Die Schwulen-Lobby hat nicht immer recht

Der Chef des Friedrichstadtpalasts hat die Botschafter von 83 Ländern von der Liste der Ehrengäste gestrichen, weil sie Homosexuelle diskriminieren. Das öffentliche Echo war überwiegend positiv. So etwas ist wohl politisch  korrekt. Wer der Schwulen-Lobby widerspricht, der ist irgendwie gestrig, und deshalb widerspricht denen niemand mehr, außer vielleicht ein katholischer Bischof.

Aber ich widerspreche.

Es gibt auch noch andere Dinge als die Diskriminierung von Homosexuellen, gegen die man sich wehren muss – und die Diskriminierung von Homosexuellen ist in den allermeisten der 83 Länder so ziemlich das Unwichtigste, was man an einem Land kritisieren kann. Wenn man so ziemlich alle islamischen Länder jetzt demonstratriv boykottiert weil sie irgendwie Schwule diskriminieren, aber seelenruhig den israelischen und amerikanischen Botschafter einlädt, dann ist das ein Statement. Aber leider das falsche, das ist das Gegenteil von Aktivismus für Menschenrechte, sondern eine Perversion.

FSP

Ich bin bekennend bisexuell, und genau deswegen gehen mir die öffentlichen Repräsentanten der männlichen Schwulenszene in Deutschland immer mehr auf die Nerven, jedenfalls wenn sie Politik machen. Für mich sprechen die nicht. Vor allem Wowereit und Westerwelle, so ziemlich die unsympathischsten deutschen Politiker überhaupt. Der grüne Abgeordnete Beck, der sich mit dem israelischen Botschafter auf Solidaritätskundgebungen für die Kriegspolitik dieses Staates stellt, vor sich ein Gemisch aus Israel- und Regenbogenfahnen.

Gerade Israel macht vor, wie man schwerste Menschenrechtsverletzungen mit einer offensiven Werbung um Schwule kombinieren kann. Hier kann man nachlesen, wie mit der „Brand Israel“-PR-Offensive das Bild eines liberalen Landes gezeichnet werden soll, das einzige im Nahen Osten in dem Schwule nicht diskriminiert werden. Klar, die Araber, das sind doch alles muslimische Schwulenhasser, nicht so schlimm wenn die unterdrückt werden.

israel-mini

Zum Glück gibt es nicht nur solche schwulen Reaktionäre, sondern auch progressive Aktivisten die Protestaktionen gegen solches Israel-Pinkwashing machen – die New Yorker Queers Against Israeli Apartheid zum Beispiel. Übrigens finden die Hälfte aller Israelis, dass Schwule „pervers“ sind, fand die Zeitung Haaretz heraus.

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Merke: Menschenrechtspolitilk und Außenpolitik sind etwas vielschichtiger als der pure Aktivismus für Schwulen-Rechte. Man kann sich auch mit einer eindimensionalen Weltsicht diskreditieren. Ich bin in jeder Hinsicht für freie Sexualität, aber nicht dafür, sie mit Bomben und Kanonen durchzusetzen, sondern durch gesellschaftliche Emanzipation.

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Die Schwulen-Lobby hat nicht immer recht

  1. kormoranflug schreibt:

    Für ein Welt-Gesetz gegen jegliche Unterdrückung wäre ich sofort. (Begründungen durch Abstammung, Neigung oder Religion sind nicht mehr erlaubt)

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