A week in a refugee camp

I feel obliged to tell you about it.

Es fällt mir immer noch sehr schwer meine Eindrücke zu verarbeiten. Ich glaube auch nicht, dass es darauf eine einzige Antwort gibt. So unterschiedlich wie die Menschen, denen ich begegnet bin, waren ihre Reaktionen auf mich, meine Fragen, meine Anteilnahme. Manche haben sich sehr gefreut. Manche nicht, manche waren offen feindselig. Die eine Beschreibung dieser Woche könnte lauten, westliche Katastrophentouristin schreckt vor gar nichts zurück. Eine andere könnte sein, meine Bekannte die mich dorthin eingeladen hatte, hatte für eine Woche endlich die persönliche Assistentin für ihre extrem kräftezehrende Aufgabe in der Administration dieses Lagers. Ich hoffe, letzteres überwiegt ersteres. Nein, wenn ich ehrlich bin, viel mehr als das kannst du in einer Woche nicht leisten. Schon gar nicht als Ausländerin. Nach zwei Tagen hatte ich das verstanden und war sehr deprimiert und lag heulend im Bett. Über all das Elend und die Tatsache, dass ich hier einfach völlig deplaziert war, bei all meinem guten Willen, aber wen interessiert das schon.

Whatever. It was okay. I think I made a little, little difference, particularly for my friend. She is doing an unbelievable job. She needs support. If that was my role, I am happy. But one-week foreign interns is not really what she needs. Anyway. Better than nothing, I hope.

Mehr und mehr Menschen in den Camps beginnen zu verstehen: sie werden länger bleiben. Sie wollen es nicht akzeptieren. Aber es ist so. Unübersehbar die Parallelen zu den palästinensischen Flüchtlingslagern, die seit 1948 in der Region „provisorisch“ bestehen und doch längst permanente Siedlungen geworden sind. Alle haben Angst dass es genauso kommen wird. Nicht alle haben Verwandte, die auf der anderen Seite der Grenze leben und sie aufnehmen. Sie können nicht zurück, oder nur unter Lebensgefahr.

Die extremen Bedingungen, die Perspektivlosigkeit führen zu Spannungen. Wie immer sucht sich der Druck ein Ventil. In vielen Familien entlädt er sich auf den Frauen. Konservative Wertevorstellungen werden stärker, und gleichzeitig der Zusammenbruch derselben. Frauen werden unter Druck gesetzt, „islamischen Werten“ zu folgen – und gleichzeitig es gibt Heiratsmafias, die mit syrischen Frauen ab $100 für Zwangsheiraten handeln. Reiche Araber aus Jordanien, Saudi, dem Golf kommen um „einzukaufen“. Notfalls hilft man mit Vergewaltigungen nach, um den Widerstand zu brechen. Widerwärtig. Viele Frauen  fühlen sich wie Freiwild in den Camps. Niemandem können sie trauen. Manche Kidnapper verkleiden sich als Frauen und schlagen in den Toiletten zu. Familienväter reagieren, nicht ganz unlogisch, darauf, indem sie Frauen und Mädchen nicht mehr alleine irgendwohin lassen. So gehen Jahrzehnte gesellschaftlichen Fortschritts ganz rasch unter.

Das ist die eine Seite. Beispiele wunderbarer Solidarität, gegenseitiger Unterstützung, auch über religiöse und ethnische Grenzen hinweg sind die andere Seite. Leute, die ihr Leben riskieren um anderen zu helfen. In einem Flüchtlingslager kommen die guten wie die schlechten Seiten der Menschen um so deutlicher hervor.

Katastrophentouristin und personal assistant meiner Bekannten. Beides stimmt. Es ist schwer auszuhalten. Schon wieder fange ich an zu weinen. Aber nichts wird besser, wenn ich all das nicht auch ein bisschen verdränge, weil du hältst das einfach nicht aus.

