Mollig, selbstbewusst und schön

Meine liebe Freundin K. habe ich kürzlich zu etwas überredet, was sie nie für möglich gehalten hätte. So etwas passiert in manchen Augenblicken ganz spontan, in langen Diskussionen wäre das gar nicht möglich. Schönes Sommerwetter, wir machen einen Ausflug an einen kleinen See, lassen uns nieder. Baden und Sonnenbaden. Ich werfe alle Klamotten ab, sie zwängt sich in einen Alte-Damen-Badeanzug. Ja, K. ist etwas mollig, oder wie sie findet viiiiiel zu dick. In diesem Badeanzug sieht sie 20 Jahre älter aus.

„Ach bist du schön, ich bin wirklich neidisch. Du tust nichts dafür, und ich kann machen was ich will, ich kriege die Pfunde nicht runter.“

Was soll ich jetzt sagen?

„K., meine Liebe, du bist doch selber schuld. Was zwängst du dich in diesem Oma-Badeanzug, der ist erstens hässlich und zweitens macht er dich 15 Jahre älter.“

Sie sieht mich verunsichert an. Sie hatte mit einer mitfühlenderen Antwort gerechnet.

„Einen anderen habe ich nicht dabei.“

„Du brauchst doch auch gar keinen. Die Dinger nerven und sind unbequem, um beim Sonnenbaden hinterlassen sie diese furchtbar bleichen Stellen. Zieh ihn doch einfach aus.“

Ein noch verunsicherterer Blick.

„Willst du dich lustig machen? Das kann ich mit meiner Figur nicht.“

„Warum? Erstens ist das Quatsch, zweitens gibt es hier sowieso niemanden außer mir, und drittens, ich würde dich gerne mal ganz innig drücken, weil ich dich gern habe. Aber nicht in diesem Ding.“

K. ist platt, und tatsächlich, sie zieht das Ding aus. Ich drücke sie, sie will gar nicht mehr loslassen.

„weißt du was? Ich habe Lust auf was Verrücktes. Nimm mal mein Smartphone. Vor dieser schönen Kulisse posiere ich jetzt und du machst Fotos von mir. Und dann tauschen wir die Rollen.“

„Nacktfotos? Von mir? Unmöglich.“

„Warum? Sie sind auf deinem Smartphone, und wenn sie dir wirklich nicht gefallen, lösche sie halt. Aber ich wette du tust es nicht. Ich wette es macht dir Spaß. Fangen wir mit mir an, du kannst es dir ja überlegen.“

Zum Glück kommt niemand anderes, sonst hätte sie wahrscheinlich sofort aufgehört. Aber sie tut es mit wachsendem Vergnügen. Es macht ihr sichtlich Spaß. Wir schießen dutzendweise Aktbilder, im Wasser, zu Lande,  sogar richtig erotische, und zum Schluß Selfies zu zweit. Ich hätte tagelang mit ihr diskutieren können, sie hätte es nie gemacht. So etwas geht nur spontan.

Wir legen uns in die Sonne. Nur zu schade, dass wir in der Sonne auf den Smartphones die Bilder nicht richtig betrachten können. Als ein Pärchen vorbeikommt und sie instinktiv sich hinter einem Handtuch verstecken will, reicht ein einziger mitleidiger Blick von mir, und sie kichert und bleibt einfach in all ihrer natürlichen Pracht liegen. Jetzt weiß ich, heute hat sich bei K. etwas verändert.

Ich ringe ihr das Versprechen ab, kein Bild zu löschen, bevor wir sie gemeinsam betrachtet haben. Es dauert einige Tage, bis wir dazu kommen. Sie findet sich nur auf wenigen so „unvorteilhaft“, dass auch ich sage, löschen. Hast du sie deinem Mann gezeigt, will ich wissen. Nein, natürlich nicht.  Ach, liebe K., was soll das denn….lass das schönste rahmen und schenk es ihm!

Bonniecov2

Nur bei der tollen Kampagne womenenough.org will sie nicht mitmachen. Michelle Fetsch hat sie vor 4 Jahren gegründet, nachdem sie 16 Jahre lang Ess-Störungen hatte – weil sie ihren Körper nicht so akzeptierte wie er ist. Vielen geht es so, und Michelles Befreiung war: fröhliche Aktfotos.

Im Internet, nein, das geht K. zu weit. Aber sie bewundert alle Frauen, die dort mitmachen.

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu Mollig, selbstbewusst und schön

  1. westendstorie schreibt:

    Kann das so gut nachempfinden….bin völlig gerührt. Dieser verdammte rote Faden, namens, Einpaarkilomüssenunbedingtrunter…..

  2. kultgenosse schreibt:

    Respekt euch beiden!

  3. waswegmuss schreibt:

    Gut gemacht! Frau muss Frau bleiben.

  4. Johannes schreibt:

    Ich tolleriere natürlich dicke Frauen, muss sie aber in der Öffentlichkeit nicht auch noch nackt sehen. Am See oder auf der Wiese ist das etwas anderes, aber nicht auch noch in Magazinen etc.

  5. Pingback: Schönheit – und ihr Preis | sunflower22a

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