Bono und sein verlogener Heiligenschein

U2 konnte ich noch nie ausstehen. Ich habe ohnehin etwas gegen moralisierende Gutmenschen, aber noch mehr gegen stinkreiche Abzocker, die sich auch noch als Gutmenschen ausgeben. Der Ire Paul Hewson, der sich gerne Bono nennt, ist eines der übelsten Exemplare dieser Sorte. Er ist Stammgast auf den G8-Treffen der Staatschefs und appelliert an sie, mehr Steuergelder nach Afrika zu schaffen. „Entwicklungshilfe“ nennt sich das, angeblich um Arme vor dem Verhungern zu retten, in Wirklichkeit um die Taschen derer vollzustopfen die am schnellsten zugreifen.

So etwas kann man machen, es ist sicherlich auch nicht alles schlecht was damit gemacht wird, aber ob mehr Geld mehr Gutes bewirken würde, daran haben viele ihre Zweifel. Nicht zuletzt auch in Afrika selbst. Daher könnte man mit diesem Geld definitiv Sinnvolleres machen.

Am widerlichsten ist es aber, wenn Millionäre selber alles tun, um sowenig wie möglich Steuern zu bezahlen, und sich dann als moralische Autoritäten aufspielen und Regierungen erzählen wollen, was sie mit Steuergeldern – also dem Geld anderer Leute – machen sollen. Die dusselige Queen hat ihn in Anerkennung seines Gutmenschentums 2007 zum „Ehrenritter“ geschlagen. Jetzt mobilisiert er gegen Pläne der irischen Regierung, die übelsten Steuerschlupflöcher dieses Landes zu schließen, nämlich den „double Irish“.

Tweet of the day:

U2 planning concert to raise awareness of this tragedy MT @nickshaxson: Ireland to close ‘Double Irish’ tax loophole. http://t.co/s78m0aJjCS    — Matt Jones (@moved2monrovia) October 14, 2014

Der Guardian bringt ein Interview mit ihm, natürlich nicht in Irland sondern an der Cote d’Azur,  Originalton:

Bono: controversial tax laws have brought Ireland the only prosperity it’s ever known – U2 singer says capitalism and commerce play a vital role in lifting people out of poverty and that Ireland’s tax policies benefit the country’s economy,

U2 werden jetzt den größten Teil ihrer Firmen in das Steuerschlupfloch Niederlande verlegen, um möglichst wenig Steuern zu bezahlen. Wahrscheinlich werden die Niederländer diese Schlupflöcher teilweise auch bald schließen müssen, dann bleibt wohl nur noch Panama.

Welch einen ökonomischen Unsinn Hewson erzählt, kann man gerade in Entwicklungsländern sehen (denen er ja angeblich helfen will). Länder, die es so machen wie er es seinem Heimatland Irland empfiehlt, nämlich Konzerne möglichst wenig besteuern und mit Mini-Steuersätzen „anzulocken“, die schaffen gar keinen Wohlstand. „tax laws have brought Ireland the only prosperity it’s ever known” – welch ein ökonomischer Analphabet, es scheint ihm entgangen zu sein, dass Irlands Schulden- und Spekulationspyramide  vor kurzem zusammenbrach. Apple, Amazon, U2 & Co schaffen keinen Wohlstand, außer für sich selbst, wenn sie pro forma ihren juristischen Sitz in Länder wie Irland verlegen. Wunderbar analysiert von Nicholas Shaxson auf Treasure Islands.

Jetzt gerät dieser Pharisäer langsam ins Visier der irischen Öffentlichkeit, der ihr Status als Steueroase langsam peinlich wird. Der Komiker Graham Norton hat sich Hewson jetzt vorgenommen. Norton ist natürlich selber auch Millionär, aber er zahlt seine Steuern in Irland.

„People like Bono really annoy me. He goes to hell and back to avoid paying tax. He has a special accountant. He works out Irish tax loopholes. And then he’s asking me to buy a well for an African village. „Tarmac the road outside your house, you tight-wad! Or pay for a school in Ireland….I pay a lot of tax. By most people’s standards I am rich so I should pay my tax because I can afford it. When I didn’t want to pay it was when I didn’t have any money.“

IMG_2852

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Musik Kunst Mode, sunflower's business views abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Bono und sein verlogener Heiligenschein

  1. waswegmuss schreibt:

    Wer sich bei den Reichen, Schönen und Nutzlosen zum Hofnarren macht ist im Vorneherein verdächtig. Bekannte Tatsache ist, dass er ganz gut Tantiemen für seine Fotos auf den „Benefiz-CDs“ kassiert.
    Übrigens was ist deine Meinung zur Hochzeit des Jahres?
    Diese bedeutende Menschenrechtsanwältin hat sich ihren Nescafé-Schauspieler zur Deko geholt. Nett.

  2. kalypso schreibt:

    so sehr ich clooney als schauspieler und regisseur schätze –
    so dämlich peinlich war das ganze hochzeitsgetue!!!

  3. Anonymous schreibt:

    Lieder hat jede Medaille 2 Seiten. Auch die mit den Steuerschlupflöchern. Staaten die durch solche Konstrukte Steuern einnehmen können dies da Sie keinerlei Infrastruktur zur Verfügung stellen müssen. Da zudem die Steuern auf Gewinne immer nur einen Bruchteil der gezahlten Steuern und Abgaben ausmachen (Lohn-, Gewerbe-, Energie- Grund etc. Steuern sind um Größenordnungen höher, dazu kommen noch die Sozialabgaben) ist das ganze ein Sturm im Wasserglas.

    Die Steuerspirale lässt sich googlen. Ein kurzer Blick darauf zeigt wo die Musik spielt.

    Bono hat zudem recht. Irland produziert wenig und hat auch sonst kaum etwas anzubieten. Die ganzen Schlupflöcher ließen sich auch leicht stopfen (z.B. wie es die Amerikaner machen, die koppeln grob gesagt die Steuern einfach an die Landesumsätze). Macht aber keiner, warum wohl?

    Und den Firmen vorzuwerfen das der Staat sich selbst in die Pleite getrieben hat: Was ist das? Weibliche Irrationalität?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s