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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8 Antworten zu A week in a refugee camp

  1. Nachfahre schreibt:

    Es gibt wohl einen Grund, warum Wir Deutsche so, ja……..,kalt und ohne Empathie und auch wieder so hilfsbereit reagieren.
    Meine Tante starb im Alter von einem Jahr in einem Flüchtlingslager, Camps gab es da in der deutschen Sprache noch nicht. 1945 auf einer dänischen Ostseeinsel verhungert.
    Es war Winter, saukalt. Meine Oma hat nie vergessen, welches Geräusch entstand, als Hilfskräfte den gefrorenen Körper zu weiteren auf einen Karre warfen. Ein Geräusch wie Holzstücke, die aufeinander geworfen werden.
    Meine andere Tante hat sich mit 16 Jahren mit Ihrem Bruder an der Hand zu Fuß von Danzig durch die russischen Linien gekämpft. Sie wurde nicht vergewaltigt. Aber viele andere.
    Das kollektive Gedächtnis der Deutschen kennt alles.
    Es ist alles nix neues, es war alles schon mal da.

  2. Nachfahre schreibt:

    Deutsche Wehrmacht und SS machen einen Aufstand im Ghetto von Warschau nieder.
    Israelische Spezialeinheiten machen einen Aufstand im Ghetto von Gaza nieder.
    Es ändern sich nur die Namen.
    Ich hatte tatsächlich mal vor UFOs angst.

    • Tim schreibt:

      Das ist ein deplatzierter Vergleich, der einen an sich berührenden Blogeintrag völlig unnötig politisch auflädt. Denn Du weißt selbst sehr gut, das, wenn Israel tatsächlich agieren würde wie die SS, Gaza und das Westjordanland nächste Woche frei von Arabern wäre. Da stünde kein Stein mehr auf dem Anderen, denn militärisch haben die Palästinenser Israel nichts entgegenzusetzen. Man kann deren Politik anprangern (so wie man auch die Politik der Hamas-Verbrecherbande anprangern kann), aber solche Vergleiche tragen erstens nicht zur Lösung bei und verharmlosen zweitens die Verbrechen der Nazis. Das macht es übrigens gerade zwielichtigen Typen wie Netanjahu besonders einfach, jede legitime Kritik an seiner Politik mit dem Verweis auf antisemitische Spinnereien abzuschlagen. Auf die Art ändert sich dort unten nie etwas, weil diese art blindes Lagerdenken die korrupten Führer auf beiden Seiten an der Macht hält.

      Letztlich ist es doch seit Anbeginn der Zivilisation immer die gleiche Geschichte: Die gesellschaftlichen Eliten haben überhaupt kein Interesse an einer gerechten Welt mit Sicherheit und einem guten Lebensstandard für alle Erdenbürger. Immer muss noch mehr zusammen gerafft werden auf Kosten der Mehrheit, ob man das dann mit irgendeiner Religion oder sonstiger Ideologie rechtfertigt ist erst mal nachrangig. Das ist immer nur Mittel (Indoktrination der Massen) zum Zweck (mehr Macht anhäufen).

      Wenn unsere Nachfahren diesen Kreislauf fortwährender Idiotie irgendwann mal durchbrechen sollten, wird es dieses ganze von wenigen Menschen verursachte Leid nicht mehr geben.

      Bis dahin kannst Du als Ottonormalbürger, der nicht über große gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Macht verfügt, Dir eben nur Deine Humanität bewahren und immer wieder versuchen, in Deinem Umfeld Positives anzustoßen („making a difference“, wie die Amis sagen). Ob man nun eine Woche in einem Flüchtlingslager aushilft oder den Flüchtlingen am Hauptbahnhof Essen vorbeibringt, oder den Mund aufmacht wenn der Nachbar dümmliche AfD-Parolen nachplappert – es geht darum, Haltung zu zeigen. Wenn wir als satte Wohlstandsbürger das nicht können, wer dann?

