Die Sexualität der Männer – Ansichten und Vermutungen, Teil 2

Vor einiger Zeit stolperte ich über einen interessanten Blogbeitrag bei Psychology Today mit der vielversprechenden Überschrift Why Men Find It So Hard to Understand What Women Want“.

Philosophieprofessor Mark White schildert eine Konversation mit einem Freund, der ihm begeistert von seiner Beziehung berichtet. Seine Freundin liebt es und genießt es, von ihm begehrt zu werden. Begehrt, in jeder Hinsicht, körperlich, sexuell, intellektuell, alles. Leicht verunsichert antwortet er nicht etwa, ey wie geil, nein, das tut ein Professor nicht.  Er räsoniert, dass ihm das sehr schwer falle, einen respektvollen Umgang mit Frauen zu vereinbaren mit „animalistic, nonrational expressions of passion and desire that women want from us“. So gehe es seiner Meinung nach den meisten Männern, und auch wenn viele Männer solche Gefühle ebenfalls haben, trauen sie sich nicht sie auszudrücken weil sie Gefahr laufen, mit Männern verwechselt zu werden, die das auf brutale und respektlose Weise tun. Wann also sind solche Gefühle für Männer okay? Diese Frage sei einfach extrem schwierig. Zu warten, bis einem die Frau klare unmissverständliche Signale in diese Richtung gebe, bedeute, den emotionalen richtigen Moment zu verpassen. Das Geheimnis sei ja genau, eben nicht so lange zu warten, sondern diesen Zeitpunkt intuitiv zu erfassen – nicht ihn rational und risikofrei zu erfassen. „The problem for the considerate man, however, is how to express “overwhelming” desire within the constraints he holds himself to and he feels a woman is entitled to; in other words, he doesn’t know how to be both the beast and the gentleman she wants and deserves.”

Gut beschrieben, nehme ich an.

Sein Freund antwortete ihm, sie kennen sich einfach lange genug um das richtig einzuschätzen. Nicht hilfreich, fand er, für Paare die sich erst kennenlernen – und genau das eben noch nicht so gut einschätzen  zu können. So wie ihm gehe es wohl den meisten – die „appropriate balance between thoughtful consideration and spontaneous desire“ löse er eben so auf, dass er sicherheitshalber näher bei der respektvollen Überlegung bleibe und nicht so sehr bei spontanem Verlangen. Die Gefahr, schlagartig die Lady zu brüskieren und alles in den Sand zu setzen, sei eben viel größer, als sie möglicherweise etwas zu langweilen.

Sehr guter Punkt. Richtig gemacht, in einem gesellschaftlichen Klima wo schon der kleinste Fehltritt als sexuelle Belästigung gilt ist alles andere vermutlich der pure Leichtsinn und kann dein gesellschaftliches Ende bedeuten. Aber auch falsch gemacht, weil ein Treffer ins Schwarze eben der Hauptgewinn sein kann. Wie kann ein Mann diese schwierige Balance finden, eine Frau zu respektieren und zu begehren?

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Vielleicht ist es deswegen so schwierig, weil Männer es selbst nicht gewöhnt sind, dass umgekehrt Frauen sie begehren. Frauen sind gesellschaftlich konditioniert, sich „erobern“ zu lassen, begehren zu lassen, nicht die Initiative zu ergreifen – und deswegen kennen Männer es eigentlich nicht anders. Was ist, wenn eine Frau ihn begehrt? Auch sie wird warten, abschätzen ob er Biest oder gentleman ist, ihn näher kennenlernen, und hoffentlich nicht genauso warten bis sie es 100% weiß. Denn dann wird sie es nie wissen. Sie kann vermutlich besser damit umgehen, den richtigen Zeitpunkt zu finden – aber sie ist von klein auf darauf getrimmt, dass das nicht ihrer Rolle ist.

Ja, für Frauen ist die Faszination eines Mannes die richtige Mischung aus Biest und Gentleman, und eine Fehleinschätzung kann fatale Folgen haben. Sie will natürlich kein echtes Biest, aber auch keinen Gentleman der das Biest in ihm immer nur unterdrückt, aus welchen Gründen auch immer. Vermutlich würde es ihr erheblich helfen, den Richtigen zu finden, wenn sie ab und zu den Spieß umdreht. Wenn wir sexuell offenere, attraktivere, faszinierendere Männer wollen, die uns nicht nur heimlich begehren aber nie respektlos werden – wir werden es vermutlich nur bekommen, wenn auch wir unsere traditionellen Rollengrenzen überschreiten und uns nicht nur „erobern“ lassen sondern das auch mal selber tun.

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Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Die Sexualität der Männer – Ansichten und Vermutungen, Teil 2

  1. m schreibt:

    Die Gesellschaft, die Gesellschaft. Wenn es die Gesellschaft nicht gäbe, ihr müsstet sie erfinden um eure Verantwortung für euch selbst dort hinzuschieben.

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