Flashmob in der U-Bahn

Ein toller Flashmob in der Berliner U-Bahn. Zum Welthurentag am 2.Juni machten sechs Ladies eine richtig gute Aktion, berichtet das lvstprinzip. Sie „betreten durch verschiedene Türen die Ubahn, ein Ghettoblaster mit “Human Nature” von Madonna auf voller Lautstärke. Drei davon ziehen weiße Masken auf und werfen ihre Mäntel ab. Darunter zum Vorschein kommt: nicht besonders viel Stoff, primär Lack, Leder und Schottenkaro. Die langen Beine mit den schwarzen Plateauheels schwingen sich um die Haltestange. Die beiden anderen leichtbekleideten Ladies verteilen Flyer im Abteil.“

LIEBE U-BAHN FAHRERIN, LIEBER U-BAHN FAHRER,

HABE KEINE ANGST.

WIR SIND NUR SEXARBEITERINNEN.

WIR TRAGEN MASKEN WEIL WIR STIGMATISIERT SIND.

UM EINEN NORMALEN ALLTAG IN UNSERER GESELLSCHAFT LEBEN ZU KÖNNEN, MÜSSEN WIR SEXARBEITER_INNEN UNSERE BERUFE NOCH IMMER VERSCHWEIGEN.

BEI DEM VERSUCH OHNE MASKEN ZU LEBEN, ERFAHREN WIR OFT BELASTENDE KONSEQUENZEN.

WIR ERFAHREN IN EINE ECKE GESTELLT UND NUR NOCH ALS SEXARBEITER_INNEN WAHRGENOMMEN ZU WERDEN.

WIR ERFAHREN WIE SICH BEKANNTE UND FREUNDE AUFGRUND UNSERER BERUFSWAHL ABWENDEN.

WIR ERFAHREN VORURTEILE UND ÜBERGRIFFIGE ÄUSSERUNGEN VON FREMDEN.

WIR ERFAHREN WIE ROLLEN IN UNSEREM TÄGLICHEN LEBEN DURCH EINE DEMASKIERUNG IN GEFAHR GERATEN. ROLLEN WIE ‚GUTE MUTTER‘, ‚VERLÄSSLICHE_R ARBEITNEHMER_IN‘, ‚ANNEHMBARE_R MIETER_IN‘, ODER ‚WOHLGERATENES KIND‘.

EHRLICH GESAGT: WIR VERSTEHEN NICHT WARUM.

FÜR DAS NEUE PROSTITUIERTENSCHUTZGESETZ DER GROßEN KOALITION IST GEPLANT, ALLEN SEXARBEITER_INNEN DIE MASKEN ABZUREISSEN. ZUSÄTZLICH ZUR STEUERLICHEN ERFASSUNG, SOLL EINE BEHÖRDLICHE ZWANGSREGISTRIERUNG ERFOLGEN, DAS NACHWEISDOKUMENT MUSS MITGEFÜHRT WERDEN UND OUTET JEDE_N INHABER_IN ALS PROSTITUIERTE_N.

DIESES GESETZ SOLL UNSEREM SCHUTZ DIENEN. SOLANGE ABER DIE GESELLSCHAFTLICHE STIGMATISIERUNG VON SEXARBEITER_INNEN BESTEHT, FÜHLEN WIR UNS DURCH DIESE ZWANGSDEMASKIERUNG GEFÄHRDET STATT GESCHÜTZT.

SPRECHT MIT UNS, STATT ÜBER UNSERE KÖPFE, KÖRPER UND MASKEN HINWEG ZU ENTSCHEIDEN.

SPRECHT MIT UNS, STATT ÜBER UNS.

GEGEN DIE STIGMATISIERUNG VON SEXARBEITERINNEN.

Sehr mutig – und ein super Bericht mit schönen Fotos über die Reaktionen bei lvstprinzip.

In New York, dieser langweilig gewordenen Metropole der US-Ostküste, wäre so etwas nicht möglich. Nicht nur weil Sexarbeiterinnen dort richtig massiv kriminalisiert werden und sich so etwas nicht trauen können. Sondern auch, weil dort solche Aktionen in U-Bahnen generell verboten sind. Verboten, verboten, verboten – in den USA wird immer mehr verboten, außer natürlich Waffen tragen. Das darf man. Halbautomatische Waffen im Flughafen von Atlanta? Erlaubt.

Aber dance performances in der U-Bahn? Nein, das ist gefährlich. Seit März 2014 werden sie rigoros unterbunden. Litefeet werden – wurden – sie genannt, eine eigene Kunstrichtung, entstanden in den 70er Jahren. Nach 40 Jahren beendet, per Polizeiverordnung. New York City heute. Was für eine traurige, langweilige Stadt. Scott Carthy hat letztes Jahr noch ein Video über diese tollen Jungs gedreht – jetzt ist es ein historisches Dokument, die letzten Tage einer genuin New Yorker Kunst. So sad. Hier zu sehen bei Nowness.

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New York City – Police City

Über sunflower22a

I am a mystery.
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Eine Antwort zu Flashmob in der U-Bahn

  1. MT schreibt:

    Sorry, aber ich hasse „Flashmobs“ (schon dieser Name…), egal welcher Art. Mich nervt das einfach nur und bringen tut es meistens auch nix. Was soll auch passieren? Die Oma oder die junge Mutter in der U-Bahn wird sich danach genauso wenig für die Prostituierten und ihre Probleme interessieren. Warum sollte sie auch? Sie hat doch mit diesem Leben nix am Hut und wird es auch nicht auf einmal gut finden. Sie wird es immer ablehnen. Und die Männer interessiert wahrscheinlich nur, wieviel so eine Dienstleistung kostet und wie man es vor seiner Ehefrau verheimlicht.

    Und wenn die Sexarbeiterinnen so ein Gesetz nicht wollen, haben sie doch das perfekte Mittel in der Hand, es zu unterbinden. Einfach mal damit zu drohen locker aus dem Nähkästchen zu plaudern, auf was so ein Abgeordneter steht, wenn er heimlich nach der Arbeit rüberkommt und schon ist das Gesetz vom Tisch.

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