Das Macho-T-Shirt

T-Shirts wurden wahrscheinlich erfunden, um dumme Sprüche durch die Gegend zu tragen. Eigentlich sind sie ja ziemlich hässlich geschnitten, ursprünglich waren sie mal Unterhemden. Vor allem Männer lieben T-Shirts mit solchen Sprüchen. Der eine behauptet, er sei Harvard University-Absolvent. Ein anderer behauptet das von einer Universität in Kansas oder Illinois, von der er wahrscheinlich noch nicht einmal weiß, wo sie liegt oder ob es sie wirklich gibt. Andere behaupten, sie seien Mitglied in einem Golfclub in Massachusetts oder Lagerarbeiter in den Docks von San Francisco. Irgendwas in USA muss es immer sein, niemand läuft in einem verwaschenen T-Shirt mit „Kaninchenzüchterverein Kaiserslautern“ oder „Universität Lüneburg“ herum.  Auch das ist eine Methode, amerikanische Leitkultur um die Welt zu verbreiten. Schon aus Prinzip würde ich es ablehnen, so etwas zu tragen.

Der Höhepunkt der dummen T-Shirt-Sprüche setzte sich kürzlich in der U-Bahn mir gegenüber. „FUCK YOU“ stand in goldenen Lettern auf schwarz auf der breiten Frontseite dieses Herrn.

Fuck you. Also echt.

Ich denke mir, dir zeige ich es.

„Fuck you on the t-shirt. Really? You wanna fuck me?“ sage ich laut und deutlich zu ihm.

Er sieht mich verunsichert an.

„You really wanna fuck me?“ wiederhole ich, noch lauter und deutlicher.

„Was soll das?“ giftet er mich an.

„Na, das ist doch die Aussage auf deinem T-Shirt. Also frage ich mal nach.“

„Das ist ein T-Shirt.“

„Ich weiß, aber es hat eine Aussage. Also, do you wanna fuck me, right now?“

“Ey, Alte, was soll das?”

„Können wir machen. Kostet aber 100 Euro. Nur damit das klar ist.“

Spätestens jetzt sehen etwa ein Dutzend Fahrgäste amüsiert-interessiert zu und freuen sich über die nette Unterhaltung. Dem Herrn wird das sichtlich unangenehm.

„Hör endlich auf.“

„Das muss dir doch nicht peinlich sein, mit dem T-Shirt jedenfalls nicht. Ist doch klar.“

„Nutte, halts Maul.“

„Ficken will er, und dann traut er sich nicht.“

Die U-Bahn hält. Mit hochrotem Kopf steht er Hals über Kopf auf und steigt fluchtartig aus.

Allgemeines Gelächter.

Wahrscheinlich wirft er das T-Shirt in den Müll, sobald er nach Hause kommt. Da gehört es hin.

??????????????????????

Über sunflower22a

I am a mystery.
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15 Antworten zu Das Macho-T-Shirt

  1. Athanasius Katz schreibt:

    Max Goldt hat die Träger von Kleidungsstücken mit all dem Unsinn drauf einst sehr treffend als „beschriftete Menschen“ bezeichnet.

  2. waldstern schreibt:

    Großartig, hätte von mir sein können.

  3. Schwippschwapp schreibt:

    Na das war ja ein großartige Leistung. Wow. Fühlst Du Dich jetzt besser?
    Schätze der T-Shirt Träger wollte nicht ausdrücken Dich ficken zu wollen, obwohl das sicherlich auch ne feine Sache wäre, sondern eher aussagen, dass ihn die ganze Welt am Arsch vorbei geht. Das ist seine Lebenseinstellung, und es steht Dir nicht zu das zu kritisieren. Ebensowenig wie es anderen zusteht Dein freizügiges Leben zu beurteilen. Seltsam, dass sowas gerade von Dir kommt.

  4. Horst schreibt:

    Hundert Euro?
    Zweihundert Mark?
    War das ein Remake eines Didi Hallervorden Sketches?

    „In’s Hoteeeel?“

    „Waas? Zweihundert Mark?“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nonstop_Nonsens

  5. kormoranflug schreibt:

    War bestimmt ein Schäppchen-Preis und er hatte eine massgeschneiderte Eintrittskarte (lach).

  6. Nina Tabai schreibt:

    Er hätte aber auch antworten können: „Na klar will ich! Zu Dir oder zu mir?“
    Was dann?🙂

    Immerhin steigen, laut einem Test in freier Wildbahn, den ich irgendwo mal gesehen habe, 70 % der Männer auf ein spontanes Angebot zu Sex ein, wenn sie von einer fremden, attraktiven Frau angesprochen werden.

    Guys are easy.

  7. waswegmuss schreibt:

    Eine Bekannte, ein zartes Persönchen, im juvenilen Alter von knapp Achtzig trägt gerne ein lila
    T-Shirt auf das mit giftgrünen Pailletten das Pornstar gestickt ist.
    Sie legt das aufreizenste Lächeln der Welt auf wenn sie sich eine Selbstgedrehte in den Mund steckt.

  8. duesselbarsch schreibt:

    @Schwippschwapp
    Verstehe ich nicht. Warum darf eine Lebenseinstellung nicht kritisiert werden?
    Wenn jemand eine „Position“ äußert, muss er schon mit den Reaktionen leben!

    @waswegmuss
    Toll!

  9. m schreibt:

    Boah, da haben wir es jetzt mal einem Mann gezeigt!!!11! Well done, Vagina.

  10. carol1234567890 schreibt:

    recently I spotted a lady wearing a shirt “FUCK ME”. I found that quite puzzling.Could have been a marketing idea by a sexworker…sorry for writing in English, ich kann lesen Deutsch aber wenn es kommt zu Schreiben dann es ist zu schwer.

  11. altautonomer schreibt:

    Amüsant finde ich auch, wenn Ü-100 (kg)-Männer ein T-Shrt tragen, auf dem ein Footballhelm (mit Gitter) aufgedruckt ist und darunter der Schrifzug „Idaho Grizzlys“. Und unterhalb des Körperäquators bläht sich ein Pizzacontainer, der es dem Schlübber gestattet, nur bis 20 cm unter den Bauchnabel zu wandern.

  12. Robin schreibt:

    Fuck you, das ist wenigstens böse und ehrlich. Trotzdem geile Aktion.

    Als ich noch in einer Bäckerei bediente, kam mal ein ca. 12jähriger Bub zu mir und bestellte was Süßes. Ich packte es ihm ein, reichte es ihm und wollte gerade den Mund aufmachen, um ihm zu sagen, wie viel es kostet, als mein Blick auf sein Shirt fiel. Darauf, in Deutsch: „Dicke Männer ficken besser“.
    Ernsthaft. Ein Zwölfjähriger. Typ „Pausbäckiger Michel“. Ich dachte, ich wäre relativ hartgesotten, aber da blieb mir wirklich für ein paar Sekunden die Luft weg.

    Wüsste immer noch nicht wie ich reagieren sollte, hätte ich nochmal die Gelegenheit dazu.

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