Palästinas entführte Kinder

In Palästina wurden am 12.Juni  drei Jugendliche entführt, 16 bis 19 Jahre alt. Israelische Schüler einer religiösen Schule, die in Palästina eigentlich gar nichts zu suchen hat. Schlimm.

Israels Besatzungs-Armee stellt das Land auf den Kopf, verhaftet über 80 Menschen, offenbar ziemlich wahllos, aber findet nichts.

Die Frage, warum israelische Jugendliche illegal in Palästina siedeln, wird natürlich nicht gestellt. Wer das tut, begibt sich in Gefahr und weiß was er tut.

Aber ich will nichts verharmlosen.

Denn es ist ja noch viel schlimmer.

In den ersten zehn Tagen des Juni wurden 17 andere Jugendliche in Palästina entführt. Der jüngste ist 13, der älteste 17. Manche wurden von Bewaffneten auf offener Straße entführt, unter den Augen eingeschüchterter Passanten. Andere wurden von Bewaffneten mitten in der Nacht aus ihren Familien gerissen, mit vorgehaltener Waffe. Die Familien waren machtlos. Sicherheitskräfte, die sie schützen könnten, gibt es nicht.

Demonstration against the Israeli occupation and separation wall, Al Ma'sara, West Bank, 9.11.2012

Das war vom 1.-10.Juni. Interessiert hat es niemanden. Kein US-Außenminister, kein EU-Politiker  rief dazu auf, die Jugendlichen zu befreien und die Täter zu bestrafen. Denn es waren nur palästinensische Jugendliche. Die sind rechtlos.

Am 12.Juni wurden die drei israelischen Religionsschüler entführt.

Da gab es viel internationale Aufmerksamkeit. Viel Druck auf eine machtlose Pseudo-Regierung, genannte Palästinensische Autonomiebehörde, die Täter zu finden. Denn jetzt geht es um Israelis. Die haben einen anderen Status als Palästinenser.

Man kann annehmen, dass es den 20 Entführten nicht gut geht. Über die Bedingungen, unter denen die drei israelischen Religionsschüler leben müssen, wissen wir nichts. Über die Bedingungen, unter denen die anderen 17 leben müssen, gibt es aber viele Anhaltspunkte. Defence for Children International hat im April einen Bericht herausgegeben, der die Bedingungen entführter palästinensischer Kinder und Jugendlicher von 12-17 Jahren in israelischer Haft beschreibt. Jeder fünfte wird in Einzelhaft gehalten. Harsche Verhörmethoden mit verbundenen Augen in Handschellen. Keine Angaben darüber, warum sie entführt wurden. Folter. Erzwungene Geständnisse. Psychologische Erpressung. Solche Berichte gab es schon viele, von amnesty, von  Human Rights Watch, von israelischen Menschenrechtsgruppen.

Seit 2000 wurden über 1400 palästinensische Kinder und Jugendliche gar nicht erst entführt, sondern gleich erschossen. Wegen solcher Kapitalverbrechen wie Steinewerfen. Oder einfach nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Nämlich in ihrem Heimatland – nicht als Siedler, die freiwillig ein anderes Land kolonisieren und sich damit in Gefahr begeben.

140202-palestinian-children-infographic

Das interessiert im Westen niemanden. Das Rote Kreuz weigert sich sogar, die israelische Staatsmacht einfach nur aufzurufen, die entführten Kinder und Jugendlichen freizulassen. Es sind ja nur Palästinenser. Die haben keine Rechte. Aber gleich nach der Entführung der drei jugendlichen israelischen Siedler fordert das Rote Kreuz  ihre bedingungslose Freilassung.

Es ist diese Doppelmoral, die mich endlos anwidert.

 

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Palästinas entführte Kinder

  1. westendstorie schreibt:

    Schlimm. Sehr sehr schlimm. Und würde ich nicht direkt einen Palästinenser kennen und somit hier und da Einblick bekommen, würde ich nicht eine Freundin haben, die eine Zeit dort gelebt hat, wäre der Weg äußerst schwer, an realitätsnahe Informationen zu kommen.
    Man siehe diesen Fall… von den 17 Kindern habe auch ich nichts gewußt. Bis jetzt.

  2. waswegmuss schreibt:

    Diese Methoden erinnern all zu stark an den Naziterror im letzten Jahrhundert.

    Ich schweife ab.

    Leider ist das rote Kreuz und auch alle anderen kreuztragenden Hilfsorganisationen sehr stark mit dem alten Adel und dessn Interessen verbandelt.
    Ich empfehle hier einmal die Fronleichnahmsprozession in Mainz anzusehen. Die Herren mit dem Kreuz auf der Schulter und die Witwen im großen Schwarz stellen Bilderberg locker in den Schatten.

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