Lieben Sie Sex? Dann kommen Sie hier nicht rein

Wenn jemand eine Reise tut, kann sie was erleben. Etwas erleben kann eine alleine reisende Lady insbesondere dann, wenn sie solche gefährlichen Dinge wie Sexspielzeug, scharfe Lingerie oder Kondome dabei hat. In den meisten Ländern wird so etwas überhaupt nicht gerne gesehen, ist regelrecht verboten oder reicht als Verdachtsmoment für Prostitution. Dann kann es sehr unangenehm werden. Dies gilt vor allem für islamische Länder und natürlich die USA.

Als Amerikanerin kann ich mir all diese Berichte über erniedrigende Prozeduren bei der Einreise in „the land of the free“ eigentlich kaum vorstellen, aber es scheint immer schlimmer zu werden.

Ein besonders krasses (aber bei weitem nicht einziges) Beispiel ist die Kanadierin Clay Nikiforuk, die im März bei der Einreise in die USA festgesetzt wurde, weil sie sexy Lingerie und 8 Kondome dabei hatte. Das wurde als Anzeichen dafür gewertet, dass sie Sexarbeiterin ist. Später musste sie feststellen, dass sie wegen der 8 Kondome im Computer als “suspected prostitute“ gespeichert wurde.

Clay Nikiforuk 01_03_van_condoms_submitted

Kurz darauf war sie in Begleitung eines verheirateten Mannes auf dem Weg durch die USA nach Aruba, und wurde direkt bei der Vorlage ihres Passes in Miami gefragt “How much is he paying you to go on this trip?” Als sie angab, „nichts“, wurde sie belehrt dass sie Beihilfe zum Ehebruch begehe, aber durchgelassen. Bei der Rückreise aus Aruba wurde sie für acht Stunden von der Grenzpolizei festgehalten und ausgefragt.

The next question was whether this man was married or not. The answer, unfortunately for me, was yes. He asked whether I was planning on sharing a hotel bed with this man. I’m not one to sugar coat things and decided that now would not be a particularly good time to be found lying. Again, I answered yes. Righteous, the officer demanded what exactly I was doing in a bed with a married man. „That’s actually none of your business.“ I had kicked the hornet’s nest. Inflamed, he raised his voice at me that it was his business and that adultery was a crime in America — a crime that he could deny me entry for.

Als sie schließlich gefragt wurde, mit was anderem als Prostitution sie eigentlich ihren Lebensunterhalt verdiene, und angab, sie schreibe gerade ein Buch über sexuelle Gewalt, wurde sie gefragt  „Are you looking to be sexually assaulted?“. Acht Stunden lang wurden ihr Essen und Trinlken verwehrt – ihr männlicher Begleiter dagegen wurde nicht belangt.

Bei Rabble.ca hat Clay aus erster Hand aufgeschrieben, wie sie behandelt wurde. „Sexism at the border: A personal account“ ist schockierend und beschämend. Es zeigt, wo wir hingeraten warden, wenn wir die religiösen Eiferer gewähren lassen statt sie offensiv zu bekämpfen.

Ach übrigens, hier noch einige praktische Tips wie du mit Sextoys möglichst ungestört reisen kannst. Dazu gehört, sich ein bisschen sachkundig zu machen was im Zielland erlaubt ist. Sämtliche Sextoys sind offiziell verboten in Indien, Saudi-Arabien und Alabama. Indische Zollbeamte überprüfen dein Gepäck nur selten, und wenn dann nur schlampig. Saudi-Arabien und Alabama sollte man sowieso nicht betreten. Grundsätzlich gilt: Batterien immer rausnehmen, die Dinger gehen öfter von alleine an als dir am Flughafen lieb sein kann. Zwischen kleinen Flaschen oder Tuben fällt ein Dildo nicht so auf. Niemals im Handgepäck, das wird viel gründlicher durchsucht, wobei zumindest in Europa Sextoys ohne Batterie problemlos mitgenommen werden können. Allerdings kann es sein, dass sie das Ding sehen wollen, und das findet manche Lady durchaus peinlich. Letzte goldene Regel: die Security-Leute haben das alles schon oft gesehen. Erzähle ihnen nicht, das seien irgendwelche anderen Sachen, sondern dann solltest du mit dem freundlichsten, unschuldigsten Lächeln der Welt sagen, dass es sich hier um Spielzeug handelt.

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Über sunflower22a

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2 Antworten zu Lieben Sie Sex? Dann kommen Sie hier nicht rein

  1. Tim schreibt:

    Andere Länder, andere Sitten. Sexarbeit ist in den USA nicht nur weitgehend illegal (wie in fast allen Ländern der Welt), weshalb beim Verdacht darauf die Einreise generell verweigert wird. Wer zum Arbeiten in die USA kommt – auch aus Kanada – muss das bei der Grenzkontrolle angeben. Dabei wird der Grenzübertritt nur gewährt, wenn diese Arbeit in den USA zulässig ist und die Regularien dafür sind sehr eingeschränkt (üblicher Fall: Ein Geschäftsreisender, der zu einem Meeting mit Kollegen in den USA reist). Wenn Du nicht darunter fällst, wirst Du abgewiesen, Punkt aus.

    Wenn Du so unvorsichtig bist, Dich als bloßer Tourist auszugeben, kann es schon mal sein, dass Du mehrere Jahre Einreiseverbot bekommst – oder auch lebenslang, wenn Du einem unfreundlichen immigration officer gegenüberstehst. Wer in die USA einreisen will, sei es beruflich oder privat, sollte sich unbedingt vorher über die Regularien informieren. Die Zeit, wo der Beamtenapparat des Landes Einwanderern und Besuchern gegenüber freundlich und kulant gesinnt war, sind spätestens seit 9-11 endgültig vorbei. Gerade Europäer und Kanadier, die sich gerne als die besseren Amerikaner sehen und der irrigen Annahme unterliegen, als gute „Freunde“ der USA Vorzugsbehandlung zu bekommen, unterschätzen die Härte und strikte Bürokratenmentalität, mit der hier vorgegangen wird. Sie sind oft überrascht und schockiert, wenn flapsige Antworten auf wenig Verständnis stoßen. Die immigration officers sind in diesem Bereich Gott – und verhalten sich auch gerne so.

    13 Jahre nach 9-11 ist das Internet wirklich voll von den wütenden Beschwerden von Leuten die es sich beim Grenzübertritt verschissen haben, so dass man sich darauf einstellen kann.

  2. carol1234567890 schreibt:

    policing public morals never works…. this is oh so futile. thanks for this blog piece!

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