Discoveries in Rural Germany

What is Germany? For a big city girl like me, it means the cities. They’re not that big compared to big cities in other countries, but I believe like everywhere the big cities are markedly different from the rural parts of the country. Understanding Germany means, don’t look only at the cities. However, I hardly know rural Germany.

So my dear friend Lucy invites me. Get to know rural Germany, she takes me to her native Westphalia. Sauerland, what a strange name. The Acid Country. El Paìs Acedo. How can you call your region like this? We do what the natives do: wir wandern. So lernst du ein Land kennen.

Wandern, durch Dörfer, Wälder und Felder. Beautiful country, why on earth did they call it acid? Lucy weiß es auch nicht, es hat sie nie wirklich interessiert warum es so heißt. Akkurat gepflegte Landschaften, Wälder die in anderen Ländern als „Park“ gelten würden. Wohlhabende Menschen, obwohl das hier keine süddeutsche Boom Region ist.

Schön hier.

Nein, das wird kein arroganter Big City Girl Text über die dummen Landeier.

Wir wandern durch dieses Land, das überhaupt nicht sauer ist. Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern. Es wäre sicher anders an einem nebligen Novembertag. Aber dies ist kein nebliger Novembertag.

Ich glaube, noch nie habe ich soviel marschiert wie heute. Viele Kilometer. Nur Nordeuropäer machen so etwas. In anderen Teilen der Welt machen das nur Arme, die sich keine Transportmittel leisten können.

Wir spüren unsere Beine, unseren Hintern, und vor allem unseren Bauch. Aber es ist ein schönes Gefühl. Aber: wir haben Hunger und zuwenig Proviant. Zwei Gasthöfe, beide geschlossen. Der dritte: geschlossene Gesellschaft. Extended family. Aber sie lassen uns dennoch dabeisein, sie sind neugierig auf uns. Wir auch. Ein üppiges Buffet, wie wunderbar. Wir sind eingeladen, dinner for free. Kaum zu glauben.

Was hat euch hier her verschlagen? Woher kommt ihr?

Nach dem üblichen Smalltallk zum Warmwerden kommen wir in eine politische Diskussion. Lucy hatte mir von sowas immer abgeraten. Nicht hier. Too dangerous. Aber ich bin nicht zu stoppen. Landflucht. Die jungen Leute wollen alle in die Städte. Berlin quillt über, Hamburg, München, überall. Die ländlichen Regionen leeren sich. Was machen die jungen Leute hier bei euch? Bleiben sie hier, oder wollen sie auch weg?

Ja, ein brennendes Thema. Wer studiert, kommt selten zurück. Das Arbeitsplatzangebot ist nicht schlecht, noch, aber besser wird es nicht. Man ist froh, wenn es sich nicht verschlechtert. Der öffentliche Dienst baut ab, die Kommunalhaushalte sind klamm. Ein mittelständischer Betrieb wurde letztes Jahr von einem Konzern gekauft, seitdem wird von Personalabbau geredet. Eigentlich eine wirtschaftlich gesunde Region, aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht optimistisch.

Was tut ihr dagegen, für eure Zukunft?

Man kann nicht viel tun. Die Entscheidungen fallen woanders, weit weg. Das ist das wirklich Neue, das war früher anders. In der alten BRD fielen die Entscheidungen noch in der Region, wir standen auf eigenen Beinen. Heute sind wir abhängig geworden, von Weltmärkten, von anonymen globalen Strukturen.

Sie wehren sich nicht, sie arrangieren sich. Sie wissen nicht, was sie dagegen tun sollen. Man hat sie entmündigt. Langsam, schleichend, nach und nach. Sehr optimistisch blicken sie nicht in die Zukunft. Das nagt an ihrem Stolz, an ihrer Würde.

Die armen Schweine, die übers Mittelmeer kommen, die beneiden uns hier. Aber die Besten, die Klügsten hauen auch bei uns ab, nur eben nicht unter Lebensgefahr.

Ich mag die Menschen hier. Sie haben sich etwas erarbeitet, darauf sind sie stolz. Können sie das erhalten? Welche Perspektiven haben sie, ihre Kinder hier in ihrer Heimat? Überall unterschwellige Verunsicherung. Es war eine der besten, ehrlichsten politischen Diskussionen seit langem. Diese Menschen haben mehr von den ökonomischen Realitäten verstanden als die hohlen Besserwisser, Meinungsmacher und sogenannten Wirtschaftsexperten dieses Landes, die Wirtschaft mit Aktienkursen, Freihandelsabkommen und Wachstumsraten verwechseln. Sie haben auch mehr von den ökonomischen Realitäten verstanden als viele der ach so klugen linken Intellektuellen in den großen Städten, die – wie ich – so gut wie nie in die Provinz kommen und die – im Gegensatz zu mir – die Menschen in den ländlichen Regionen verachten und glauben, dort wohnen nur rückständige Dumpfbacken.

No surprise in a way, when this beautiful place calls itself The Acid Country…. well, just kidding.

To be continued

0424AS (124)

Über sunflower22a

I am a mystery.
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6 Antworten zu Discoveries in Rural Germany

  1. Omega-Mann schreibt:

    Es hiess mal Suderlande, dann Suerland, dann Sauerland. Dialektische Verformung und so …

  2. Mitleser schreibt:

    Ich glaube ja, die Lage verschiebt sich so langsam.
    Städte sind nicht mehr attraktiv wegen zu hoher Mieten, zu niedrigen Löhnen, zu viel Kriminalität, Dreck, was weiß ich. Und die Leute rotten sich ja in den Städten auch in „Dörfern“, vulgo Kiez, wieder zusammen. Gerade wegen der gefühlten „Gemütlichkeit“, der persönlichen Kontakte, eigentlich der Enge, der man entfliehen wollte.
    Und das beste Gras wächst sowieso unter freiem Himmel.

    • Lothar schreibt:

      Und schon setzt das große Fahren ein. Ich sehe das bei uns ständig:
      Man arbeitet in Karlsruhe, wohnt aber in der Pampa aka Pfalz.
      Man weiß, daß die Rheinbrücke jeden Morgen und Abend dicht ist.
      Man weiß auch, daß sich das nicht ändert, nur weil man auf Land
      gezogen ist. Trotzdem ärgert man sich zweimal am Tag im Stau.
      Wenigstens haben Umwelt und Klima was davon, denen ging es
      schon viel zu gut.

  3. Janusz schreibt:

    Das Sauerland hat nicht nur einen kuriosen Namen, es gibt dort auch Orte mit noch merkwürdigeren Namen, die so klein sind, das man sie nicht mal mehr als Dorf bezeihnen kann.
    Und im Prinzip besteht das Sauerland ja auch nur aus Wald und Bergen. Was will man da auch machen außer wandern. Oder Motorad fahren, wegen der vielen kurvigen Strassen. Als Berliner würde man sagen: „Janz schön viel Jejend hier.“😉
    Mal abgesehen davon, dass der Sauerländer an sich recht merkwürdige Sitten und Bräuche hat, die sich letztendlich nur ums Alkohol konusmieren drehen. Da kann man doch nur das Weite suchen. :))

  4. Pingback: Love in the Sauerland | sunflower22a

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