Fremde Federn: Die Schere im Kopf

Der EU-Gerichtshof urteilt: Vorratsdatenspeicherung in der bisher geplanten Form ist rechtswidrig. Die massenhafte Speicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten der Bürger ohne konkreten Anlass sei ein gravierender Eingriff in die Grundrechte der Bürger. Sie werden sich was neues einfallen lassen, die Überwachungsfanatiker. Pünktlich und passend dazu erscheint heute ein Beitrag des berühmten Bloggers Kiezneurotiker, der sich mit der durch den Datensammel-Wahn ausgelösten „Schere im Kopf“  befasst. Er verrät uns, wie er mit vielen Fake Identities und Pseudonymen Datenverwirrung betreibt, und hofft, dass man nicht herausfindet wer er ist. Seine eigentliche Identität findet im Netz nicht statt. Er ist nicht der, der er ist, er existiert nicht.

„Mir ist nicht alles egal. Ich schreibe so, als wäre denen, die das Netz rastern, bekannt, dass ich das bin, der da schreibt. Das ist wahrscheinlich auch so. Ich wäge ab, ich überlege, was ich bringen kann und was nicht und schreibe so, dass ich einem Gremium, das darüber befindet, ob ich meinen Job oder meine Kinder verliere, diese Texte mit dem Schalk im Nacken erklären kann, wenn mich das Gremium danach fragt. Hey, ich mach‘ doch nur Spaß. Satire darf alles. Und Überspitzung ist ihr Mittel. Ja? Mache ich das? Ich weiß es nicht. Nein, nicht. Oder doch? Vielleicht. Vielleicht nicht. Ich weiß es doch auch nicht. Und wenn ich es nicht weiß, wer weiß es dann?“

Ja, ich kenne das. Ich habe mir diese Fragen auch schon oft gestellt. Eine NSA, die alles daran setzt, rauszubekommen, wer ich bin, die kriegt auch raus wer ich bin. Auch wenn ich nichts Verbotenes mache, alles legal ist, schon die kleinste Abweichung von der Norm kann dich gesellschaftlich killen, beispielsweise wenn es um so unappetitliche Dinge wie Sex geht. Das ist noch gefährlicher als politischer Dissens. Auch viele politische Ansichten, auch wenn sie noch so legal sind, können dich ruinieren, wenn sie rauskommen. Oute dich mal als Linken-Wählerin in einer Unternehmensberatung, und du bist weg.

Ein wunderbarer Blogbeitrag, der die Gefühle beschreibt die sicher viele Blogger kennen, wenn sie Unangepasstes, Nonkonformes, Ketzerisches und politisch Unkorrektes in die Tasten hacken. Sehr lesenswert.

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Nein, wir haben nichts zu verbergen im Daten-Spinnennetz.

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Fremde Federn: Die Schere im Kopf

  1. kiezneurotiker schreibt:

    Ich bin heute nah am Wasser gebaut, ziemlich betrunken und verdrücke ein Tränchen. Andere denken auch so. Das beruhigt sehr.

  2. Pingback: Zwei Jahre | sunflower22a

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