Sexuelle Übergriffe als Geschäftsmodell

Die überall grassierenden online-Petitionen können dir ziemlich auf die Nerven gehen. Manchmal lese ich sie und unterschreibe. Kürzlich hat mich eine wirklich schockiert. „RSD-Seminare und zukünftige Einreise von Julien Blanc und Owen Cook verhindern“, war der Titel, und dann kommt die Erklärung:

Die Organisation Real Social Dynamics (RSD), unter anderem vertreten durch Julien Blanc und Owen Cook (Tyler Durden), bietet derzeit in Deutschland sogenannte Bootcamps über das Aufreißen von Frauen an. Was zunächst harmlos klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Aufruf zu sexueller Gewalt. Wie Spiegel, Focus und Süddeutsche Zeitung berichten, fordert Julien Blanc Männer zum Beispiel dazu auf, Frauen am Hals zu würgen oder an den Haaren zu packen und ihren Kopf in den männlichen Intimbereich zu drücken. Er selbst und sein Kollege Owen Cook (Tyler Durden) berichten sogar davon, Frauen vergewaltigt zu haben. Solche Seminare können zu einem Anstieg sexueller Übergriffe in der Umgebung führen, schließlich ermuntert Blanc die Teilnehmer, das „Erlernte“ in der „freien Wildbahn“ auszuprobieren.

Was fällt der Petitions-Initiatorin Sarah H dazu ein: „Bei aller Liebe zur Meinungsfreiheit muss doch gesagt werden, dass die Freiheit des einen aufhört, wo die Grundrechte des anderen verletzt werden.“ Sehr zurückhaltend formuliert, liebe Sarah. Warum fordert sie, die Einreise zu verhindern und nicht, ihn bei der Einreise zu verhaften? Verstehe ich nicht.

Dieser Typ und RSD waren schon in anderen Ländern Gegenstand von Kontroversen. Australien hat ihn ausgewiesen und lässt ihn nicht mehr einreisen. Ähnliche Kampagnen laufen in Canada, wo diese „Seminare“ kürzlich abgesagt werden mussten, weil diese Typen Angst um ihre Sicherheit hatten, in Singapur und Japan. Korea hat erklärt, er werde nicht einreisen dürfen. Aber die Deutschen, die lassen ihn natürlich rein.-Hier geht alles.

Diese Typen bezeichnen sich selbst als „pick-up artists“, and what they pick up is clear: girls. Was diese Typen ihren „Kunden“ beibringen, erzählen und dokumentieren sie recht freimütig in allerlei Videos, die im Web kursieren. In Japan können weiße Männer alles machen was sie wollen, meinen sie, zum Beispiel auf offener Straße Frauen packen und ihren Kopf vor ihren Penis drücken, zeigt er hier und erklärt „The hottest women are often the most insecure, so don’t forget to treat them like trash“ (Vorsicht, ekelerregende Inhalte). RSD-Webtexte und Videos haben Titel wie “God Is On My Side: Intense Self-Amusement Tactics That Will Let You Choke Girls For Fun” oder “Make Her Obey: How To Never Give Her A Chance To Say No” oder “How To Make Her Feel Super Comfortable With Anything You’ll Do To Her” oder “How Can You Develop A Razor Sharp Instinct Of When and How to Take Your Interactions with Women To Higher Physical Intensity”

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Ein Arschloch namens Ozzie erklärt dort: “You don’t care if the girl likes you or not…Just like on a fishing expedition, you go out every night, throw the line and hook overboard and come home with some fish. — Focus on your enjoyment, not waiting for permission….Get physical right away…Ways to decisively lead the girls in a physical way so that you can more quickly and easily isolate a girl so that you are left alone with her in a more intimate situation.”. Mir kommt das Kotzen.

Was sind das für Männer, die bis zu 2000 Dollar bezahlen für Seminare „how to pick-up women using emotional tricks and physical force“? Lindy West hat es im Guardian sehr treffend beschrieben:  Blanc is an “an odious brand of conman who specialises in ‘helping’ lonely, desperate, socially inept men by turning them into repulsive, entitled, sexually aggressive creeps with horrible fashion sense.”

Die harmlosere Variante lädt sich Computerspiele, mit denen sie ihre Vergewaltigungsfantasien ausleben können.

