Mit moderner Mode gegen die Besatzung

Israels koloniale Landnahme in Palästina zielt darauf ab, die nationale Identität der Palästinenser zu zerstören, sie auf den Status einer „arabischen Minderheit“ abzustufen. Die Kultur war schon immer der Kern dessen, was man „nationale Identität“ nennt. Aber was ist Kultur? Kultur ist vor allem Alltagskultur. Die Esskultur, die Kleidung, all das ist wichtiger als in Museen verpackte Hochkultur.

Das größte Gesamtkunstwerk ist aber eine elegante, schöne Frau und ihre Kleidung, ihr Schmuck, ihre Frisur. Ein Kunstwerk, das mehrmals am Tag neu erfunden wird und nur wenige Stunden haltbar ist. Da ist es nur folgerichtig, dass palästinensische Frauen sich wieder auf die traditionelle Kleidung Palästinas besinnen. Kleidung, die ihre Mütter und Großmütter jahrzehntelang in Schränken verstauben ließen und nur noch zu Familienfesten hervorholten. Kleidung, die in jedem Dorf, in jeder Stadt anders war, die ihre eigene Geschichte erzählt.

Als Tamara Reem vor einem Jahr von ihrer Großmutter ein traditionelles gesticktes Top geschenkt bekam und es trug, wurde sie von allen gefragt, woher hast du das? Nein, nicht aus der Shopping Mall, aus dem Jerusalem der 1960er Jahre. Sie fand diese Zustimmung so begeisternd, dass sie  zusammen mit Weeam Hammoudeh die Initiative Ibra wa Khayt startete:

One day we were having coffee and decided to start a project. We’re bringing together the old and the new, inspired by the feisty women of our families and the dusty sewing machines of our grandmothers, to create a project we call Ibra wa Khayt, needle and thread. With Weeam’s obsession with having a thobe made, and Tamara’s fixation with the sherwal pants she added her grandmother’s embroidery to, Ibra wa Khayt was born.

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Each piece of embroidery tells a story. These pieces are handmade, and have been revived from older pieces that represent various phases of our tumultuous history and a changing, yet resilient cultural heritage. They tell the story of Occupation, dispossession, and the Palestinian Diaspora. By that same token, they tell the stories of celebration of life and the rich history of the villages they come from.

Waeems Familie stammt aus Litfa, einem Dorf das 1948 von den Israelis „ethnisch gesäubert“ wurde. Alle Palästinenser wurden vertrieben, die Erinnerungen beginnen langsam zu verblassen. Ibra wa Khayt produziert jetzt wieder Kleidung im Stil von Litfa. Toll.

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Tamara und Weeam starteten in Hebron eine Nähereiwerkstatt, schufen damit sogar Arbeitsplätze für palästinensische Näherinnen. Mit einem „traveling caravan“ zeigen sie die Kleider in Palästina und Jordanien, und stoßen auf großes Interesse.

Doch es gibt natürlich auch Probleme. Die Kolonialmacht hat bereits erkannt: auch palästinensische Mode ist gefährlich. Tamaras Familie verlor ihr Aufenthaltsrecht in Jerusalem schon während der ersten Intifada Ende der 1980er Jahre. Viele Palästinenser wurden mit dieser „stillen Vertreibung“  aus Jerusalem vertrieben, schleichend und unauffällig, ohne dass Israel dafür von der „internationalen Gemeinschaft“ Sanktionen bekommen hätte. Sie ist US-Staatsbürgerin, und die Kolo0nialmacht hat ihr erklärt, ihr Visum werde nicht verlängert. Sie ist „Ausländerin“ in ihrem eigenen Land, wie pervers. Tamara und Weeam sind dennoch zuversichtlich: Ibra wa Khayt ist nicht mehr zu stoppen.

 

Über sunflower22a

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