Fremde Federn: Nachdenken über Feminismus

Feminismus. Klingt irgendwie gut, klingt irgendwie abgedroschen, klingt irgendwie beliebig. Je nach Perspektive. Und natürlich ist es auch ein Feindbild für manche.

Ich bezeichne mich auch gerne als Feministin, aber ich gebe zu: so ganz klar ist mir nicht, was ich damit eigentlich meine. Der aggressive, prüde und aus meiner Sicht auch verlogene Graue-Maus-Feminismus einer gewissen Alice S. geht mir endlos auf die Nerven, damit habe ich nichts zu tun. Bei der Lektüre dieses Beitrags von asallime kam ich aber wirklich ins Nachdenken. Sie beschreibt wunderbar meine unterschwelligen  Gefühle über real existierende bekennende Feministinnen und ihre Auseinandersetzungen untereinander, mit dem Rest der Welt und vor allem mit Frauen, die anders denken und ticken als sie.

Für einen Moment dachte ich, asallime hat recht.

Es gibt da also eine Hemmung in mir, mich einzubringen, vor allem weil ich einen Widerwillen angesichts der Art und Weise, wie im und über Feminismus diskutiert wird, empfinde. Die Vokabeln (von “Maskus” bis “Femtroll”) sind mir zuwider und die Meinungsunterschiede werden oft unnötig skandalisiert. Ich verstehe mich also nicht als Feministin und habe mich bisher aus feministischen Diskussionen herausgehalten. Aber warum? Ein Versuch also, ein langer Versuch…aber ich finde im derzeitigen feministischen Diskurs keinen Anker. Dass es in jeder Bewegung die radikalen, vulgären und undifferenzierten Stimmen gibt, dass diese sogar ihren Platz haben, weiß ich. Aber ich finde inmitten all dieser Stimmen keine, die mich inspiriert, mir Energie gibt und mir hilft, meine Gedanken zu schärfen.

Ja, so geht es mir auch.

Soll ich also auch aufhören, mich als Feministin zu bezeichnen? Oder ist das eigentlich gar nicht so wichtig, ich könnte den Begriff auch weiterhin ziemlich gedankenlos verwenden weil ich das chic finde, mich als Feministin zu bezeichnen?

Gute Frage.

Oder wie wäre es mit „selbstbewusster Lady“? Nun, wenn du selbstbewusst bist, musst du das nicht betonen, sonst beweist du bereits das Gegenteil.

Also könnte ich es auch lassen.

Oder mich als „feministisch angehaucht“ bezeichnen.

Aber warum?

Irgendwie sind „ismen“ doch sowieso verstaubt.

Also, ich lasse das jetzt. Thank you, asallime.

Bad_Girls_FelipeGabaldón-e1391552607230 CARTA

Maybe this old lady thinks she is looking at two feminists.

Über sunflower22a

I am a mystery.
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4 Antworten zu Fremde Federn: Nachdenken über Feminismus

  1. HairyComment schreibt:

    Ich sag immer gern, dass ich für Gleichberechtigung bin. Der Begriff ist zum Glück noch nicht ganz so von undifferenziert denkenden Leuten vereinnahmt…

  2. Hermann Willaredt schreibt:

    Ja, das mit den „…ismen“ ist wohl so, wie beschrieben. Es engt ein, hat etwas Dogmatisches, kann zur Waffe werden oder ausgrenzen. In Wirklichkeit geht es aber um einen Dialog mit anderen, der öffnet, der sich dem Thema oder dem Problem widmet, der eigene Sichtweisen anderen gegenüber stellen soll. Vernunft statt Schlagworte.

  3. asallime schreibt:

    Oh, was für eine Überraschung. Ich danke dir! Es freut mich sehr, dass du etwas für dich in dem Text gefunden hast! Es war sehr seltsam, wie wenig Rückmeldung ich erhalten habe, obwohl dies einer meiner am meisten gelesenen Texte war. Ich wollte natürlich eine Diskussion antreiben, aber so viele sind des Themas überdrüssig, andere haben schlichtweg Angst, sich öffentlich zu äußern, weil der Gegenwind oft sehr stark ist. Ich glaube, es gehört zu einer emanzipierten Frau dazu, sich auch von diesem „Ismus“ frei zu machen bzw. ihn so für sich zu definieren, dass er zu ihrem Lebensgefühl passt. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich mich zu stark auf den derzeitigen Netzfeminismus bezogen habe und dass es tatsächlich auch andere, inspirierendere Feministinnen als Anne W. und Alice S. gibt. In diesem Sinne, einen lieben Grüß von Frau zu Frau!

  4. Pingback: Feminism’s ultimate triumph | sunflower22a

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