Muslime und Salafisten

Muslime in Europa und noch mehr in Amerika haben es in diesen Tagen nicht leicht. Die elenden Salafisten, Jihadisten und Islamisten reißen nicht nur den Nahen Osten in den Abgrund, sondern machen auch das Leben der hier lebenden Muslime immer schwerer. Sicher, man kann und muss ihnen vorwerfen, dass sie sich nicht genug distanzieren oder nicht genug Terror-Salafisten an die Polizei verpfeifen. Sie sollten das tun.

Es stimmt auch, dass sie einen Fehler machen, wenn sie die vielen offensichtlichen Probleme dieses aktuellen Trends in ihrer Community zu verstärkter Religiosität nicht offen diskutiert werden. Die Konsequenz ist n ur allzu oft das Gefühl, man werde von der westlichen Gesellschaft so oder so abgelehnt, und dann zieht man sich in seine eigene Welt zurück, und das geht meist mit mehr Religiosität einher. Ein Teufelskreis.

Ich habe viele Muslimas kennen und  sehr schätzen gelernt, daraus sind Freundschaften entstanden wie sie wohl nur unter Frauen möglich sind, selbst wenn wir weltanschaulich meilenweit auseinanderliegen. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie es insbesondere den Frauen in der gegenwärtigen angespannten Situation geht. Für Frauen haben Religionen aller Art immer viel mehr Vorschriften auf Lager als für Männer. Mehr Religiosität macht deshalb insbesondere den Frauen  das Leben schwer, und wenn sie freiwillig oder unfreiwillig ihre Kopftücher tragen, werden sie schon rein optisch weitaus schneller und drastischer aus der westlichen Gesellschaft ausgegrenzt als islamische Männer. Dass es sogar Gerichtsurteile gibt, die es Arbeitgebern und sogar öffentlichen Arbeitgebern erlauben, Frauen nur wegen ihres islamischen Outfits nicht einzustellen oder zu kündigen, ist in einer Demokratie unerträglich, aber mittlerweile absolut gesellschaftsfähig. Wegen langer Bärte wurde noch keinem Mann gekündigt. Die Konsequenz für viele Muslimas ist leider, dann eben zuhause zu bleiben und sich immer seltener am öffentlichen Leben teilzunehmen. Ich finde das furchtbar. Die deutschen  Kopftuchhasser erledigen so das Geschäft der religiösen Patriarchen: sperrt die Frauen zuhause ein.

Aber es hat keinen Sinn, immer zu jammer, die armen Muslime sind Opfer und so weiter. Sie sind es nicht. Sie müssen anders agieren. Die laizistischen, vernünftigen, nur oberflächlich religiösen genauso wie die gläubigen, aber demokratischen. Sie kommen nur weiter, wenn sie sich aktiv in die Gesellschaft einbringen, in der sie leben. Dazu gehört natürlich und gerade auch die Auseinandersetzung mit all dem, was im Namen des Islam schief läuft.

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So langsam tut sich etwas. Bei einigen zumindest. „Not in my name“ heißt eine Social Media-Kampagne, die in Britannien jetzt gestartet ist. Höchste Zeit – wahrscheinlich kämpfen über 1000 Briten bei der IS-Terrorarmee mit.

Das passende Gegenstück ist ein schönes Bild, das zurzeit in social Media kursiert:

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Absolut zutreffend.

Etwas mehr Verständnis, mehr Einfühlsamkeit. Eine sehr schöne Website ist Love, Inshallah – Fresh Perspectives on Love. Ich lese sie sehr gern, weil dort Muslime von einer ganz anderen Seite zur Sprache kommen als der im öffentlichen Diskurs des Westens. Ich empfehle vor allem den Beitrag von  Tanzila “Taz” Ahmed  Unmosqued, in dem die Autorin sehr schön zum Ausdruck bringt „Writing isn’t just a form of expression – writing is how I process my spirituality, it is how I calm my chaotic thoughts, it is my way of connecting not just with other people, but with myself.” Eine Website über Muslime, Liebe und Spiritualität. Unvereinbar? Mitnichten. Schaut mal rein.

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Das Wichtigste ist vielleicht: das alles nicht so ernst nehmen, ein bisschen über sich selber zu lachen, sich selber über manches zu amüsieren was man im Namen des Islam so alles macht.

Ungefähr so wie auf diesem wunderbaren Post: 22 Secrets Girls Who Wear Hijabs Will Never Tell You. Ja, Muslimas mit Kopftüchern können sehr lustig sein. Believe me.

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Sehr irritierend kann allerdings die Werbung des islamischen Modehauses Citra Style sein. Auf facebook tauchen die häufig sehr eleganten Ladies manchmal in einer Umgebung auf, in der man sie nicht so gerne sehen möchte: neben Militärjeeps in nahöstlichen Dorfruinen. Ich nehme nicht an dass das ironisch gemeint war. Werbung für IS ist es jedenfalls nicht, dafür ist es zu bunt. Citra ist nun definitiv nichts für mich, aber wenn islamische Ladies ihre Verhüllungs-ideologie mit Eleganz kombinieren wollen, werden sie hier mit Sicherheit fündig.

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Liebe Leserinnen und Leser, habt ihr privat Kontakt zu Muslimen, wenn ihr selber keine seid? Nein? Versucht es doch mal. Aber seid immer ehrlich und sagt immer was ihr denkt. Jahrhundertelang haben Protestanten und Katholiken in Europa kaum miteinander geredet. Das kann sich heute niemand mehr vorstellen. Lasst uns die Schranken in den Köpfen überwinden.

Über sunflower22a

I am a mystery.
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Eine Antwort zu Muslime und Salafisten

  1. waswegmuss schreibt:

    Ich habe es heute meinem türkischen Schrauber gesagt. Er hatte am Samstag ein Schild in Türe hängen: „Wegen des türkischen Feiertages heute geschlossen“.
    Ich sagte ihm er hätte ruhig Opferfest schreiben können. Ist ja ein Beweis für muslimische Barmherzigkeit. (Die Tiere ausgenommen.)

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