Fuck Zalando

Ich kann es nicht mehr hören, das großspurige Geschwafel der Amazons und Zalandos. Oliver Samwer, Zalando-Gründer, prahlte kürzlich auf einer Messe „Läden sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab.“, und beschimpfte die anwesenden Wirtschafts-Funktionäre „Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen.“ Teenies machen alle sper Smartphone, die seien der Maßstab aller Dinge. Teenies als Maßstab aller Dinge. Sagt der 39jährige.

Solche Großmäuler gehen mir sowieso auf die Nerven, schon aus Prinzip. Wenn er wenigstens recht hätte. Hat er aber nicht. Sein blödes Zalando macht eigentlich gar keinen Gewinn. Auch bei Branchenprimus Amazon, dem Maßstab aller Dinge für Leute wie Samwer, sind die Gewinnraten weitaus niedriger als in anderen Wirtschaftsbranchen. Und zwar schon seit langem, keine Besserung in Sicht. 2013 stieg der Umsatz von Zalando um 52 Prozent auf 1,76 Mrd. Euro, gleichzeitig weitete sich der Verlust auf stolze 120 Mio. Euro aus. Und trotzdem gilt die Firma als höchst erfolgreich. Bei anderen Online-Firmen ist es nicht anders. Da hilft auch das durchgeknallte Geschwafel von den Paketliefer-Drohnen nicht.

Jetzt wollen sie die Retouren eindämmen, das Porto soll man dafür selber bezahlen. Wahrscheinlich werden die meisten das Porto dennoch weiter übernehmen, sollten die Umsätze einbrechen.

Ist es nicht eine Verödung unserer Kultur, wenn wir für alles nur noch in Bildschirme starren? Ständig im Briefkasten irgendwelche Zettel finden, wo wieder eine Kiste für uns abgegeben wurde? Die Nachbarn zu den unmöglichsten Zeiten nerven „Tschuldigung, da wurde ein Paket für mich abgegeben…“ oder sich von ihnen nerven lassen, weil sie nie da sind um das Ding abzuholen?

Noch elender ist die Verödung der Innenstädte vieler kleinerer Städte. Schlimm genug, dass sie nur noch Ketten-Shops haben. Auch die machen nach und nach zu, was mal eine lebendige Innenstadt war wird zur Problemzone. Was mal ein sogenanntes „regionales Oberzentrum“ war, verkommt zur Schlafstadt, zu einem Suburbia ohne Metropolis. Nein, danke. Stopft den Zalando-Großmäulern die Fresse. Erhöht das Paketporto um 300%. Macht die Portopflicht für Retouren zwingend. Knallt ihnen per Gesetz die Tarife für den Einzelhandel rein, nicht für die Logistikbranche. Setzt die Mindestlöhne gnadenlos durch.

Die Börsen sind oft genug bekloppt, der Herdentrieb grenzenlos, und die sogenannten Börsianer fallen weitaus mehr als normale Menschen auf großspurige Angeber rein, die ihnen das Blaue vom Himmel erzählen. Deshalb dürfen diese Deppen nicht der Maßstab vernünftiger Politik sein.

Aber Typen wie Samwer und Amazon-Chef Bezos sind sicher keine Deppen, sondern auf ihre Weise genial. Sie wollen natürlich kein Geld verbrennen – höchstens das Geld anderer Leute, das der „Börsianer“ nämlich. Aber noch lieber wollen sie Geld machen. Die Strategie ist klar: erst mit Kampfpreisen die stationären Einzelhändler plattmachen, monopolartige Zustände schaffen, und dann fett abkassieren.

Das sollten wir stoppen. Ich kaufe online nur noch das, was ich sonst nicht kriege. Aber wenn es immer geht, genieße ich das Shoppen in richtigen Läden, mit Dingen zum Anfassen, ohne Bildschirme vor der Nase, mit richtigen Menschen die dir was erklären und was verkaufen wollen, in einer richtigen lebendigen Innenstadt. Fuck Zalando. Hoffentlich geht ihr bald pleite.

