Dressur

Coffee to go. Eigentlich hasse ich das. Schon das Wort nervt. Die Attitüde auch: da laufen die Leute mit ihren blöden Pappbechern mit Plastikdeckeln rum als könnten sie keine 5 Minuten ohne Kaffee auskommen. Überhaupt Kaffee, was in diesen Pappbechern schwappt hat meistens mit einem guten Kaffee eine allenfalls entfernte Ähnlichkeit. Allein schon die Müllberge, die diese Unkultur verursacht…furchtbar.

Anyway. Es gibt Fälle, da mache ich das auch.

Nun stehe ich vor diesem Allerwelts-Futterstand im Hauptbahnhof, nennen wir ihn Wiener Feinbäcker, oder LeCroBag, oder Ditsch, oder sonstwie. Sowieso kein großer Unterschied. Vor mir ein bayerisches Touristenpaar, danach ein älterer Herr. Beide wollen belegte Brötchen. Die Dame hinter der Theke fragt beide, „darf es noch ein Kaffee sein“, beide sagen nein.

Jetzt bin ich dran. Auch ich: Ein belegtes Brötchen, bitte, ja, dieses da in der Ecke, danke.

Die Dame hinter der Theke fragt, darf es noch ein Kaffee sein.

Warum?

Darf es noch ein Kaffee sein?

Warum denn?

Zum ersten Mal sieht sie mich an, und erst jetzt fällt ihr auf, ich habe ja schon einen.

Gut dann eben keinen.

Jetzt reicht es mir.

Sie müssen nicht alle Leute fragen, ob sie einen Kaffee wollen, Sie sehen doch, dass niemand diese Brühe will. Wer die doch will, wird es schon selber sagen.

Sie ist schlagfertig. „Doch, das muss ich. Anordnung von der Leitung. Wenn ich es nicht mache, werde ich abgemahnt. Ganz einfach.“

Kann ich die Leitung mal sprechen? Jetzt will ich die Leitung abmahnen.

Die Leitung ist nicht hier, die sitzen woanders.

Hinter mir in der Schlange grummelt es vernehmlich. Diese Wahnsinnige hält nur den Betrieb auf.

Die Dame hinter der Theke erfasst die Situation präzise und routiniert.

3.29 bitte.

Ach ja. Ich bezahle und  verschwinde.

Man kann Tiere dressieren, aber auch Menschen. Manchmal so subtil, dass es kaum auffällt. Manchmal aber auch auf eine sehr direkte Art. Wenn du „abhängig beschäftigt“ bist, bist du besonders anfällig dafür, dressiert zu werden. Diese Ausbeutertypen von der „Leitung“ sollten dazu verdonnert werden, 1 Tag in der Woche selber diesen Job zu machen.

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I’m not sure whether this is really coffee…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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7 Antworten zu Dressur

  1. westendstorie schreibt:

    Schau genau und du wirst sehen das alle großen Einzelhandelsketten so arbeiten. Was rede ich Einzelhandel. Schau dem Angestellten ganz genau auf die Arbeit, und es taucht fast überall die Kaffeefrage auf…. Bedauerlicherweise.

  2. Gerhard Mersmann schreibt:

    Schau dir mal auf YouTube Herbert Knebel im Coffie Shop an, das gibt es wass zu lachen!

  3. Samuel schreibt:

    Die müssen auch den ganzen Tag fragen, haben Sie eine Paycakekarte, Bonuskarte was auch immer, oder bei Bonusaktionen, möchten Sie auch ein Sparpack Küchenschwämme, den ganzen Tag, übel.

  4. HairyComment schreibt:

    Ich finde es wichtig, den geplagten kassenleuten klar zu zeigen, dass man sie nicht persönlich angreifen will – wie oft hab ich schon gehört, wie jemand unfreundlich ist, richtig aggressiv, und dann nur das abgespannte Gesicht hinter der Kasse gesehen… „Ich kann doch auch nichts dafür“.
    Wenn man wirklich genervt ist… es gibt meisstens Alternativen ohne payback und all den Müll, aber man muss sich eben die Zeit nehmen, seine Einkäufe zu planen statt nur in den nächstebesten Laden/Bäcker/… zu gehen – die grossen Ketten machen das fast alle, deswegen landet man sonst in der Kundenkartenhölle mit Nachfrage nach Willichnicht.
    Aber auch ich bin oft zu faul. Dann hilft nur noch ein schlechter Witz: „Nein danke, keinen Blähspeck“. Dann ist klar wie wenig man davon hält, aber die gebeutelten „abhängig beschäftigten“ lachen meisstens auch. „Noch einen?“ find ich aber auch gut.
    Nur, ob ich als Berater weniger dressiert bin… da wäre ich mir nicht so sicher.

  5. Shhhhh schreibt:

    An der Kaffeefrage, insbesondere dann, wenn ich einen solchen Becher sowieso in der Hand halte, würde meine Laune wahrscheinlich auch scheitern. Als gelernter Einzelhandelskaufmann , der in seinem Beruf auch Azubis ausgebildet hat, ist es mir jedoch nicht fern, diese Frage in anderen Zusammenhängen durchaus zuzulassen. Nichts ist ärgerlicher, als ein elektrisches Gerät zu kaufen und erst zu Hause zu merken, dass für den Betrieb Batterien nötig sind. Und auch sonst gibt es viele Fragen, die durchaus Sinn machen und in Abwägung mit den jeweiligen Kundinnen und Kunden, die da gerade stehen, zu fragen sind. Ich rege mich nicht darüber auf, ob ich beim Schuhkauf noch ein Imprägnierspray brauche oder ein Paar Einlegesohlen, auch wenn ich weiß, dass ich das Angebot ausschlagen werde.
    Recht machen, kann es sowieso niemand, denn umgekehrt, also ohne Nachfrage, wird sich auch beschwert. Augen zu und durchwinken, ist da für beide Seiten die beste Lösung.

  6. TurboProp der III schreibt:

    „Coffee to go. Eigentlich …. . Die Attitüde auch: da laufen die Leute mit ihren blöden Pappbechern mit Plastikdeckeln rum als könnten sie keine 5 Minuten ohne Kaffee auskommen. … furchtbar.

    Anyway. Es gibt Fälle, da mache ich das auch“

    Widerspreche nie einer Frau, das macht Sie nach 5 Minuten schon selbst😉,

  7. Pingback: Kaffeehäuser | sunflower22a

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