A stranger in Brussels

Une semaine à Bruxelles, la capitale de l’Europe. Wer die Stadt nur an den (zahlreichen) wolkenverhangenen Regentagen kennt, wer für einige wenige Stunden einfliegt und gleich nach dem Termin wieder verschwindet, wird sie nie kennen- und schätzen lernen. Dann ist sie hässlich, grau, verschlossen. Wenn unverhofft der Sommer ausbricht und du hast Zeit, in diese Stadt einzutauchen, ist das etwas ganz anderes.

Brüssel ist wohl die am meisten multikulturelle Stadt Europas. Die Berliner brauchen sich auf ihre Stadt gar nichts einzubilden, so weit wird es Berlin nie bringen. In Brussels, we are talking about residents, not tourists. French savoir vivre, germanisch-nordische Nüchternheit, les Africains à Ixelles in perfekter Mischung. Schon das ganze Sprachengewirr ist faszinierend. Yes, I like it. I love it. Hilariously expensive, but nevermind. They pay very well here. I might well consider this place as my new residence.

It’s a young city. Not young tourists. Young residents. Coming here from all over Europe, hoping and trying to make a career. The vast apparatus of the European machine, Commission, Parliament, lobby offices….it’s a big employer. A melting pot of the peoples – the people, you could say – of Europe. Working language English. English accents of all different kinds. Soon you can tell the difference between Hungarian English, Polish English, Dutch English.

Alle in ihren Zwängen gefangen, aber viele froh der Enge ihrer Heimat entflohen zu sein und ihrer sozialen Kontrolle – hinein in eine ganz andere Form sozialer Kontrolle: was nützt, was schadet der Karriere? Die jungen Männer unterliegen einem strengen Dresscode, ohne Krawatte geht überhaupt nichts. Es wirkt so absurd in der Mittagssonne auf dem Place Luxembourg, all diese normierten Bürouniformen. Ganz anders die Ladies – weitaus chicer als im protestantisch-nüchternen Norden. Selbst die Deutsche oder die Niederländerin assimiliert sich irgendwann und legt mehr Wert auf Mode, auf Schönheit als in ihrer Heimat. I love that. High heels in the office – in Berlin wirst du so blöd angegafft, dass du es bald sein lässt. Not in Bruxelles. Here it is absolutely normal. Wonderful.

Spätnachmittags, die Sonne scheint. Tagespensum erledigt. Place Luxembourg, right next to the Parliament. Freie Plätze in den Cafes und Bistros sind kaum zu bekommen. Aber ich brauche nur einen. Eine Gruppe junger Leute. Mostly men. Die Hälfte hat ihre Krawatten abgelegt, die andere immer noch nicht. One lady among 4 men. Can I sit here? Sure, you’re welcome.

Smalltalk. Man muss wissen mit wem man redet. Nein, sie arbeiten nicht bei der Kommission. Sie sind, um ein hässliches, unsympathisches Wort zu gebrauchen, Lobbyisten. Stakeholder nennt man sie heute. Interessensvertreter auf deutsch. Junge Leute, ihre Karriere noch vor sich. Ihre Büros werden von erfahrenen älteren Herren geleitet, bestens vernetzt. Sie sind der Nachwuchs. Polyglott, keiner hier spricht weniger als drei Sprachen fließend. Exzellente Abschlüsse guter Universitäten. Internationale Erfahrung, gute Gehälter. Respekt. Alle in der Gruppe sind jünger als ich. Sympathisch sind sie, gar keine Frage. Wir spielen das fein taxierte Spiel, wieviel verraten wir voneinander, wieviel nicht….und natürlich: wieviel schmücken wir unsere Bios etwas aus, um es so auszudrücken. Eine Kunst, die ich perfekt beherrsche, aber nicht alle der jungen Herren. Glaube ich jedenfalls.

La capitale de l’Europe. Eine Bühne für junge, attraktive, aufstiegsorientierte Menschen, die natürlich auch menschliche Bedürfnisse haben. Oftmals lange und ungeregelte Arbeitszeiten, sie treffen eine Vielzahl anderer junger, attraktiver, aufstiegsorientierter Menschen. Heute Konkurrenten, morgen Partner, übermorgen wieder Konkurrenten. Feste Beziehungen gehen unter diesen Bedingungen schnell in die Brüche. Und: Wer weiß wie lange du hier bleibst. Viele verpflichten sich nur für einige Jahre, werden entsandt für einige Jahre, längst nicht alle bleiben dauerhaft. So manche und mancher bleiben hier einfach Single und spielen ab und zu boy meets girl.

