How to fool a Veggie

Kürzlich machte die Industrie-Wurstfabrik Rügenwalder Schlagzeilen, dass sie auch noch „vegetarische Wurst“ (??) in ihr Sortiment aufnehmen wollen. „Firmenpatriarch Christian Rauffus setzt plötzlich auf vegetarischen Aufschnitt und hat Erfolg damit. Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft“, meint er. Oh welche Überraschung.

Anfeindungen aus der Branche seien sie ausgesetzt – „Wir werden angefeindet, vom Handel, vom Branchenverband, von Konkurrenten.“ Wie furchtbar. „Es war nicht leicht, die Belegschaft und die Verantwortlichen von den vegetarischen Produkten zu überzeugen. Mehrfach wurde der Veggieplan gestoppt“. Na klar. „Es geht nicht nur um die Wurst. Es geht um die Rettung der Welt. Darunter machen sie es nicht bei der Rügenwalder Mühle“. Mir kommen die Tränen bei dieser, haha, ethisch sauberen Geschäftsidee, bei der es weniger um die Rettung der Welt sondern um die eigenen Bilanzen geht.

Food-Aktivist Wurstsack sagt dazu glasklar, was er davon hält:

Ihr habt jahrelang deutsche Wurstkultur mit Eurer billigen Plastikwurst aus der Masstierhaltung vergewaltigt und tönt jetzt großartig vom Ende der Wurst? Ich hoffe Ihr meint damit das Ende EURER Wurst. Eure Wurst, die Euch zu Millionären und tausende Bauern zu Abhängigen, Kindern in Südamerika krank von Pestiziden und Arbeiter in den Schlachtbetrieben zu Sklaven gemacht hat. Von den Millionen Schweinen ganz zu schweigen, die für Euren Reichtum leiden mussten und für Euer Industriegemisch an Kopf und Schwanz verstümmelt wurden.

Schonungslos zeigt er auf, wie sich Veggie-Lifestyler verarschen lassen:

Was ist draus geworden? Ein Produkt aus 70% Hühnereiweiß unbekannter Herkunft mit allerhand künstlichen Aromen und bunten Zusatzstoffen. Ein runder Eierstich aus Käfigeiern der Massentierhaltung also….“Für vegetarische Mortadella sterben mehr Tiere, als für die Mortadella aus Fleisch.“ Derik Meinköhn hat nachgerechnet:

„Mortadella besteht zu 74% aus Fleisch. Also kann man theoretisch aus einem Schwein mit 90 kg Fleisch 121 kg Wurst herstellen. Vegetarische Mortadella besteht zu 70% aus Eiklar. Für die entsprechenden 121 kg Wurst würde man 84,7 kg Eiklar benötigen. 1 Ei wiegt 60 g und besteht aus 60% Eiklar. Also benötige ich für 84,7 kg Eiklar 2353 Eier. Ein Huhn legt 300 Eier pro Jahr, danach wird es geschlachtet, weil die Eierproduktion nachlässt. Also brauche ich theoretisch 7,8 Hühner um die benötigten Eier zu produzieren. Weil aber bei der Züchtung von Legehennen die männlichen Küken geschreddert werden, kommt man insgesamt auf 15 Tiere.“

Mich wundert überhaupt nichts mehr. Nicht die Wurst ist das Problem, sondern die Food Industrie und ihre Kunden, die sich alles aufschwatzen lassen, auch die Veggies.

Gute Wurst hat einen unvergleichlichen Geschmack. Gute Wurst beginnt bei gesunden Böden, glücklichen Tieren und fair bezahlten Bauern. Gute Wurst wird von ehrlichen Handwerkern hergestellt mit Gewürzen und nicht mit dubiosen „Zutaten“. Gute Wurst braucht Zeit. Gute Wurst braucht Hingabe, Pflege, Tradition und nicht zuletzt Kreativität. Alles das, was Eurem Mühlenbrei seit Jahren fehlt.

Meine volle Zustimmung. Und jetzt esse ich eine gute Salami. Aus handwerklicher Produktion.

by artofx.org

Immer nur Austern ist doch langweilig, ich will jetzt eine Wurst

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu How to fool a Veggie

  1. gunny schreibt:

    Eine Salami aus handwerklicher Produktion (die ungarische wird nur aus Schweinefleisch hergestellt) enthält zur Hälfte Rindfleisch, Schweinefleisch mit wenig Fett, Speck, Salz, Pfeffer, Koriander, Weingeist mit Knoblauch und Rotwein – je nach Rezept. Was mich am meisten ärgert ist das häufig nicht eindeutig drauf steht was — und in welcher Qualität die Zutaten in der Wurst verarbeitet wurden. Merkt ja keiner. Der Fleischer meines Vertrauens? Rügenwalder gehört sicher nicht dazu…….

    • anonym schreibt:

      Sorry ich muss dir wiedersprechen. Ich habe es so gelernt 60% Rind, 20% mageres Schwein, 20% Rückenfett vom Schwein. Die Gewürze stimmen in etwa, ist je nach Salami etwas anders.

      Das Rückenfett ist wichtig als Geschmacksträger, Fett bindet Gewürze, das Rind wird im übrigen gefroren verarbeitet damit es beim Kuttern nicht verbrennt. Dann alles in den Darm und 8 – 10 Wochen kalträuchern auf Buche. Die Salami wird schön fest und dunkelrot.

      • gunny schreibt:

        Kann schon sein – und hört sich gut an – natürlich gibt es unterschiedliche Rezepte für unterschiedliche Salamis. – Nur – mein Punkt war ein anderer.

  2. dermultiplepapa schreibt:

    Ich finde die Fleischersatzstoffe schon grundsätzlich pervers. Auch ohne die aufgedeckten Hintergründe schon.

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