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Nichts geht über einen echten Laden

 

Über sunflower22a

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8 Antworten zu Fuck Zalando

  1. Abu el Mot schreibt:

    Da muß ich dir leider widersprechen.
    Nicht beim Thema Mindestlohn – die Personalkosten teilweise von der Gesellschaft anstatt vom Unternehmer bzw. Kunden tragen zu lassen ist schlicht asozial.
    Aber beim Thema Shoppen. Amazon ist im Wesentlichen aus einem Grund so groß geworden: sie sind gut, verdammt gut. Der Service sucht seinesgleichen und mit der Auswahl kann kein Einzelhändler mithalten. Davon abgesehen habe ich weder Zeit noch überhaupt Lust im Laden einzukaufen, denn auch bei den Öffnungszeiten und der Erreichbarkeit ist der traditionelle Einzehandel klar unterlegen (ganz davon abgesehen, daß ich andere Menschen nur bedingt mag). Selbst bei der Beratung muß man schon Glück haben, denn eine einzige geschickte Google-Suche liefert ein besseres Ergebnis als gefühlt 95% der Verkäufer.
    Das hängt natürlich auch von den Waren ab die man kauft. Ein Großteil meiner Einkäufe liegt eher im Bereich Elektronik/Unterhaltung, da ist die Wahl keine besonders schwierige. Im Bereich Kleidung/Schuhe sehe ich durchaus, daß da der Besuch im Laden Sinn machen kann, aber auch da kann man im Versandhandel glücklich werden.
    Also, selbst wenn in der Branche faire Preise durch faire Löhne durchgesetzt werden (was ich begrüßen würde!), würde ich vermutlich noch bei Amazon einkaufen. Um genau zu sein kaufe ich auch jetzt schon oft bei Amazon obwohl sie nicht die billigsten sind, denn es ist im Versandhandel natürlich auch einfach schlecht zu sein.

  2. Raze schreibt:

    Amen, Schwester!

  3. Luc schreibt:

    Nun ja, Amazon z.b. macht deshalb so wenig Gewinn, weil sie jeden verdienten Euro wie blöde in neue Projekte investieren. Bezos kann man ja wenigstens noch zugute halten, dass er für sich in Anspruch nimmt, eine gesellschaftliche Vision zu haben (wie die meisten der großen Valley-Bosse).

    Die Samwers dagegen.. ich unterschreibe jedes Wort des Artikels. Die sind spätestens seit Jamba moralisch verbrannt wie es übler nicht mehr geht – weit und breit nichts außer grenzenlosem Ehrgeiz, möglichst viel Geld zu machen. Die müssten schon aus Karmagründen irgendwann vollständig pleite gehen. Auch dieses völlige Unverständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge lässt einen sprachlos zurück. Wenn nachher wirklich alle vor dem Bildschirm sitzen und bei Zalando shoppen ist für die die Welt in Ordnung, man steht fassungslos vor soviel kurzsichtiger Dummheit.

  4. Hartmut schreibt:

    Abwärtsspirale
    Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht, mein Geld nur noch da auszugeben wo die Mitarbeiter von ihrem Einkommen leben können, ohne vom Staat subventioniert zu werden.
    Da fallen schon mal eine Menge Luxus-Produkte weg. ( Mc D, BK und all dieser Junkdreck)
    Amazon kenne ich nur vom Hörensagen.
    Und kann mir mal jemand verraten wo der Ökologische Vorteil ist, wenn heute 5 verschiedene Paketdienste vor meine Tür fahren ?

  5. Micha schreibt:

    Sind nur mir in den Läden die 400 Euro Jobber aufgefallen, die noch weniger Ahnung von dem haben, was sie da verkaufen, als ich?!?! Nichts gegen 400 Euro Jobber!! Aber gegen Hippstermodeboutiqenbetreiber, die sie, fast ohne Anforderung, in den Laden stellen, überzogene Preise verlangen, und sich nachts ärgern, dass sie nicht die Amazon/Zalando Idee gehabt haben. Meine Einzelhandelserfahrungen sind hanebüchend. Ach ja, und das Internet hat fast immer was Ich will, und nicht was Die wollen.

  6. Johannes schreibt:

    Der Einzelhandel ist leider oft inkompetent, so dass ich das meiste online selbst recherchiere. Eine erfolgreiche Geschäftsidee wäre es, wenn man in einen Laden geht, oder meinetwegen via email sendet, was man konkret braucht, die Mitarbeiter suchen und unterbreiten mir eine Angebotspalette, daraus wähle ich aus, oder bei schlechter Recherche auch nicht, und bestelle dann ggfs. regional in diesem Laden vor Ort.

  7. Lea schreibt:

    Ein informativer Blog mit einem klaren Statement! Weiter so!🙂

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