Auch ich liebe dieses Spiel. Ich schaue mir einen aus der Gruppe aus. Er sieht am intelligentesten und wichtigsten aus, und redet am wenigsten. Attractive guy. Let‘s just try.

Nein, keine Komplimente. Teasing him. Warum er in der schönen Sonne die Krawatte nicht auszieht.

Er fühlt sich in der Öffentlichkeit wohler mit Krawatte, das gehört sich.

Aber die anderen Männer legen jetzt auch die Krawatten ab.

Nicht alle.

But I am so curious to see how you look without it.

Why?

I think ties are a bit like the Islamic veil. You are supposed to wear it and it makes you cover your personality, your individuality. But I am curious to see who you are?

But you can see my face.

Sure, but it’s not about that. Men behave differently when they take off the office uniform.

Zum ersten Mal lächelt er.

I will do it if you do me a favor in return.

Oh…which one?

You have to find out.

You mean, if I take off something too?

I wouldn’t mind, but that’s not what I am talking about.

I am not a Commissioner, I can’t do much for you.

I know, but you don’t know what I am talking about.

Natürlich weiß ich das, denke ich mir. He likes to tease ME. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ein Profi. Er hat mich hundertprozentig durchschaut. Ich ihn aber nicht. Das geht nicht. Das geht gegen meine Ehre. Er spielt quasi die Rolle der Frau und ausgerechnet ich muss ihn knacken und weiß nicht wie!! Hier hilft nur Offensive.

Ok, leave your tie on. It was just an idea. Most men are relieved when they can take it off, but if you feel insecure without it, fine.

Well done. It’s not about insecurity though. It’s about appropriate or not. It would not be appropriate.

For so many other men here it is appropriate.

Exactly. What does that tell you, lady?

You’re the boss.

Er lacht. You are…well, let’s put it that way:  It’s not so simple.

Das Verhalten der anderen am Tisch hilft auch nicht weiter. Zwei sind ganz ruhig geworden und beobachten nur noch ihn und mich. Die Lady und der vierte reden miteinander und ignorieren alle anderen. Ist er nur der Chef der beiden Beobachter?

Sir, I know. You are the boss but you also like to tease me. I was about to tease you, now you tease me. Well done. Smile.

Perfect. I knew you would find out.

He takes off his tie. Smile.

Now it’s appropriate?

No. But it is okay, I do it for you. What would YOU take off that you rather should not take off because it’s inappropriate?

Kompliment. Mutig. I smile.

The bra, of course.

Would you take it off now?

If you do me a favor, yes.

Haha. Very good. Copycat.

Copycat. Eine Frechheit. Gegen den komme ich nicht an. Aber das macht ihn nur interessanter. Welche Art von favor ich nun eigentlich erwarte, habe ich mir noch gar nicht überlegt. Copycat nennt er mich. Stimmt eigentlich, gut getroffen.

It goes on like that. He teases me, I try to tease him. It gets dark and cool. We go inside. He does not find out what the favor is that I want, but that is because I don’t even know that myself. At some point it’s time. I disappear for a minute and come back, without bra. Not quite appropriate in this blouse indeed. Usually, I enjoy doing that. Now I feel insecure. Strange feeling.

Er hat erreicht was ER wollte. Es wird jetzt rasch uninteressant, er verabschiedet sich. Ich möchte bezahlen, erfolglos, er hat schon bezahlt. Das hebt meine Laune auch nicht. My wonderful hotel room could have been so nice with some company.

B0005

Aber es war wohl besser so. Als ich gehen will, kommen die Lady und der Mann rein, die an unserem Tisch waren und uns bald ignorierten. Sie lächelt mich freundlich an und meint, ob ich wisse wer das war. Nein, das weiß ich nicht, he did not tell me.

Believe me, it’s better you don’t know.

Vermutlich hat sie recht.

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu A stranger in Brussels

  1. Sarah schreibt:

    Das Kann man allerdings überall erleben und spricht nicht für Brüssel. Brüssel ist so langweilig, insbesondere kulturell, dass man dort keine Lebenszeit verschwenden will. Es sei denn, man hat es nötig dort Karriere machen zu müssen und kann sich keinen der weit schöneren globalen Plätze erwählen oder man hat einfach schlechten Geschmack.

    Freilich Partnerschaft und Kinderbekommen ist in US auch nicht mehr erstrebenswert.

  2. Sarah schreibt:

    Hierzu „Freilich Partnerschaft und Kinderbekommen ist in US auch nicht mehr erstrebenswert.“ gehört noch http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/bewegung-free-range-kids-usa-wer-seine-kinder-draussen-spielen-laesst-riskiert-zehn-jahre-haft/11641892.html

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