Zwei Jahre

Happy Anniversary, schreibt mir Word Press. Keep up the good blogging, they say. Ich habe heute gar nicht Geburtstag. Aber mein Blog hat Geburtstag. In der Tat, zwei Jahre mache ich das schon. Das hätte ich damals nicht gedacht. Aus einem ungelenken Versuch hat die gelernte Journalistin eine Website gemacht, die meinen eigenen Ansprüchen einigermaßen genügt und inzwischen knapp tausendmal am Tag aufgerufen wird. Einfach so. Ich mache keine Werbung dafür, ich habe keinen Business Plan, ich nehme dafür nichts ein und gebe auch nicht viel dafür aus. Liebe visitors, ich danke euch für euer Interesse an meinem Blog und staune ein wenig immer noch darüber.

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Der Blog hat sich ein wenig verändert, wie ich mich auch selbst verändert habe. Es ist manches Trauriges passiert in diesem Jahr, das mich in eine echte Krise gestürzt hat, und mein Blog ist glaube ich nicht mehr ganz so unbekümmert wie er angefangen hat. Du kannst dich nicht von allem was in anderen Teilen der Welt passiert einfach so abschirmen. Zu Palästina und Nahost schreibe ich viel weniger, weil es mich so fertigmacht. Aber ich werde das wieder verstärken, versprochen. Bald kommt wieder was zu Palästina. Sehr aufwühlend ist auch meine Auseinandersetzung mit Religionen. Ich bin kein religiöser Mensch, aber manche religiöse Menschen wie Nilüfer oder die unsterbliche Hanan faszinieren  mich sehr und ich habe die Zeiten schon lange hinter mir, mich über sie lustig zu machen.

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Auch zu den schönen Dingen im Leben habe ich weniger geschrieben, aus demselben Grund. Auch das ändert sich bestimmt wieder. Manchmal habe ich ein bisschen Kampagne gemacht, zum Beispiel gegen all die Verlogenheit der Repressionspolitik gegen Sexarbeiterinnen und gegen Prostitution, für mich eine moderne Hexenjagd. Neu angefangen habe ich mit sunflower’s business views, sozusagen mein Wirtschaftsteil, weil ich es teilweise kaum noch ertrage wie über Wirtschaft berichtet wird und auch ich es leider oft genug selbst tun muss.

Immer wieder frage ich mich, ob nicht so mancher Beitrag ziemlich leichtsinnig ist und hoffe dann, dass niemand dahinterkommt wer das ist die ihn geschrieben hat. Leichtsinnigkeit ist eine Eigenschaft, die ich wohl nicht loswerde. Hilfe!

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Mein beliebtester Beitrag war einer, von dem ich das nie gedacht hätte, einer den ich aus einer Laune heraus einfach so gepostet habe. Zwanzigtausendmal angeklickt, kaum zu glauben. 15000mal wurden dieser, 13000mal dieser Beitrag gelesen, 10000mal dieser.  Ausbauen sollte ich wohl die „Fremden Federn“ – Links zu und Hinweise auf tolle Beiträge anderer Blogger.

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Sehr kommentarfreudig seid ihr nicht, liebe Leserinnen und Leser, aber bei einigen Themen locke ich euch aus der Reserve. Palästina und Israel, zum Beispiel – hierfür gab es am meisten Kommentare.  Wenn ich über Männer schreibe, gibt es oft viel Widerspruch, oder manche mir unverständlichen Züge des Germanentums, beispielsweise gemeingefährliche Gewalttäter einfach nicht einsperren zu wollen oder sich für moralisch besser zu halten weil man bei Völkermord lieber tatenlos zusieht als den Opfern beizustehen. Das lest ihr nicht gerne.

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Immer wieder beschäftigt mich die Frage, where is my place on this world. Wer als nomadische Globetrotterin aufwächst, lernt die Welt besser kennen als andere Menschen, hat aber auch weniger heimatliche Identifikation mit einem Teil der Welt. Ich hätte früher nie gedacht wie sehr mich das beschäftigen wird, und das Gefühl nirgendwo hinzugehören mich belasten kann. Die Auseinandersetzung mit zwei Heimatländern zerfrisst mich manchmal geradezu. Ich verstehe es selbst nicht, aber es ist so. Manchmal kommen mir unvermittelt die Tränen, wenn ich dieses grauenvolle Lied wieder höre „Driving home for Christmas“, nicht weil die Musik so schrecklich ist sondern weil ich dann nicht weiß, wo mein home ist. I am cosmopolitan, yes, but what if it doesn’t mean you’re at home everywhere but you’re alien everywhere?

