Der Zusammenbruch

Wir haben uns daran gewöhnt, dass es Kriege immer nur woanders gibt. Amerika führt seine Kriege überall auf der Welt, nicht zuhause. In der Realität ist der Krieg längst auch in Amerika angekommen, die Szenen aus Ferguson ähneln frappierend den Bürgerkriegsbildern anderer Länder. Europa geht es nicht anders. EU-Europäer verwechseln Europa mit ihrer EU, und so finden die Kriege Europas nicht mehr in Europa statt. Bosnien, Kosovo, Ukraine…alles nicht EU. Syrien, Libyen, alles vor den Toren der EU, aber irgendwie weit weg.

Es kann sehr schnell gehen, wenn ein zivilisiertes Land sich in einen Horror verwandelt. Eine Handvoll brutaler, zu allem entschlossener Männer reicht dafür meist schon aus, wenn sie niemand rechtzeitig stoppt. 1990 hätte niemand es für möglich gehalten, dass bereits zwei Jahre später Jugoslawien in einem blutigen Bürgerkrieg versinken würde. Man braucht dafür gar keine ethnischen oder religiösen Unterschiede. Armut und Gier reicht dafür völlig aus. Mexico ist ein Beispiel. Weite Teile Mexicos sind heute Kriegsgebiet. Die öffentliche Ordnung weicht einer Terrorherrschaft bewaffneter Banden, der Staat ist Teil des Problems und keine Lösung, die Menschen müssen in einer Situation überleben, in der nur noch das Recht des Stärkeren gilt.

Deutsche, glaubt bloß nicht ihr seid immun. Wenn ihr euch weiterhin weigert, eure gewaltbereiten Nazis dauerhaft hinter Schloss und Riegel zu bringen und nicht einmal eure Nazipartei verbieten wollt, müsst ihr damit rechnen, dass diese wachsende Teile eures wirtschaftlich perspektivlosen dünnbesiedelten Ostens in No-Go-Areas verwandeln. In 10 Jahren kann viel passieren.

Frauen trifft das noch härter. Wenn das Recht des Stärkeren sich an Waffen und Brutalität bemisst, sind sie immer unterlegen. Der IS hat ein organisiertes System von Sex-Sklaverei etabliert, das an Widerlichkeit kaum zu überbieten ist und schon allein Grund für den gesamten Rest der Welt sein müsste, im IS-Herrschaftsbereich einzumarschieren und jeden einzelnen dieser IS-Verbrecher abzuknallen. In Bosnien wurde Massenvergewaltigung von den serbischen Söldnern zu einem perfiden Instrument des Völkermords gemacht. Bis heute wurde so gut wie niemand dafür zur Rechenschaft gezogen.

Aber es sind immer wieder auch Frauen, die dieser archaischen Verrohung der Gesellschaft widersetzen. Die Kämpferinnen der PKK sind nicht nur (gemeinsam mit ihren männlichen Genossen) der einzige ernstzunehmende Gegner des IS. Sie haben Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung etabliert, einer Art Sozialismus von unten, vor dem alle Herrscher rund um Kurdistan am meisten Angst haben. Meist kämpfen Frauen aber gewaltlos und sind dennoch oft genau deswegen der einzige Lichtblick. Zum Beispiel in Mexico.

Ihnen gewidmet ist die „nonfictional graphic novel“ (man könnte auch sagen Comic) La Lucha: The Story of Lucha Castro and Human Rights in Mexico.

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La Lucha recounts the stories of Lucha Castro, some of her colleagues at her organization – Centro de Derechos Humanos de las Mujeres – in Chihuahua, and of other WHRDs who sacrificed their lives in the defense of women’s and human rights in their communities in Chihuahua and Juarez – consistently two of the most dangerous cities in the world for more than a decade.

Ich möchte euch bitten, €20 zu spenden und dafür bekommt ihr eines dieser schönen, beeindruckenden Bücher. Hier.

These women have stopped seeing themselves as objects, as victims. They have become subjects, agents of change.  Support them.

Über sunflower22a

I am a mystery.
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