Erdogan muss weg

Alternde Diktatoren sind gefährlich. Insbesondere dann, wenn sie in ferner Vorzeit in demokratischen Wahlen an die Macht kamen, und dann irgendwann größenwahnsinnig wurden. Wenn es dann unaufhaltsam abwärts geht, und sie sich an die Macht klammern, sind sie am gefährlichsten. Noch traut sich niemand, den Alten wegzuputschen. Noch kann der Alte viel Schaden anrichten. Und doch macht der Alte immer mehr Fehler, leidet unter verzerrter Realitätswahrnehmung, sieht die Welt nur noch im Freund-Feind-Schema. Er macht genau deshalb immer mehr Fehler. Alles, was er tut beschleunigt seinen Niedergang. Wann kommt endlich der Putsch?

Solche Beispiele gibt es viele. Aktuell eines der besten ist Erdogan. Nicht nur wegen seinem Operetten-Palast, das wäre noch das harmlos. Aber solche Paläste sind ist immer ein untrügliches Zeichen für Größenwahn. Es wäre der Türkei so sehr zu wünschen, dass sie ihn endlich loswird, dass sie endlich die AKP in die Opposition schickt und eine vernünftige, demokratische, pluralistische Regierung bekommt. Dieses wunderbare Land hat eine andere Regierung verdient.

Die türkische Innen- und Außenpolitik liegt in Scherben. Die indirekte Unterstützung für den IS-Terror hat Erdogan isoliert und ging erwartungsgemäß nach hinten los. Die Zauberlehrlinge der IS schlagen jetzt auch in der Türkei zu, das war jedem normalen Menschen von vornherein klar. Nur Erdogan nicht. In seiner Verblendung glaubt der Sunnit Erdogan bis heute, es wäre eine gute Sache, wenn der sunnitische IS das schiitische Assad-Regime besiegen würde. Wie so viele nahöstliche Potentaten ist er mental in mittelalterlichen Religionskriegen steckengeblieben. Würde der IS Damaskus erobern, die Hölle würde in der ganzen Region ausbrechen. Außer Erdogan erkennt das eigentlich jeder Mensch.

Nun kündigt er an, auch gegen den IS kämpfen zu wollen – und macht das Gegenteil. Die Einzigen, die gegen den IS bisher nennenswerte militärische Erfolge erzielen konnten, sind die kurdischen Kämpfer der PKK. Genau gegen diese wirft Erdogan jetzt Bomben ab – er unterstützt damit den IS noch direkter als vorher.

Nebenbei wirft er damit die türkische Innenpolitik um Jahrzehnte zurück. Der kurdisch-türkische Konflikt schien schon auf dem Weg zu einem friedlichen Ausgleich. Als Erdogan vor vielen Jahren noch ein normaler Mensch war, hat er diesen Ausgleich vorangetrieben.

Was dieses Land so dringend braucht, ist ein friedlicher Pluralismus, denn es ist ein religiös und ethnisch pluralistisches Land. Pluralismus, dieses zutiefst demokratische Zustand, war schon immer ein Alptraum, aller Ideologen und Potentaten. Erdogan hasst den Pluralismus. Wie kann jemand, der erfolgreicher Bürgermeister Istanbuls war, so enden? Weil er seit Jahrzehnten nur von Speichelleckern umgeben ist, statt von Leuten, die ihn im Zaum halten und nach 2 Amtsperioden ablösen.

Wenn dieser Wahnsinnige nicht bald gestürzt wird, droht der Türkei Schlimmes. Ein wieder rasch eskalierender Krieg zwischen Kurden und Türken. Ein eskalierender Terrorkrieg der IS gegen türkische Zivilisten. Ein immer diktatorischer auftretender Erdogan, der die Zivilgesellschaft drangsaliert. Eine abstürzende Wirtschaft. Fast schon hoffe ich auf einen Militärputsch. Nein, der wird nicht kommen, das Militär ist zu schwach, und besser würde davon auch nichts. Er wird es nicht zulassen, durch Wahlen gestürzt zu werden. Furchtbar. Meine lieben türkischen Freundinnen, ich sehe schwarz  für euer Land. Ich hoffe so sehr, dass es nicht so wird.

haleyreneephotographsdaysgoneby10 - Kopie

I hope the very best

 

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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Eine Antwort zu Erdogan muss weg

  1. Andi Latte schreibt:

    Danke für diese klaren Worte!

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