Fremde Federn: Die Verkäuferin

Das Verkaufspersonal in den heutigen Läden, Kaufhäusern, Shops, Boutiquen usw. ist überwiegend weiblich – die Verkäuferin gilt als „typisch weiblicher“ Beruf, auch wenn es natürlich auch Verkäufer gibt – nicht nur im Baumarkt.

Das war nicht immer so. In dem wunderbaren Blog von Billierosie kann man nachlesen, dass es im viktorianischen England des 19. Jahrhundert keine Verkäuferinnen gab. In den Läden arbeiteten ausschließlich Männer, jedenfalls waren für den Kunden nur Männer sichtbar. Verboten war diese Arbeit für Frauen nicht, aber kein Ladenbesitzer stellte sie ein. Schlagzeilen machte 1861 in Glasgow eine 16jährige, die sich als Mann verkleidet mehrfach in Läden einstellen ließ bis es aufflog.

Einkaufen war damals kein Vergnügen, schreibt Billierosie, sondern „uniquely unpleasant“, in den Worten einer aristokratischen Lady. Was müssen das für dröge Typen gewesen sein, die Verkäufer von damals. Shopping als Freizeitvergnügen – damals noch nicht.

Es waren nicht nur die emanzipatorischen Aktivitäten der „Society for the Employment of Women“, sondern natürlich auch wirtschaftliche Zwänge, die den Weg zur Verkäuferin ebneten. Für Männer gab es immer mehr besser bezahlte Alternativen, so dass Ladenbesitzer irgendwann an den Frauen nicht mehr vorbeikamen.

1909 brachte Harry Gordon Selfridge  den Durchbruch. Er eröffnete das erste moderne Kaufhaus, das sich zum Ziel setzte, Shopping zum Vergnügen zu machen. Zu diesem Vergnügen gehörten auch attraktive Verkäuferinnen  statt der drögen ineffizienten Typen von früher.

„And the lovely, stylish young women who were employed in the Selfridge department store seduced their customers with richly coloured silks from the Orient; softly sensuous velvets from Arabia and Haute Couture designs from Paris. The shop girl had arrived.”

Lesenswert.

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Maybe I am shopping too much…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Fremde Federn: Die Verkäuferin

  1. waldstern schreibt:

    Ich finde diesen Wandel der Zeiten auf hoch interessant und spannend. Manchmal frage ich mich allerdings wurde das hinführen.

    Früher gab es keine Sekretärinnen, das war ein Beruf der außschließlich von Männern ausgeübt wurde.

    Früher gab es keine Lehrerinnen, dies war ein Beruf der rein männlich besetzt war. Heute sehen Kinder in den ersten zehn Schuljahren überhaupt gar keinen Mann.

    Im Justizbereich findet man kaum noch männliche Richter. Schon vor 20 Jahren las ich einen Bericht, dass Neueinstellungen in der bayerischen Justiz für den Richterdienst zu über 90 % Frauen betrafen.

    Mir macht das Sorge.

  2. kalypso schreibt:

    ….kein mensch will heute noch freiwillig als verkäuferin arbeiten – glaubs mir!
    die kunden sind oftmals dem irrenhaus entsprungen – oder einfach nur arrogant, herablassend und selbstgefällig. das braucht niemand!
    außerdem ist der job richtig anstrengend, die ganze steherei und so……….

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