      Im jüdischen Talmud gibt es einen schönen Ausspruch – den die Moslems passenderweise in den Koran übernommen haben: „Wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.“

      Niemand kann allein auf sich gestellt die ganze Welt retten, aber jeder kann *einen* Menschen retten, der dann seinerseits die Möglichkeit hat, wieder andere Menschen positiv zu beeinflussen. So lässt sich etwas bewegen und deshalb sollte man sich nie vor dem ersten Schritt scheuen, egal wie klein er sein mag.

  3. Nachfahre schreibt:

    So kann man es auch sagen.
    Was ich aber nur sagen wollte, der Mensch ganz allg. ist per se ein Arschloch.
    Manchmal glaube ich tatsächlich dieses Eso-Zeug, daß Wir Menschen von Außerirdischen als Arbeits und Kriegssklaven gezüchtet wurden.
    Aber nur manchmal.

    • Tim schreibt:

      Nein, der Mensch ist nicht ganz allgemein per se ein Arschloch. Die Erkenntnisse aus Geistes- und Sozialwissenschaften, Biologie und Anthropologie sind so manigfaltig, dass wir Heute ziemlich genau wissen, wie eine Gesellschaft ohne Gewalt, Korruption und Machtmissbrauch konstruiert sein müsste – diese „Utopie“ ließe sich jederzeit in die Tat umsetzen, wenn dem nicht die alten Machtstrukturen von denen immer nur wenige profitieren, im Wege stehen würden.

      Vom reinen Stand des Wissens her hindert uns nichts daran, in einer Gesellschaft zu leben wie die Menschen in „Star Trek“. Kein Mensch müsste verhungern, verdursten, an leicht behandelbaren Krankheiten sterben, von Minen oder Granaten zerfetzt werden oder im Mittelmeer ertrinken. Jeder könnte ein langes Leben in Frieden in seiner eigenen Heimat führen.

      Es ist nicht der Mensch, der vom Herrgott oder der Evolution irgendwie falsch konstruiert wurde, sondern die Gesellschaft, in der er lebt und die er täglich mit erschafft.

      • Nachfahre schreibt:

        Ich nenne Dich jetzt mal intellektueller Theoretiker.
        Begib Dich mal dahin wo’s weh tut. In die Firmen oder auf den Bau.
        Da wo die Blaumänner und „normalen“ Leute sind.
        Die gönnen ja nicht mal Ihrem Kollegen an der nächsten Werkbank einen € mehr Stundenlohn.
        Und das wichtigste ist, daß man eine dickere Karre fährt als der andere.
        Oder geh in irgend eine scheiß Kneipe. Wo das Leben tobt.
        Zitat „Es ist nicht der Mensch, der vom Herrgott oder der Evolution irgendwie falsch konstruiert wurde, sondern die Gesellschaft, in der er lebt und die er täglich mit erschafft.“
        Ganz genau…….die er höchstselbst erschafft.

  4. gunny schreibt:

    Katastrophentouristin? Nö – wie willst Du denn sonst heraus finden was in den Flüchtlingslagern passiert – welche Menschen dort leben – und aus welchen Gründen sie dort gestrandet sind?
    Und vor allem: Welche politischen Kräfte sind es die an der Aufrechterhaltung dieser Lager festhalten – und eine Integration der Menschen in den jeweiligen Gesellschaften verhindern. Flüchtingslager sind lediglich Nothilfen für einen kurzen Zeitraum – langfristig sind sie ein unbarmherziges und furchtbares Instrument sozialer Desintegration – und ein Ausdruck kollektiver Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit. –

    Spiegelt das nicht Dein Bericht wieder? – der im übrigen in meinen Augen korreliert mit dem UN Bericht in dieser Woche über Gaza in dem es heißt das Gaza spätestens 2020 wegen einer Vielzahl von Gründen unbewohnbar sein wird – wenn dort weiterhin nichts wesentliches – wie in den letzten Monaten. –

    Es ist schwer auszuhalten – natürlich ist es das – und das geht nicht nur Dir so. Aber wenn es Menschen gibt welche diese Erfahrung gemacht haben ist es einfacher die Konsequenzen daraus zu ziehen – und das sage ich nicht nur aus Gründen der Aktualität des Themas.

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