Terrorismus als profitables Geschäft

Boko Haram ist in den Schlagzeilen wie lange nicht mehr. Bestialische Verbrechen und niemand hat ein Mittel dagegen, die nigerianische Regierung schon gar nicht. Die Bilder ähneln sich, wir haben sie schon in Mali oder in Somalia und anderen Ländern Afrikas gesehen. Und wir werden noch mehr davon sehen.

Die Twitter-Facebook-Solidaritätskampagnen für die entführten Schülerinnen muten naiv und hilflos an, gefährlicher sind dagegen die Undercover-Einsätze des US-Militärs.

Wer verstehen will, was da gespielt wird, muss sich mit den Länder intensiver beschäftigen, in denen diese Terrorbanden agieren. Absolut erhellend ist hierfür ein kürzlich erschienenes Buch „Heiliger Krieg – heiliger Profit“ des Afrika-Journalisten Marc Engelhardt. Er schaut hinter die Kulissen, indem er einfach nur herumreist und vor Ort mit so vielen Menschen wie möglich spricht, sie nicht bedroht sondern ernst nimmt, ihnen zuhört. Also genau das, was staatliche Instanzen nicht tun. Sein Buch stellt die These eines „symbiotischen Terrorismus“ auf, die Verquickung von Terrorismus mit organisierter Kriminalität. Terroristen kooperieren mit der organisierten Kriminalität oder erledigen diese Geschäfte gleich selbst. Terroristen finanzieren sich heute fast ausschließlich selbst, seit irgendwelche Regime vom Kaliber eines Gaddafi dafür nicht mehr zur Verfügung stehen. Es gibt dabei alle möglichen Geschäfte – Schmuggel, Waffenschieberei, Drogenhandel, Auftragsmorde, Entführungen, Geldwäsche und so weiter. Die Frage, ob die Kriminalität ein Mittel zur Förderung und Finanzierung des Terrorismus ist, oder der Terror ein Mittel zur Förderung des kriminellen Geschäfts ist – sie ist gar nicht mehr so einfach zu beantworten. Engelhardt glaubt, mittlerweile sei eher letzteres der Fall. Anhand von Beispielen wie der Entmachtung des islamischen obersten Rats der somalischen Shabaab-Terroristengruppen macht er dies fest – ihre allzu rigide Islamauslegung stand dem Geschäft im Weg. Der heilige Krieg ist oftmals sehr scheinheilig, stellt er fest.

Er analysiert auch, wie die Zustände in diesen Ländern es den Terroristen sehr leicht machen. „In manchen Ländern unterscheidet sich der staatliche Terror kaum von dem der Terroristen. Das treibt Terrorgruppen Unterstützer zu, die glauben, schlimmer könne es ohnehin nicht werden….Diese Terroristengruppen wären niemals möglich gewesen, wenn die Regierungen Nigerias, Malis und Somalias sich in angemessenem Maße um ihre Bürger gekümmert hätten oder es wenigstens heute täten. Ohne die  massive Korruption, ohne Nepotismus und die Billigung der Aufgabe staatlicher Strukturen hätte keine der Terrorgruppen soviel Zulauf gehabt.“

Sieht man den Terrorismus in Afrika nicht mehr als ideologischen Kreuzzug von Fanatikern, den man am besten mit dem Militär bekämpft, dann kommt man nach Engelhardts Ansicht der Lösung des Problems viel näher. Die italienische Mafia bekämpfe man ja auch nicht mit dem Militär.

Afrikas Terrorgruppen hängen am Geld. Die aussichtsreichste Möglichkeit, sie zu besiegen, liegt darin, ihre illegalen Einkommensquellen auszutrocknen.“ Dazu gehört es aber auch, Alternativen zu schaffen. Genau da versagen die meisten Regierungen Afrikas und ihre westlichen Entwicklungshilfe-Patrone. „Wenn Terroristen die letzten zahlungskräftigen Arbeitgeber sind, wenn sie Recht und Ordnung aufrechterhalten und sich als Vorkämpfer gegen staatliche Willkür gerieren können, dann jubeln die Menschen ihnen zu – zumindest vorübergehend, bis es oft schon zu spät ist.“

Das Wesen organisierter Kriminalität ist aber, staatliche und legale Strukturen zu durchdringen – wer mag alles in die millionenschweren Geschäfte der Boko Haram, der Shabaab, der Al Qaida verwickelt sein? Unsere Öl-Freunde auf der arabischen Halbinsel, in Nigeria, mit Sicherheit, aber wer noch? Wer profitiert von der Renaissance militärgestützter Lösungen? Von der Entwicklung neuer Drohnen, neuer Kampfroboter? Wo liegen die Gelder, wo werden sie investiert? Wo sind die Vertriebswege der Schmuggler nach Europa?

Follow the money. Das ist meist der wichtigste Schlüssel zur Lösung des Problems. Genau deswegen wird er ignoriert. Da käme vieles raus, was wir nicht wissen sollen. Ein absolut lesenswertes Buch.

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Über sunflower22a

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