Franziskus, bitte übernehmen Sie

Der Papst war in Jerusalem. Das ist gut. Er war nur kurz dort, aber er war dort. Und er hat sich ins Gespräch gebracht für einen Friedensprozess, den es schon lange nicht mehr gibt. Für einen anderen Friedensprozess. Ja, er sollte das übernehmen. Er wäre wirklich ein neutraler Vermittler, er wäre im Gegensatz zu den USA und der EU kein durch und durch parteiischer sogenannter „Vermittler“, der im kern nur die Interessen der ohnehin stärkeren Seite vertritt. Er hätte das Standing, eine gerechte Lösung auszuloten und den internationalen Druck für ihre Durchsetzung zu mobilisieren – wenn man ihn lassen würde, wenn ihn Washington nicht sabotiert.

Die Realitäten in Jerusalem haben sich auch Schriftsteller angesehen, die beim letzten Palästina-Literaturfestival teilgenommen haben. Sie reisten durch den Qalandia-Checkpoint ein, und sprachen mit Menschen in der Altstadt und anderen Stadtteilen, die unter enormen israelischen Druck stehen  und dennoch ausharren. Sie haben dazu ein kleines Video gemacht. Die raffinierten Methoden, Palästinenser zu verdrängen und durch jüdische Siedler zu ersetzen, werden deutlich.

Noch weit brutaler sind diese Methoden in Hebron– eine Stadt, die von 99% ihrer Bewohner al-Khalil genannt wird und von 1% Hebron. Auch dorthin kamen die Schriftsteller, die Künstler aus dem Ausland, auch darüber haben sie ein kleines, sehr bewegendes Video gedreht.

Wer diese Videos sieht, versteht, worum es geht. Um ein ausgeklügeltes System der alltäglichen Diskriminierung und Erniedrigung, um ein System der Gewaltherrschaft. Gillian Slovo, die Autorin aus Südafrika, erinnert es an ihr eigenes Land vor 25 Jahren. Solange die Menschen unterteilt werden in privilegierte Angehörige eines herrschenden Volkes, und in unterprivilegierte Angehörige eines Volkes mit minderen Rechten, solange kann es keinen Frieden geben.

Die universelle Gleichheit aller Menschen. Das ist der Kern. Ich glaube, der Papst versteht das. Obama, Kerry und seine Verbündeten in Europa haben das noch nie verstanden.

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Palestine and the Middle East abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Franziskus, bitte übernehmen Sie

  1. Bersarin schreibt:

    Nein,die universelle Gleichheit ist eben nicht der Kern. In einer kapitalistisch organisierten Gesellschaft ist der Kern die Konkurrenz. Im Nahen Osten ist es der Kampf um Ressourcen, der die Konflikte bestimmt. Dahinein wird auch kein Papst den Frieden bringen.

    Universelle Gleichheit meint um Grunde nur die Fiktion, daß es gleiche Marktteilnehmer gäbe. Die ethischen oder moralischen Begriffe spiegeln eher die ökonomischen Bedingungen wider, als daß diese Begriffe irgendwie Einfluß auf die Ökonomie gewönnen. Dies ist eine der großen Illusionen, die sich die Ethik macht. Daran wird auch keine christliches Soziallehre etwas ändern.

    Sinnvoll wäre es allerdings, was die Siedlungspolitik Israels betrifft, internationalen Druck aufzubauen, um das zersiedeln palästinensischen Territoriums zu unterbinden. Ggf. auch ein Boykott Israels, bis die unsägliche Siedlungspolitik aufhört. (In diesem Falle halte auch ich einen Boykott Israels für das letzte Mittel.)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s