People that make you crazy

Eigentlich wollte ich keine traveller saga mehr schreiben. All der Irrsinn rund um das heutige Reisen, oder transportiert werden. Ausgefallene Züge, liegengebliebene Flugzeuge, verschwundenes Gepäck und so weiter. Ihr kennt das alles selbst und wollt das nicht mehr lesen oder hören.

Aber heute ist das so surrealistisch, ich kann nicht anders. Diese rollende Sardinenbüchse namens ICE ist auch eine rollende Komödie. Wie glücklich, ich habe einen reservierten Platz. Wie dumm von mir, die zweite Klasse zu buchen. Leider waren alle Tische in der 1. ausgebucht. Da sitze ich nun, eingezwängt am Fenster. Unmengen Menschen mit schwerem Gepäck schieben sich in diesen Zug. Habe ich einen Fluchtgrund nicht mitbekommen? Neben mich setzt sich ein unangenehmer Zeitgenosse, der so stark nach Nikotin riecht, dass mir schlecht zu werden droht. Er gehört zu den nervigen Menschen, die nichts zu lesen oder zu tun in den Zug mitnehmen und dann ständig ihre Nachbarn beobachten oder anquatschen. Die Mails die ich lese, liest er interessehalber gleich mit.

Ich fange an, diesen Text zu schreiben.  Nein, ich sage ihm nicht die Meinung, aber er liest bestimmt neugierig mit während ich das schreibe. Warum habe ich nur keine Kopfhörer dabei? Drei Reihen weiter toben Kleinkinder lachend, weinend, kreischend. Irgendwann riecht es nach voller Windel, und die Mutter kämpft sich Richtung Toilette durch die im Gang stehenden Menschenmassen, während die zurückbleibenden beiden anderen Gören protestierend kreischen.

Hinter mir zwei Leute, die in ihre Handys brüllen „Was hast du gesagt?“ – „Ich höre dich nicht“ – „Da war gerade ein Tunnel“ und so weiter. Döner-Geruch macht sich breit, wo kommt denn das jetzt her? Ich falle bald in Ohnmacht, ich ertrage diese Gerüche nicht.

Da hilft nur eins: Parfüm. Ich neble mich ein. Protestierend geifert mich die Nikotinbombe an, was das solle. Freundlich biete ich ihm an, ob er auch was abhaben wolle? Er bekommt einen Lachkrampf, sehr lautstark, und ignoriert mich ab sofort demonstrativ. Super.

Die Mutti mit dem Kleinkind kommt aus der Toilette zurück, kämpft sich zwischen Riesen-Koffern und murrenden Menschen zu ihren Platz zurück. Eine Zugbegleiterin kämpft sich durch und versucht lautstark und erfolglos die Stehenden davon zu überzeugen, es gebe weiter hinten im Zug noch viel mehr Platz. Niemanden interessiert es, stoisch bleiben alle stehen.

Durchsage in Deutsch und Englisch: die Passagiere die aus dem Wagen mit der ausgefallenen Klimaanlage geflohen sind mögen doch bitte nicht nur in den benachbarten Waggon umziehen sondern in den gesamten Zug. Erfolglos.

Hinter mir ein Passagier der der Zugbegleiterin mit drohendem Unterton erklärt, das WLAN sei kaputt. Sie könne nichts dafür, sagt sie. Sie solle sich darum kümmern, sagt er. Sie habe jetzt wirklich wichtigere Probleme, antwortet sie. Die jetzt folgenden Schimpfworte gebe ich jetzt besser nicht wieder. Die Nikotinbombe hat ein Smartphoneticket, aber ein Smartphone mit zertrümmerter Scheibe. Das Lesegerät versagt. Der nächste lautstarke Disput, es fallen Worte wie Schadenersatz, Bundespolizei, leck mich doch am Arsch.

Ich wollte hier was arbeiten. Sinnlos. Ein rollendes Irrenhaus. Alles ganz normale Menschen, aber gemeinsam sind sie unausstehlich. It takes so little to make everybody crazy.

B0095

I guess I’d rather stay at home

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu People that make you crazy

  1. waldstern schreibt:

    ja, immer wieder ein Erlebnis.

  2. srtrippe schreibt:

    Sunny det kenn ick , Bahn ist det allerletzte …

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