Ali Baba und die 40,000 Spekulanten

Natürlich sind es mehr als 40,000 Spekulanten, die beim größten Börsengang aller Zeiten Aktien des chinesischen Internetgiganten Ali Baba gekauft haben. Oder gedacht haben, sie gekauft zu haben. Sie haben nämlich gar keine Anteile an dem chinesischen Unternehmen gekauft, das wahlweise als „chinesisches Amazon“, „chinesisches Google“ oder „chinesisches Twitter“ bezeichnet wird. Nach chinesischer Rechtslage dürfen Ausländer nämlich solche Internetfirmen in China gar nicht besitzen.

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25 Milliarden kamen so zusammen, und was real verkauft wurde waren nur Aktien einer Holding, registriert in den Cayman Islands. Der Holding gehören andere Briefkastenfirmen in den Cayman Islands oder British Virgin Islands.

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Man kann dem Ali Baba-Mogul Jack Ma noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Er kann seine Firmen gar nicht anders an ausländische Aktienmärkte bringen als über solche komplizierten Konstruktionen, alles andere wäre illegal nach chinesischem Recht.

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Was er nun gemacht hat, ist möglicherweise auch illegal. Vielleicht ist es auch legal, nach chinesischem Recht. Es ist eine offene Frage, wo kein Kläger ist ist natürlich auch kein Richter. Aber wenn er mal Ärger mit der Regierung bekommen sollte, dann wird es den Kläger und den Richter sicherlich geben.

Dahinter steckt eine Konstruktion unter dem Namen „Variable Interest Entity“ (VIE). Im Kern geht es bei dieser Struktur darum, dass Besitz und Kontrolle einer Firma in China verbleibt, aber die Gewinne in offshore-Holdings verlagert werden über ein Netz von Gewinnabführungs-Verträgen. Was Investoren kaufen, sind also keine Unternehmensanteile, sondern nur anteilige Anrechte auf diese Profite. Diese Verträge sind allerdings nur in China einklagbar, und es ist unklar, ob sie nach chinesischem Recht überhaupt zulässig sind. Eine Pyramidenstruktur auf wackligem Fundament. Ein Hintergrundpapier der U.S.-China Economic and Security Review Commission analysiert das sehr genau.

Kernaussage: „In  sum,  this  intricate ruse  is a way of making the business appear to be Chinese owned to Chinese regulators while claiming to be a foreign-owned business to foreign investors. Neither claim is technically true, and the arrangement is highly risky and potentially illegal in China.”

Die beste Sicherheit dürfte wohl die Tatsache sein, das seine Reihe Söhne hochrangiger Parteifunktionäre selbst Großinvestoren bei Ali Baba sind. Das mag Ali Baba vor dem Gesetz schützen, aber vielleicht kommen diese Prinzen demnächst auf die Idee, die 25 Milliarden der Investoren „zweckentfremden“  zu wollen? Alles sehr riskant und fragwürdig. Aber die Leute kaufen es wie die Wilden.

Die Spekulationskultur ist lebendiger denn je. Kein Wunder, wenn es zuviel Geld gibt, in den Händen viel zu weniger Leute, die nicht wissen wo sie noch investieren sollen. Das erste Problem ist, dass es überhaupt zu einer solchen Konzentration von Vermögen kommen konnte. Das zweite, dass es zuviele institutionelle Anleger gibt, deren Motivation noch nicht einmal unehrenhaft sein muß wie im Falle von Pensionsfonds, die aber in der Konsequenz dieselben Probleme verursachen wie jeder andere gewinnorientierte Fonds. Das dritte, das sbei einem Crash dieser Konstruktionen oder auch nur einem langsamen Niedergang die Kosten meist auf die Allgemeinheit verlagert werden.

In diesem ganzen System ist nicht nur ein Wurm drin, sondern 40,000. Mindestens.

alibaba

Ali Baba’s party looks different these days…

Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Ali Baba und die 40,000 Spekulanten

  1. Shhhhh schreibt:

    Es wäre mir ein Herzenswunsch, wenn da mal jemand die Luft rausließe, mit allen Konsequenzen für die Verkäufer, die Käufer, für China. Manchmal bin ich direkt froh, kein Geld zu haben.

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