsten, gefolgt von Neuseeland, Hong Kong und Dänemark. Die USA kommen hier nur auf Platz 7, Deutschland nur auf 14.

Aber die Ideologie ist dieselbe, sie unterscheiden sich nur in Details. Wer solche Berichte liest, kommt rasch zu der Frage: Wie kaputt sind Leute, die so etwas aufschreiben? Je rechtloser Arbeitnehmer und Gewerkschaften, je niedriger die Löhne und die sozialen Leistungen, desto höher die „Wettbewerbsfähigkeit“ dieses Landes. Je niedriger die Unternehmenssteuern, desto besser – desto eher werden sich Unternehmen aus anderen Ländern hierher verlagern. Je übler die Umwelt ruiniert werden kann, desto wettbewerbsfähiger.

Die Ideologie der Wettbewerbsfähigkeit von Nationen ist eine der Legenden der marktradikalen Ideologie, die unsere Gesellschaften zersetzt. Es ist bemerkenswert, wie diese Ideologie sich schleichend breit gemacht hat. „Wir“ sind nicht wettbewerbsfähig, wenn die Reichen anständig Steuern zahlen und die Unterschiede zwischen Arm und Reich sinken. „Wir“ sind dann wettbewerbsfähig, wenn wir alles tun, was die Big Business Lobby verlangt. Die Drohung im Hintergrund: wenn nicht, verlagert sich das Kapital in ein wettbewerbsfähigeres Nachbarland.

Wie oft wird diese Geschichte erzählt, sie ist allgegenwärtig. Sie ist in letzter Konsequenz menschenverachtend, weil sie dazu führt, dass wir praktisch alle sozialen Errungenschaften über Bord werfen müssen, um wettbewerbsfähig zu sein – denn wenn sich alle Länder so verhalten, musst du immer noch einen draufsetzen.

Aber das ist nicht alles. Warum fällt niemand auf, dass diese Ideologie in Wirklichkeit in sich widersprüchlich und sogar wettbewerbsfeindlich ist?

Welches Kapital ist global mobil, kann glaubwürdig mit „Abwanderung“ drohen? Multinationale Konzerne, große Firmen. Je kleiner das Unternehmen, desto weniger kann es abwandern. Wer also eine Steuer- und Wirtschaftspolitik, die vor allem Großkonzernen dient, schadet den kleineren Unternehmen, und begünstigt die Bildung von Oligopolen. Die effektiven Steuersätze der multinationalen Konzerne sind in den letzten Jahren dramatisch gefallen und liegen heute unter denen kleiner und mittelständischer Unternehmen. Weil die Politik alles getan hat, was diese Competitiveness Reports und die Multis verlangen.

Eigentlich nicht so schwer zu verstehen, finde ich. The power of dominant ideologies – the competitiveness debate is a case study how it works. You have to question everything, literally everything, that conventional economists tell you. Most of it is lies and propaganda, ideology and stupidity. If you want to read more, this is a great website: Fools’ Gold – Rethinking competiton. Always worth reading.

577-723

Never believe the conventional wisdom

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Subtile Gehirnwäsche

  1. Holger schreibt:

    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Analyse von Norbert Häring über die Umsetzung dieser neoliberalen Ideologie, er macht es am Beispiel von Griechenland deutlich.
    Alles, was der o.g. Denkrichtung entgegensteht, wird massivst bekämpft:
    http://norberthaering.de/de/27-german/news/471-tsipras-belohnung#weiterlesen

    Aber immerhin kommen zumindest einigen dieser „trickle-downers“ Bedenken bezüglich der Auswirkungen dieses Kurses. Kann man hier nachlesen:
    http://www.politico.com/magazine/story/2014/06/the-pitchforks-are-coming-for-us-plutocrats-108014
    Die Frage ist dabei, ob die Adressaten dieses Artikels die Tragweite dessen überhaupt erkennen können. Wenn ich mich im Kollegenkreis umhöre – meist eindimensionale BWLer-Hirne – dann beschleichen mich arge Zweifel. Ich hab mal in einer Diskussion Bezug auf den Artikel aus Politico genommen – da haben mich doch einige gleich kommunistischer Propaganda verdächtigt.
    Die Verblödungsmaschinerie funktioniert offenbar sehr gut. Leider…

  2. Holger schreibt:

    Hi,

    als Nachtrag zu Deinem Artikel und meinem Kommentar von heute morgen muss ich das hier noch nachreichen:
    http://www.nakedcapitalism.com/2015/08/ceos-call-for-wage-increases-for-workers-to-address-inequality-whats-the-catch.html

    Klingt ja erst mal ganz gut: die CEOs erkennen, dass die Einkommensungleichheit letztendlich ihre eigene Geschäftsgrundlage zerstört, nämlich zahlungskräftige Kunden, die den Mist kaufen, den diese Herren in die Läden stellen.

    Das dicke Ende kommt natürlich: sie rufen nach weiteren tax cuts um anständige Gehälter zahlen zu können. Firmen, die Millionen-/Milliardenumsätze machen, ohnehin schon kräftig Steuern sparen und dann das! Wie dreist kann man eigentlich sein?

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