Topless

Ein brütendheißer Tag in der Stadt. Das Büro war anstrengend, das Shopping hinterher auch. Alles klebt. Nichts würde ich jetzt lieber tun als alle Klamotten von mir werfen, ins Wasser springen, whatever. Bis ich zuhause bin dauert zulange. Da ist diese Grünfläche, da liegen Leute auf dem Rasen. Das mache ich auch. Alles schon ziemlich voll hier. Ein kleiner Fleck in attraktiver Lage. Den schnappe ich mir. Zwei Handgriffe, das Kleid liegt auf dem Boden und wird meine Unterlage. Schuhe aus, alles wunderbar. Da liege ich, nur noch bekleidet mit einem Slip, der eigentlich nur ein Hauch von nichts ist.

Die Lady im Leoparden-Bikini nebenan mustert mich. Vielleicht 35 Jahre, dunkle Haare, leicht mediterranes Aussehen, sieht mir eigentlich ziemlich ähnlich. Hallo, grüße ich freundlich.

Hallo, schöne Frau.

„Danke, Sie auch.“

„Finden Sie das sexy, so oben ohne?“

„Sexy? Das ist mir egal. Es ist angenehm.“

„Sie sind glaube ich die einzige hier.“

„Wenn Sie die Männer mitrechnen, bin ich absolut nicht die einzige.“

„Doch, DIE einzige.“

„Na und?“

„Ich will Sie gar nicht kritisieren, mich interessiert nur warum eine Frau so etwas in aller Öffentlichkeit macht.“

Sie scheint nicht auf Krawall aus zu sein, wie das in Berlin völlig normal wäre. Sie schaut mich sogar sehr freundlich an, fast schon zu freundlich. Auch ich reagiere nicht auf die Berliner Krawalltour, das mache ich nie.

„Ich liebe es. Der laue Wind über deiner Haut, ein wunderbares Gefühl, da stört doch jedes Stück Stoff nur. Wenn der Nippel im Wind hart wird, wunderschön. Die Sonne, unter Stoff schwitze ich, ohne Stoff nicht. Es ist ein Gefühl von Freiheit. Ich mag diese Brustkäfige nicht. Erst recht nicht, wenn sie nass sind.“

„Und natürlich, Sie sehen damit sehr sexy aus.“

„Ach, kann sein. Ehrlich gesagt gehört dazu mehr als topless hier herumzuliegen. „

„Sicher. Deswegen ärgere ich mich normalerweise über Frauen, die hier topless herumliegen. Die machen das, um sexy zu wirken.“

Aha. Von daher weht der Wind.

„Wollen Sie damit sagen, dass es Sie stört?“

„Das habe ich nicht gesagt. Aber was würden Sie sagen, wenn ich das sagen würde?“

Da hat sie mich jetzt echt erwischt. Was würde ich da sagen? Leck mich? Oh Entschuldigung? Oder was? Sie merkt dass ich unschlüssig bin. Ich, ausgerechnet ich, die bei solchen Fragen immer sehr schlagfertig ist.

„Ich meine, mal angenommen, es würde mich stören, und ich würde Sie bitten, sich Ihr Oberteil anzuziehen?“

„Nun, ganz ehrlich, ich würde Ihnen einen Vorschlag machen.“

„Oh, welchen?“

„Ich würde Sie bitten, mir Ihr schönes Oberteil auszuleihen. Das würde ich mir dann anziehen. Ich habe nämlich nur mein Kleid dabei und diesen Slip. Mehr nicht.“

Sie kichert.

„Gute Idee. Bitte schön. Könnte eigentlich passen.“

Tatsächlich, sie reicht es mir. Mit dieser Antwort hätte ich am allerwenigsten gerechnet. Jetzt muss ich wohl darauf eingehen, auch wenn ich dazu überhaupt keine Lust habe. Sieht total albern aus, das Leopardenoberteil zu diesem weißen Slip. Lingerie plus Bikini. Lächerlich.

„Steht Ihnen gut.“

„Sie übertreiben. Diese Kombination ist lächerlich.  Dazu müssten Sie mir auch noch den Slip geben.“

„Haha, nein, das kommt nicht in Frage.“

„Aber übrigens, Sie sehen wirklich blendend aus, nur mit dem Leopardenslip. Es ist – sorry – sexy, wenn Ihre Brüste so ganz ungebräunt sind, umgeben von einem mediterranen Teint.“

Sie kichert.

„Alles gebräunt ist schöner.

Und dabei sieht sie total glücklich aus.

„Finde ich auch. Deswegen ziehe das Teil wieder aus.  Wenn Sie nichts dagegen haben…“

„Nein, natürlich nicht. Aber Sie müssen wir versprechen, Ihren Slip anzubehalten. Er verdeckt ja sowieso kaum etwas.“

„In Ordnung.“

Wir liegen nebeneinander in der Sonne und plaudern noch. Sie meint, sie hätte es nie für möglich gehalten, dass sie so etwas macht. Aber in der Tat, warum nicht, und es sei wirklich ein schönes Gefühl. Irgendwann dösen wir ein, und als ich aufwache, ist sie weg. Sie hat einen Zettel hinterlassen, mit einem Herzchen und dem Wort „danke“.

Schade. Einfach weg. Eine interessante Frau.

Vielleicht habe ich heute jemanden glücklich gemacht. Es kann so einfach sein.

F077

You could cover your boobs with sand…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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3 Antworten zu Topless

  1. rohdiamant schreibt:

    Das Leben kann so einfach sein …

  2. waswegmuss schreibt:

    Weils so schön passt und ich totaler Burleskfan bin:

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