Luxury in Greece

Mal wieder frage ich mich, warum sie gerade mich für diese Konferenz ausgesucht haben. Ich krieche niemanden dafür in den Hintern. Andere tun es. Wie oft bin ich das enfant terrible. Dennoch, wieder mal ich. Warum ich, will ich wissen, ich tue doch nichts dafür.

Nein, Sie wissen ganz genau warum wir Sie auswählen.

Na gut. Warum nicht. Athen. Schöne Stadt. Spannend, in diesen Krisenzeiten. Niemand würde in diesem Meeting denken, wir wären in einem Krisenland kurz vor dem Staatsbankrott. Hier ist die Krise Thema, aber eigentlich könnten wir auch über irgendein Land in Afrika reden. Es wird über die Krise geredet, und wie man damit verdienen kann, klar. Das kann man gut. Im Chinesischen ist das Wort für Krise und das Wort für Chance dasselbe. Sehr weise.

Hier fehlt es augenscheinlich an nichts. Luxushotel, bestes Essen, what have you.  Erst recht das Dinner abends. Private residence, a large villa, Pool unter Palmen. Reichtum offen zur Schau gestellt. Es geht ihnen gut, diesen Griechen. Diesen Griechen. Makellose Schönheiten, wie geklont, servieren Cocktails, fingerfood, anything you want. Perfect English, you could easily think they’re Americans. All these foreigners talking about Greece, but not with real Greeks. People like me, to be precise. Yes, I am one of them. Right now. Dieser oberflächliche Smalltalk überall, es macht mich eigentlich krank. Aber ich bin eine gute Schauspielerin. Ich spiele meine Rolle. Dafür bin ich hier.

Der Gastgeber lässt sich nicht sehen. Angeblich will er später noch kommen. Aber das macht nichts.

Es ergeben sich Gelegenheiten für Gespräche mit etwas mehr Substanz. Ob mit der neuen linksradikalen Regierung die Geschäfte jetzt schlechter laufen?

Nein, don’t worry. Es läuft alles so weiter. Nichts ändert sich wirklich. In Griechenland kann sich gar nichts ändern. Sie haben keine Erfahrung, keine Spielräume, kein Geld. Die neue Regierung ist harmlos, alle Regierungen sind harmlos. Alle brauchen die wirtschaftlichen Eliten. Man leiste ja schon seinen Beitrag. Wie alle.

Sie meinen, diese Syriza verspricht den Leuten, alles wird anders, und dann passiert eigentlich nichts, und das Volk macht das einfach mit?

Natürlich, das Volk hat jetzt schon Angst vor der eigenen Courage. Klassenkampf will hier niemand.

Der Staatsbankrott sei eine reale Gefahr, aber nur wegen der Inkompetenz der neuen Regierung. Nur ihre Inkompetenz mache sie gefährlich. Sie wissen nicht, was sie tun, sie haben keine Ahnung. Natürlich wisse jeder, dass der Staat diese Schulden niemals zurückzahlen könne. Aber damit müsse man professionell umgehen, es gehe ja nur darum, an den Finanzmärkten glaubwürdig zu bleiben. Der griechische Staat sei de facto seit seinem Bestehen immer bankrott – schon bei der Unabhängigkeit vor 180 Jahren hätten die sich so dumm angestellt,  dass sie gleich Milliardenschulden beim Westen hatten.

Wir wechseln das Thema. Ich darf nicht zuweit gehen. Ich bleibe jetzt beim langweiligen Smalltalk. Das Essen ist sehr lecker. Let’s just pretend enjoying everything.

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Any crisis makes (or keeps) a few people rich

 

 

Über sunflower22a

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2 Antworten zu Luxury in Greece

  1. gunny schreibt:

    „“Let’s just pretend enjoying everything.““
    No. Wozu gibt es denn enfants terribles? Enfants terribles gibt es deswegen weil schreckliche Kinder kein Problem damit haben riesengroße Warnschilder an den Stellen aufzustellen an denen es nötig ist. –
    „“Sie meinen, (diese) Syriza verspricht den Leuten „Alles wird anders“-, und dann passiert eigentlich nichts,(..)?““-
    Danach sieht es aus. – Solange die griechischen Reeder steuerfrei ihre Schiffchen fahren lassen können, solange es kein Steuersystem gibt welches man oder frau auch Steuersystem nennen könnte – und solange Syriza eine Politik betreibt die dazu führt das die Griechen Ihre Euros unter dem Bett stapeln vor der Angst eines Grexits – solange wird sich auch nichts ändern.-
    Ansonsten – die Griechen waren schon vor dem Euroeintritt pleite. Und davor auch schon.
    Aber nichts ist umsonst. Auch Syriza nicht. Ganz langsam – ein Mauseschrittchen nach dem anderen – beginnen die Griechen zu begreifen das selbst eine Currywurstbude eine einigermassen aussagefähige Abrechnung braucht um schwarze Löcher entdecken zu wollen.

    BTW- Meinungsverschiedenheiten? Kann sein. – Ist aber völlig egal – Dein Bericht ist einfach klasse – höchstwahrscheinlich hat sich hinter den Sonnenblümchen eine Zauberin der Worte versteckt.

  2. Lothar schreibt:

    „Im Chinesischen ist das Wort für Krise und das Wort für Chance dasselbe.“ –
    Im Deutschen sind die Wörter für „umfahren“ und „umfahren“ auch dieselben,
    können aber das Gegenteil voneinander bedeuten.

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