Sozialdemokraten, Teil 2

Mein Sozialdemokrat. Er hat sich wieder gemeldet. Letzten Sommer habe ich die Freundin eines Sozialdemokraten gespielt, weil der für seine Karriere eine Freundin braucht. Glaubt er zumindest. Das erste Mal war interessant, das zweite Mal todlangweilig. Ich sagte ihm, keine Lust mehr. Er fragt an, ob ich nicht doch nochmal könne. Bitte. Bittebitte.

Nein, das war so öde, auf so etwas habe ich keine Lust mehr. Diesmal werde es spannender, ehrlich, es kommen wirklich interessante Leute. Auch welche von der CDU.

Sehen Sie, mit denen soll ich doch gar nicht reden, Sie haben doch immer Angst wenn ich den Mund aufmache.

Nein, okay, das sei kein Problem. Sie wissen schon was Sie in der Rolle sagen können, die Sie spielen.

Ich will aber nicht. Er bietet ein gutes Honorar. Er beginnt mir irgendwann leid zu tun. Also gut.

Eine Bitte hat er noch. Ob mein Outfit ein klein wenig dezenter sein könne. Es müsse ja nicht wie…er stockt. Ich lache.

Escort wollten Sie sagen, richtig? Genau das haben Sie mir doch gerade angeboten. Aber sehen Sie, die Profis machen das so dass man genau darauf nicht kommt dass sie Escorts sind. Keine Angst.

Ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten habe ich an diesem Abend nicht viel geredet, sondern viel zugehört. Eigentlich ein freudiger Anlass, aber mit einer so gedämpften Stimmung hätte ich nie gerechnet. Missmut überall. Niemand hat gute Laune. No future, sagen die Gesichter. Warum nur?

Die Sozialdemokraten, alle ihre Prestigeprojekte nacheinander abgearbeitet, was immer du von diesen Projekten auch halten magst. Sie glauben subjektiv was sie sagen, sie bestimmen den Kurs der Koalition. Es hat ihnen nichts gebracht. Die Umfragewerte dauerhaft im Keller. Was kommt jetzt? Was kann man noch tun? Niemand weiß es. Am wenigsten wohl ihr dauernervöser Vorsitzender. Niemand mag ihn, niemand stürzt ihn, sie haben keinen besseren. Seine Freihandelspolitik polarisiert die Partei, er macht die Drecksarbeit für Merkel und merkt es nicht mal.

Auch die Union, unzufrieden. Sie glauben auch, die SPD bestimmt den Kurs der Koalition. Sie haben gar keine Projekte, sie stehen für ein diffuses „möglichst nichts ändern“. Wer etwas ändern will, in die konservative Richtung, wird gebremst und kleingehalten. Es würde die guten Umfragewerte senken, die sind nur der populären Königin und dem Verzicht auf konservative Politik geschuldet.

Ein Land voller satter Selbstzufriedenheit, verglichen mit seinen Nachbarn. Überall Krise, nur hier nicht. Die politische Klasse regiert mit überwältigender Mehrheit, und ist doch alles andere als selbstzufrieden. Ich treffe eigentlich nur frustrierte und nervöse Menschen hier. Dabei hatte ich eine Party der prallen Selbstzufriedenheit erwartet.

So unauffällig war ich schon lange mehr bei einer Party, wenn man das hier überhaupt Party nennen kann. Mein Sozialdemokrat bedankt sich überschwenglich. So hatte er sich das vorgestellt. Ich bedanke mich auch. Es war wirklich ein interessanter Abend.

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What can we do?`What should we do?

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6 Antworten zu Sozialdemokraten, Teil 2

  1. Altdrogie schreibt:

    „Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich!“
    Das würde für die SPD heißen einfach mal genau das Gegenteil tun.
    Mal so richtig die Sau rauslassen.
    Die Atlantiker über den großen Teich schicken und mal eigene Kante zeigen.
    Usw..
    Ich bin hier nicht das Feuilleton, so genial bin ich nicht, ausformulieren sollen das andere.

  2. Matthias Eberling schreibt:

    Schöner Zustandsbericht. Vielen Dank! So ein Text bringt mir mehr als ein ganzer Jahrgang Spiegel ;o)

  3. waldstern schreibt:

    Da warst du aber tapfer.

    Ich mag die auch nicht. Sie sind mir so protestantisch depressiv. Da geht man dann frustriert nach Hause. Beladen mit dem Elend und der Sorge um die Schlechtigkeiten dieser Welt. Allerdings heißt es, dass Sozialdemokratinnen im Bett aufgeschlossener sind als Christdemokratinnen. Was nach meinen Erfahrungen auch stimmt.

  4. kormoranflug schreibt:

    Ja toll, und hinter jeder Sonnenbrille ist noch eine Sonnenbrille….das passt.

  5. Hermann Willaredt schreibt:

    Beide grossen Parteien leben ihr weltfernes Parteienleben. Satt und imm erwog gefrässig, selbstgefällig, den Staat im Würgegriff und die Bürger am Gängelband.

  6. Hermann Willaredt schreibt:

    komisches Rechtschreibprogramm mal wieder: “ immer noch gefrässig“…

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