Körperteile ohne Namen

Wie stellt sich ein Mann eine Vagina vor, das war kürzlich hier Thema mit interessanten Ergebnissen. Nun kommen wir mal zu den Frauen. Die sollten es eigentlich besser wissen. Eigentlich. Aber bei erstaunlich vielen ist die Unkenntnis ähnlich erschütternd.

Der britische „Independent“ berichtete kürzlich zum Beginn des „Gynaecological Cancer Awareness Month“ über eine alarmierende Unkenntnis junger Frauen über ihren Körper.  Nur 50% konnten ihre Vagina auf einem medizinischen Diagramm richtig lokalisieren. 65% haben sogar ein Problem damit, solche Worte wie Vagina oder Vulva überhaupt auszusprechen! Von den 16-26jährigen verwendeten 40% Codeworte wie „lady’s parts“  statt Vagina, und mit der Ignoranz gegenüber ihren „lady’s parts“ korrespondiert eine weit verbreitete Ignoranz gegenüber Krebssymptomen. Die 66-75jährigen schnitten weitaus besser ab…. Sehr bemerkenswert.  Da scheint bei der Sexualerziehung in neuerer Zeit einiges schiefgelaufen zu sein.

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Die feministische Künstlerin Eleanor Haswell hat wohl als Reaktion darauf einen riesengroßen Slip gemalt, auf dem eine Anatomielehrstunde abgebildet ist, was sich unter dem Slip befindet. Das Ding ist aber ein Einzelexemplar und gilt als Kunstwerk. Sehr ansprechend finde ich das nicht, nicht wegen dem Bild, sondern wegen des absolut viktorianischen Schnitts. Aber wer sonst für die „Schönheit“ von Achsel- und Schamhaaren kämpft, findet wohl auch solche Slips schön. Schon okay, Madame Haswell.

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Wesentlich hilfreicher ist ausgerechnet Buzzfeed : 29 Things Everyone with a Vagina should definitely know. Hoffentlich verirren sich die ignoranten jungen Ladies auf diese Seite, wenn sie ihre „lady’s parts“ genauer kennenlernen wollen. Eigentlich reicht doch schon die pure Neugier…aber mit all dem kulturellen Ballast von Jahrhunderten voller Verklemmung braucht man wohl das Internet, um den eigenen Körper kennenzulernen.

 

Über sunflower22a

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4 Antworten zu Körperteile ohne Namen

  1. duesselbarsch schreibt:

    Oh-ha! Sunflower heute ganz humorlos. Aber das Thema ist auch nicht zum lachen. Deutsche Untersuchungen (z.B. bei schwangeren Teenagern, die meinten, 1 Pille in der Woche reiche doch) gehen in die gleiche Richtung. Wer hat versagt? Die Familien? Bei den vielen Einzelkindern gibt es natürlich auch keine ältereN Schwestern. Und vielleicht kann sich die junge Frau online nicht so vertrauensvoll über intime Themen austauschen, wie das bei der seltener gewordenen tête-à-tête Kommunikation der Fall war. Oder ist das Thema in der platten Allgegenwärtigkeit von Sex im gesellschaftlichen Lebens für die Youngster einfach nicht mehr so spannend?

  2. altautonomer schreibt:

    „65% haben sogar ein Problem damit, solche Worte wie Vagina oder Vulva überhaupt auszusprechen!“

    Könnte es sein, dass nur bei Frauen die Region unterhalb des Körperäquators noch oder wieder mit „Pfui“ belegt ist? Mich wundert daher nicht, dass umgangssprachlich immer noch von „Scham“-Lippen, „Scham“-hügel, „Scham“-haaren und „Scham“-Spalte geredet wird.
    Wo bleibt da das männliche Äquivalent Schambeutel und Schamstengel?

  3. duesselbarsch schreibt:

    @altautonomer: Vermutest Du bei jungen Frauen eine Neo-Prüderie und/oder forderst Du implizit die eine geschlechtsgerechte Terminologie im Intimbereich?

  4. altautonomer schreibt:

    duesselbarsch: Ich fordere nichts. Wollte das nur mal gegenüberstellen.

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