Holy Shit

Weihnachtsmärkte fand ich früher sehr schön, geradezu den Inbegriff von German Gemütlichkeit. That is good old Europe. Aber dieses Gefühl lässt immer weiter nach. Irgendwie sind sie in jeder Stadt gleich geworden, austauschbar, man könnte fast sagen globalisiert. Sie werden immer mehr zu Rummelplätzen, Fast-Food-Glühwein-Outlets, immer weniger originell. Schönes Kunsthandwerk findest du dort immer seltener.

Holy Shit. Eine Alternative, das solltest du mal ausprobieren, dachte ich mir. „Eine Besuchermesse für Kunst, Design und Lifestyle“. Wir zogen zu dritt los, in ein altes Kraftwerk, auf vier Etagen. Das hat mit Weihnachtsmarkt nichts mehr zu tun, aber das ist egal. Eine Location, wie sie zu Berlin passt. Hier gibt es sie, die vielen originellen kleinen Anbieter und Hersteller von Handwerk, Kunsthandwerk, Mode, Schmuck, Essen, Bücher, Bilder, Accessoires, Wohnutensilien. Wir blieben stundenlang. Sehr vieles zu sehen, sehr vieles wirklich originelles.

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Das finde ich wirklich toll, quasi eine konzernfreie Zone, kein H&M, kein D&G, kein Zara. Das ist Berlin. Die hochgelobte Berliner Kreativszene als echter Wirtschaftsfaktor. Finde ich eine gute Sache, echt. Schon deshalb – ein Muss.

Nur: gekauft haben wir dann doch nicht so viel. Dabei hatten wir noch nicht einmal vor, Kaufzurückhaltung zu üben, ganz im Gegenteil. Ich weiß nicht warum. Einerseits hast du ja auch schon so viel Kram, der nur rumsteht und rumliegt und du weißt nicht mehr wohin damit. Bilder haben wir auch genug um die vorhandene Wandfläche dreimal zu füllen. Klamotten haben wir sowieso genug, aber das war noch nie ein Argument. Aber so originell die Berliner Kreativen sind, meinen Geschmack treffen sie leider nur selten. Leider. Wenn du spontan das Gefühl hast, das möchte ich, darin sehe ich gut aus, liegst du meistens richtig. Wenn du erst überlegen musst, dann stimmt es meist nicht.

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Aber was soll ich mit einem flanellartigen Glockenrock in schwarz, dunkelgrau und hellgrau? Grau ist was für sogenannte „business outfits“, das ziehe ich doch nicht freiwillig an. Und Glockenröcke, na ja. Nicht sehr originell. Oder erdfarbenene  Mützen oder Schals? Mit einer ganzen Kleiderkollektion, in der die Farbe rot nicht ein einziges Mal vorkommt? Mit Schals, die aussehen wie ein ausgemusterter Putzlappen, so grau und braun sind die?

Was den Berliner Modedesignerinnen meist fehlt, ist: Eleganz. Kleider, die so schön sind, dass die Trägerin auffällt. Vielleicht wollen die Berlinerinnen nicht auffallen, jedenfalls nicht durch Schönheit und Eleganz. Vielleicht wollen sie lieber unauffällig sein. Vielleicht liegt es am kalten Klima. An der herben Natur der Stadt. An der Mentalität der Germanen. Leichtigkeit und Eleganz, das ist Italien und Cote d’Azur, aber nicht Berlin. Dabei hatte das Plakat genau das versprochen.

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Ich habe eine der Kreativ-Ladies gefragt. Sie meint, das was ich suche verkaufe sich nicht so gut in dieser Stadt. Da hat sie vermutlich recht. Ihre graue und erdfarbene Kollektion gehe gut, sagt sie. Die Preise sind recht stolz, alles Made in Berlin, nix Bangla Desh, alles möglichst BioBaumwolle und so weiter. Ja, vermutlich ist das so. Aber nicht mein Stil. Passt gut in die Beton-Umgebung eines alten sozialistischen Kraftwerks, aber auch an solchen Orten möchte ich nicht mit der Umgebung in ein harmonisches Einerlei zerfließen, sondern einen Kontrast bilden. Ich stelle mir vor wie ich einem dieser breiten, graubraunen und möglicherweise handgeschneiderten Röcke und roten High heels aussehe, das wäre eine Lachnummer, aber kein schöner Kontrast. Dazu musst du dann auch graubraune Stiefel tragen. Das tue ich manchmal auch, natürlich, aber dann sollte alles oberhalb der graubraunen Stiefel nicht auch noch graubraun sein.

Nun gut. Holy Shit, tolle Sache. Alles was gut ist, kann nicht allen gefallen. Diesmal gehöre ich eben zu denen, denen es nicht so zusagt. Auch okay.

 

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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