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Einer davon hat irgendwann erkannt, dass er im Grunde nur einer besonders perversen Bande von Betrügern auf den Leim gegangen ist und in seinem Blog relative ehrlich darüber geschrieben:

„I realized that it was all a fucking lie. A land of the blind leading the blind….and worst of all …..desperate men who lacked women in their lives and BADLY people who NEED a therapist….trying to prove to themselves or the world something…trying to prove to themselves they aren’t the loser they were in high school/their social circles/ etc out of some mental health issue. And perhaps me trying to prove to myself that I wasn’t the loser my 4th girlfriend broke up with me stating she should have never been in a relationship with me (harsh words). Instead, these men turn to even worst men: those looking to make money from this field”.

Am 11.Dezember wollten diese Typen tatsächlich ein „Seminar“ in München veranstalten, im Hotel Vier Jahreszeiten. Das ging gründlich schief. Auf der Webseite „Würgen ist nicht flirten“ kann man sehen, wie diese perversen Typen aus dem Hotel vertrieben wurden. Gratuliere! Wäre gern dabei gewesen!

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Ich finde es extreme verstörend dass solche Typen frei herumlaufen. Wer Terroristencamps leitet oder besucht, wird verhaftet. Wer Camps zur Erniedrigung und Misshandlung von Frauen anbietet, dem sollte es nicht besser gehen. Wenn so einer einreisen will, muss da ein Haftbefehl auf ihn warten. Es muss Grenzen geben. Solche Geschäftsmodelle müssen unterbunden werden.

britorgan

Na wartet, euch werden wir das Handwerk legen.

Über sunflower22a

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4 Antworten zu Sexuelle Übergriffe als Geschäftsmodell

  1. rotewelt schreibt:

    Auch eine Entwicklung, vor der mir gruselt. Schade, dass er in Deutschland noch kein Einreiseverbot hat, aber die Grünen und die Linke wollen das bewirken. Tja, was sind das für Männer, die für Geld solche Seminare buchen und warum…?

  2. HairyComment schreibt:

    Harter Stoff. Ich würde auch sagen strafrechtlich verfolgen, nicht aussperren. Sonst marodieren die ja in Ländern weiter, wo die Gesetze das zulassen und wir wären irgendwie mitschuld.
    Die grosse Frage ist: müssen Staatsanwälte Anstiftungen zu Vergewaltigungen von sich aus verfolgen oder müsste erst jemand eine Anzeige stellen? Wenn sie auch nur ein Seminar in Deutschland gehalten haben wäre ja beides möglich…
    Und die nächste Frage: wer kriegt seinen Arsch hoch und kümmert sich darum?😉

    Übrigens: weiter so mit dem Blog. Traurige und fröhliche Einträge, beides gerne gesehen.

  3. Bill Miller schreibt:

    Hallo, wo ich schon mal eingeloggt bin…
    Diese Abart (das Adjektiv dazu bitte mitdenken) des Pick-Up-Artists mal außen vor gelassen. Wäre Deine Einstellung zu dem was z.B. Evo-Christian (https://allesevolution.wordpress.com/) zu Pick-Up sagt, eine andere?
    Da scheint es mir eher um eine sozusagen handwerkliche Ausbildung zum besseren Flirter/Verführer zu gehen.
    Meiner Ansicht nach geht das so nach Read-the-Fucking*-Manual-Herangehensweise nicht, aber was weiß ich schon.

    *Pun not intended, das hing bei uns in der Uni seinerzeit an allen Messgeräten und hat sich eingeprägt.

    • sunflower22a schreibt:

      Ich flirte gern und brauche dafür keine Kurse, bei normalen Menschen gehört so etwas zu den elementaren Kulturtechniken. Wenn Männer (oder Frauen) Kurse brauchen, um flirten zu können – ich wäre die letzte, die das ablehnt, im Gegenteil, das ist so ähnlich wie ein Alphabetisierungskurs. Aber darum geht es ja bei RSD gar nicht, das ist Training für sexuelle Übergriffe. Flirten ist wunderschön, jedenfalls solange man nicht nur an sich selbst denkt und niemandem mehr vortäuscht als man wirklich will. Auch gebrochene Herzen sind eine Form von Gewalt.

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