Free Nipples

Braucht man Instagram? Nein. Braucht man Facebook? Nein. Braucht man amerikanische Prüderie, die ihre Standards weltweit durchzusetzen versucht? Erst recht nicht.

Aber wer sich dagegen wehrt, verdient Unterstützung. Scout Willis zum Beispiel. Sie hat der Free the Nipple-Bewegung neuen Schwung gegeben: weg mit der Zensur auf diesen Social Media. Männliche nackte Oberkörper dürfen gezeigt werden, weibliche nicht. Schon durch transparente Kleider sichtbare Nippel werden unverzüglich zensiert. Scout Willis wurde der Instagram-Account gelöscht, weil sie erstens ein Bild von sich mit durchsichtigem Top und zweitens ein Foto eines Fotos mit zwei topless Freundinnen hochgeladen hatte. Scout ist nicht die einzige.  Das geht vielen Frauen so (und Männern, die gerne topless ladies posten) – ich bin so aus facebook rausgeflogen. Gewalttätigkeiten aller Art dürfen ungehemmt gepostet werden, aber auf keinen Fall weibliche Brustnippel.

Was als Protest gegen die Instagram-Zensur begann, weitete sie zu einer generellen Gesellschaftskritik aus. Sie spazierte topless durch New York – legal seit 1992 – und startete darüber eine Twitter-Kampagne. Mit 140 Zeichen kann man nicht viel argumentieren – bei XOJane (sehr empfehlenswertes Webmagazin!) placierte sie eine gepfefferte Kritik der Doppelmoral, mit der die weiblichen Brustnippel so verteufelt werden.

So I walked around New York topless and documented it on Twitter, pointing out that what is legal by New York state law is not allowed on Instagram.  What began as a challenge to Instagram and its prejudiced community guidelines became an opportunity for dialogue. Matters like the taboo of the nipple in the 21st century, public breastfeeding, slut shaming, fat shaming, breast cancer awareness, body positivity, gender inequality, and censorship have found their way into mainstream discussion. …

There are also some people who would criticize my choice to relate nipples with equality at all. To me, nipples seem to be at the very heart of the issue. In the 1930s, men’s nipples were just as provocative, shameful, and taboo as women’s are now, and men were protesting in much the same way. In 1930, four men went topless to Coney Island and were arrested. In 1935, a flash mob of topless men descended upon Atlantic City, 42 of whom were arrested. Men fought and they were heard, changing not only laws but social consciousness. And by 1936, men’s bare chests were accepted as the norm.

So why is it that 80 years later women can’t seem to achieve the same for their chests? Why can’t a mother proudly breastfeed her child in public without feeling sexualized? Why is a 17-year-old girl being asked to leave her own prom because a group of fathers find her too provocative? Why should I feel overly exposed because I choose not to wear a bra?

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Wie recht sie doch hat. Zehn  Jahre nach Janet Jacksons legendärer „wardrobe malfunction“ (welch ein Wort), mit der sie für ein paar Sekunden live ihre Brust zeigte, hat sich an dem Hype um die weibliche Brust nichts gebessert. Janet hat mit der Aktion Youtube zu dem gemacht was es ist, und amerikanisches Live-TV grundlegend verändert. Live ist seitdem nichts mehr, sondern um einige Sekunden zeitversetzt, damit der Nippel-Zensor rechtzeitig zuschlagen kann.

Aber so wie in den 30er Jahren Männer erfolgreich für das Recht kämpften, topless in der Öffentlichkeit erscheinen zu dürfen, tun das immer mehr Ladies auch. Ein kämpferisches Plädoyer gegen den verlogenen Sexismus placierte die wunderbare kanadische Modebloggerin Elif Filyos Tezer auf ihrem Blog The Fashion Medley:

I’m not a feminist nor do I believe that I could ever even sunbathe topless even if public display of nipples can be acceptable someday, but the world’s sexist reaction against natural nudity is deeply disturbing me. People should learn to see a nipple and move on with their lives.

Die ganze Farce erinnert an die Kontroverse um den Film „Free the Nipple“, der sich um Frauen dreht, die in New York einfach mal ihr Recht wahrnehmen, topless in der Stadt unterwegs zu sein. Seine Hauptbotschaft:

What is more obscene, violence or a nipple? How do we change these censorhsip laws in America? Every day the media plays four or five cases of violence yet discourage nudity. And so many of our heroes solve problems through killing and violence. We need new heroes, new stories, and we need them now.

Der Film wurde von der Motion Picture Association  als pornografisch eingestuft, obwohl es keine einzigen sexuelle Handlung in dem Film gibt. Deshalb ist es kaum möglich, ihn zu sehen…..ironischerweise hat dieser durch crowdfunding ermöglichte Film sogar eine Facebook-Seite

Eine witzige Protestaktion ist seit kurzem der Tatatop. Robyn Graves und Michelle Lytle haben einen Bikini erfunden, dessen Oberteil aussieht als wäre es gar nicht da. Sie wollten testen, wieweit die Prüderie von Instagram geht – siehe da, einstweilen nicht gelöscht:

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Das Ding scheint ganz gut zu laufen. Bis ins ferne  Brasilien hat sich das schon herumgesprochen – für den dortigen Geschmack sind die Tatas  wohl etwas zu bleich.

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Über sunflower22a

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5 Antworten zu Free Nipples

  1. tikerscherk schreibt:

    Tatatop- wunderbare Idee, die die Verlogenheit auf´s Schönste demaskiert.

  2. kormoranflug schreibt:

    Wo geht es hier zum Strand?

  3. Pingback: TaTa Tops | Wortmischer

  4. anonym schreibt:

    schön wäre es wenn Ihr Frauen endlich auch mal oben ohne auf die Staße gehen würtet, was hindert euch?

  5. Pingback: Schönheit und Feminismus – ein Gegensatz? | sunflower22a

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