Die Sexualität der Männer – Ansichten und Vermutungen, Teil 1

Männer. Die rätselhafte andere Hälfte der Menschheit. Ich habe hier schön öfter dagegen geschrieben, dass Frauen als „Schlampen“ beschimpft werden, nur weil sie Sex und Erotik schön finden und das auch ausleben. Was ist mit den Männern?

MFW_gentlemens_streetstyle

Es stimmt, es gibt mehr gesellschaftliche Akzeptanz dafür, wenn Männer ihre Sexualität ausleben, jedenfalls ist es kein Zufall dass es kein männliches Äquivalent zu „Schlampe“ gibt. Die entsprechenden Attribute sind wesentlich freundlicher, Schürzenjäger, Casanova etc sind eigentlich fast schon bewundernd gemeint. Ein Mannsbild wie Horst Seehofer darf „fremdgehen“, seine Stellvertreterin Ilse Aigner dürfte sich so ein ausschweifendes Sexualleben nicht leisten.

Aber das gilt nur, solange diese männliche Sexualität sich in den engen Normen der gesellschaftlichen „Normalität“ bewegt. Die können sehr eng sein. Männer, die diese verlassen, sind gesellschaftlich rasch erledigt. Eigentlich gibt es in der Öffentlichkeit, in den Medien wenige positive Rollenbilder, die sexuell positiv besetzt sind. Sicher, da gibt es George Clooney, angeblich privat auch ein „Schürzenjäger“ – aber wer will sich schon mit ihm vergleichen? Der hat Kultstatus, so eine Art Marilyn Monroe, nur dass er noch lebt. An den kommt keiner ran.

Außerhalb solcher Rollenbilder kommen in den Medien zum Thema männlicher Sexualität leider vorwiegend negative Dinge vor.

Die pädophilen Kindesmisshandler:  ein Sebastian Edathy ist schon erledigt, wenn er nur legale Fotos bestellt. Die Grünen und ihr Ex-Chef Trittin sind erledigt, weil sie vor Jahrzehnten zu Pädophilie nicht die heute übliche 150%ig repressive Linie eingeschlagen haben. Die katholische Kirche ist vollgestopft mit mehr oder weniger pädophilen Priestern, die ihre sexuelle Frustration an Mädchen und Jungen abreagieren. Dass Woody Allen noch nicht aus allen TV-Programmen verschwunden ist, ist fast schon ein Wunder.

Die kann man noch als „abartig“ abtun. Aber da gibt es natürlich auch die Normalos, die plötzlich zu Vergewaltigern werden, wie die Schüler in Steubenville, gedeckt von der Polizei. Kachelmann, erledigt nach einem unbewiesenen Vergewaltigungsvorwurf.

Und natürlich, die aktuelle hysterische Debatte um die Re-Kriminalisierung von Prostitution, von Sexarbeit, losgetreten von restaurativen Moralaposteln. Männer, die sexuelle Dienstleistungen kaufen, sind natürlich in erster Linie Verbrecher, die arme Migrantinnen (Zwangs-Prostituierte) vergewaltigen. Das muss man kriminalisieren. Schwedisches Modell. Freier in den Knast.

Das alles hast du im Kopf, wenn du die Medien scannst. Fazit: Männer sind Schweine. Dazu kommt, dass eine ganze Reihe Männer die Negativstereotypen bestätigen, die „man“ so über ihre Sexualität hat. Nicht nur im betrunkenen Zustand, wenn sie das sagen was sie anscheinend sonst nur denken.

Ich kenne einige Männer, die mir sagen, ich wisse gar nicht was für schweinische Gedanken ihnen so durch den Kopf gehen, wenn sie auch nur halbwegs attraktive Frauen sehen. Busen streicheln sei noch das Harmloseste.Sie könnten nichts dagegen machen. Andere Männer hätten besser gelernt, sowas zu verstecken, aber sie seien sicher, solche Gedanken hätten alle Männer. Interessanterweise haben sie dabei alle ein schlechtes Gewissen, stolz sind sie darauf nicht. Botschaft: Männliche Sexualität ist was Schlechtes. Wenn ich dann antworte (und zwar ohne jede Andeutung von schlechtem Gewissen), ähnliche Gedanken seien mir alles andere als fremd, glauben sie mir das einfach nicht. Oder sie deuten an, na du bist ja bekannt als … naja, Schlampe oder so ähnlich, aber „normale“ Frauen machen das sicher nicht.

Ist das wirklich so? Haben Männer wirklich entweder eine unterdrückte Sexualität – oder wenn sie sie nicht scharf kontrollieren und reglementieren, dann sind sie Schweine?

tumblr_n3y0qbkOBE1to9rmko1_500

Eine interessante Beobachtung las ich kürzlich in der Philosopher’s Mail

One kind of answer begins with the residual guilt many men feel around sex. A good number of them spend the bulk of their formative adolescent years feeling that sex is something they want far more of, and far more urgently, than women. They would love to go further, try certain things, but the girls they know too often look straight through them and never call back. The scenarios in porn and in their imaginations seem incapable of being enacted with anyone available in the real world. The result is shame: it may end up seeming as though sex is an embarrassingly peculiar thing they made up themselves and can’t persuade anyone else to partake in. Even outside of religious belief systems, even in this liberated age, it is only too easy for straight men to feel lonely, even dirty, about having a sex drive. Hence the relief of lesbianism for men. Here, at last, is incontrovertible proof of a point that should always have been, but isn’t necessarily, obvious: that women want sex just as much as, and sometimes far more than, men; that women can be as uncompromising, imaginative and committed in its pursuit as any male.

Männer finden lesbische Liebe also faszinierend, weil sie ihnen das Gefühl gibt, dass auch Frauen scharf auf Sex sein können. Dummerweise sind lesbische Frauen aber nicht ihre Zielgruppe. Die meisten heterosexuellen Frauen haben aber Angst davor, als „Schlampe“ abgestempelt zu werden, verstecken ihre sexuellen Bedürfnisse deswegen, und leben sie schon gar nicht aus. Konsequenz: nicht nur Frauen, sondern auch heterosexuelle Männer stehen wegen der ständigen Disziplinierung von Frauen durch die „Schlampen“-Stigmatisierung am Ende als Verlierer da. Er wünscht sich eine sexuell aktive Frau, vielleicht sogar eine die mehr sexuelle Bedürfnisse hat als er. Die findet er aber nicht, weil die gesellschaftlich nicht toleriert werden. Am Ende glaubt auch er, seine sexuellen Bedürfnisse seien irgendwie schweinisch, peinlich,  und müssen unterdrückt werden.

Was soll das alles?

Fortsetzung folgt.

tumblr_myl5ygRemn1r5vmdeo1_1280

Ist Ihnen irgendwas peinlich, junger Mann?

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Ladies (and gentlemen) abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s