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Germany. My love-hate relationship with this country was about to take a turn this year. Alienation from my second nation has been one of the recurring features of my life this year. Strange people, strange feelings. They look at you as if you’re sick when you say are proud to be German, and they do likewise when you are proud not be German. I believe it is impossible to really be part of it unless you are born here, raised here, educated here. No matter what is your citizenship. You cannot learn to become German, you will always be an outsider.

Wo bin ich zuhause? Manchmal denke ich über Stadt und Land nach, wie in diesem Beitrag. Manchmal über andere Länder. Eigentlich war es schon fast so weit. Es liegt nur an Vladimir V.Putin, dass ich noch hier bin. Ja. Er wollte mich nicht.

There was this vacancy in the Moscow office. I thought, why not. Mother Russia, I’ll come.

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I don’t speak Russian, I hardly know more than a few people in Russia. No problem. I have moved to other countries without knowing much about them. Russia fascinates me in a way. There is a lot to discover. An adventure. One part of me, my adventurous personality, wanted to say yes, do it. There is another part of me, saying please get settled, for how long do you want to be the globetrotting nomad. As always, the adventurous part wins, the reasonable part is losing out. My flatmates, my friends, almost everybody said: please stay, please don’t go. But if I do it, they’d come and visit me. Flights to Moscow are cheap.

So I’ll move to Moscow. I take a summer tourist trip to Moscow, it’s fascinating, a lot more cosmopolitan than this self-centered village called Berlin. I avoid the tourists in Moscow, I get in touch with Russians, they are much more easy-going than I expected. Alina, I thank you forever for inviting me to your party, the total stranger that you met barely three hours before. I imagine myself living here, having friends here, trying to avoid living only in the expatriate community, and so on. My blog would change, maybe I would close the German one and reopen it as podsolnechnik.ru. Doesn’t sound that great, though. Or I’d just continue in English but probably for a different audience.

It was a fascinating idea, alas, Mother Russia did not want me. No work permit for sunflower. The wrong passports, I guess, Americans and Germans are in confrontation with Russia these days. No way.

So be thankful, Vladimir Vladimirovich may be a ruthless politician but he has saved my dear readers this nice little blog that you keep visiting and that you seem to enjoy.

Russian winters are long and cold, so now I have accepted it. I won’t try again. When the bugs get me next time, it may be another country. Maybe Poland. EU citizens don’t need work permits there, how nice. Don’t worry, I am just contemplating it.

Processed by: Helicon Filter;

Ich danke euch. Schreibt mehr Kommentare, das würde mich freuen. Eure Blogs lese ich auch gerne, auch wenn ich es nicht immer schaffe. Stay tuned. Alle zwei Tage gibt es weiterhin neues von sunflower. Danke fürs Lesen, thank you, Большое спасибо.

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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10 Antworten zu Zwei Jahre

  1. carol1234567890 schreibt:

    keep blogging, dear! es ist immer ein vergnuegen deine blog zu lesen.

  2. kalypso schreibt:

    wenn man sich besser kennenlernen möchte, dann muß man in die tiefe seines selbst abtauchen
    und auf erforschungstour gehen……………sich gewisse fragen stellen, wer bin ich, wo möchte ich hin, was erwarte ich vom leben, was erwarte ich von anderen etc.

    das benötigt zeit und muße und manchmal viel kraft. denn nicht alles was das gefunden wird ist ein schatz. es gibt auch jede menge leichen zu bergen.

    ich habe dir mal einen film empfohlen: zimt & koriander

    und? schon angeschaut und sich damit beschäftigt?!

    wer suchet – der findet – meistens nicht das was er erwartet, oft was er braucht.

    you don’t always get what you want……………but if you try some time…………you get what
    you need………………sangen schon die stones.

    keep on rolling🙂

  3. kalypso schreibt:

    was auch sehr erhellend ist – jedenfalls für mich – neurose und menschliches wachstum – von karen horney – da fällt es einem manchmal wie schuppen aus den haaren!!!

    weiterentwicklung – evolution – ist ein bestandteil unseres daseins.

    nicht nur hirnbesitzer sondern hirnbenutzer!

    und du bist ja ein „clever girl!“

    viel vergnügen auf dem weg der selbsterforschung!

    herzlichst*
    kalypso

  4. kultgenosse schreibt:

    Glückwunsch zum Zweijährigen und danke Putin. sunflower22a ist mir, glaub ich, lieber als podsolnechnik.ru.
    Scheine weiter Sonnenblume!

  5. Pingback: Germany | sunflower22a

  6. Pingback: I like Russians | sunflower22a

  7. Pingback: Zimt und Koriander | sunflower22a

  8. Pingback: Die Nomadin | sunflower22a

  9. Fred Lang schreibt:

    Herzliche Gratulation nachträglich zum 2-jährigen Jubiläum! Inzwischen steht ja schon das 4-jährige Jubi kurz bevor. Eine tolle Leistung und bitte weiter so!

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