Gutes Essen – so wichtig wie Sex

Journelle hat einen sehr bewegenden Blogpost veröffentlicht, in dem sie die schrecklichen Erfahrungen ihrer letzten Diät beschreibt. Es war ein Fiasko, und nun rechnet sie ab mit den falschen Propheten von „gesundem lifestyle“, Fitnessideologie, und die damit zusammenhängende Ausgrenzung derer, die nicht „fit“ oder produktiv sind.

Geblieben ist aber die Wut, die Wut darauf, dass Essen als ein Gift verkauft wird. Und zwar teuer. Auch wenn es mich freut, dass es Menschen gibt, die hier einen Weg gefunden haben, sich und ihre Familie mit Gemüseshakes zu ernähren, indem sie anderen Menschen überteuerte Produkte und abstruse Heilstheorien verkaufen, möchte ich spucken, wenn ich unter irgendeinem Gericht den Hashtag #healthy, #fit oder #clean lese.

Wer ab und zu auf all diese neuen „clean and healthy food“-Trends reinfällt, sollte Journelles Blog unbedingt lesen. Brauchen wir jetzt „Superfoods“, Goji- oder Acai-Beeren oder Chia-Samen? Quatsch. Sollen wir jetzt nur noch Rohkost essen? Quatsch. Nur noch vegan? Quatsch. Und so weiter.

Auch die schwachsinnige Ideologie, man müsse jetzt überall „glutenfrei“ essen, nervt nur. Amerika (jedenfalls die Küstenstaaten) fährt voll auf glutenfrei ab, das kommt bestimmt auch bald in Europa an. Gluten, ein Weizenprotein, soll angeblich ab sofort eine Art Supergift sein, nachdem die Menschheit es seit 12000 Jahren zu sich nimmt. Nur weil es eine Handvoll natürlicher Gluten-Allergien gibt, meinen jetzt Millionen Menschen, glutenfrei essen zu müssen. Ihr spinnt. In Wirklichkeit führt all dieses abnormale Essensverhalten nur dazu, dass genau die Allergien immer häufiger werden, denen ihr doch ausweichen wollt. Kein Zufall: Allergien sind ein first world problem, je wohlhabender, desto mehr Allergien. An den Genen wird es wohl kaum liegen.

Die New York Times hat diese gluten free-Ideologie kürzlich unter die Lupe genommen und kam zu dem exzellenten Schluss:

Maybe we should stop asking what’s wrong with wheat, and begin asking what’s wrong with us.

Das ist es in der Tat. Was soll all das? Journelles Fazit:

Das Kernproblem einer jeden Diät, die ich jemals gemacht habe, war der Verzicht. Nicht der Verzicht einer Kalorie, sondern der Verzicht auf ein schönes geschmackliches Erlebnis. Diäten waren für mich ein Gefägnis. Statt durch die Welt reisen zu können, saß ich im Kerker meiner Essensreglementierung.

Genau deswegen kann ich keine Diäten. Ich bin ein Genussmensch, Verzicht kann ich nicht. Leute, was soll das? Gutes Essen erkennt man in erster Linie daran dass es gut schmeckt. Industrielles Billigfastfood schmeckt nicht – wer einmal was Besseres gegessen hat, merkt sowas, jedenfalls wenn die Geschmacksnerven noch intakt sind. Gutes Essen ist auch keine Erfindung von heute, das gibt es schon lange, fast überall auf der Welt. Sogar in England.  Wer mehr wissen will, braucht sich nur bei der Slowfood-Bewegung umzusehen. Oder bei food activists wie Wurstsack. Gesundes Essen ist vielseitiges Essen. Am wichtigsten ist es dass es dir schmeckt, und dann kann es ruhig auch mal eine Fettbombe oder sonstwas sein, was du sonst für „ungesund“ halten würdest. Wichtig auch: für gesundes Essen zahlt man einen fairen Preis, von dem auch die Produzenten leben können. Nach dieser Devise lebe und esse ich. Damit helfe ich Produzenten guten Essens zu einem Einkommen, und die Apostel der Essenstrends von vegan bis diät und fitness lasse ich verhungern, genauso wie die Food-Industrie.

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Über sunflower22a

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3 Antworten zu Gutes Essen – so wichtig wie Sex

  1. MT schreibt:

    Es gibt auf arte.tv eine sehr sehenswerte Doku über den ganzen healthy-food- und Diätwahn. Titel: „Schlank durch Schokolade“. Da wird zusammenfassend gesagt, dass die ganzen Ernährungsstudien keine wissenschaftlichen Daten liefern, sondern eher Beobachtungen sind, die aber wegen ihrer begrenzten Aussagekraft nie allgemein zutreffend sind. Das, was also als Diätwunder verkauft wird, ist es nie, da es dabei in erster Linie um sehr viel Geld geht. Und viele fallen darauf rein, weil die Anbieter mit „wissenschaftlichen Studien“ werben, die jedoch keine sind, weil sie immer manipuliert sind.

    Hier der Link: http://www.arte.tv/guide/de/052711-000/schlank-durch-schokolade

  2. kalypso schreibt:

    hehehe……………gabs schon immer, wirds immer wieder geben.
    im endeffekt gehts nur ums geld. gesundheit kann man nicht kaufen.
    hat nämlich auch was mit der seele zu tun. you know? 🙂

    absolut köstlich hierzu: „willkommen in wellville“ – als buch und/oder dvd!

  3. waswegmuss schreibt:

    Nur ein schönes Bilder voller böser Weißmehlkohlehydrate:

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