A Concept Mall

Das Bikini-Haus hat wieder eröffnet. Ich finde ja schon den Namen unwiderstehlich, auch wenn ich dort drin nie jemanden im Bikini getroffen habe.

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Und es soll was besonderes sein. Shopping Malls sind weltweit von geradezu uniformer Hässlichkeit – das Versprechen, hier werde etwas anderes entstehen, hat mich angelockt. Wie viele andere auch. Berlin’s new Concept Mall. Wo sich Geschichte und Zukunftsvisionen treffen. Klingt gut. Wahrscheinlich nur ein hohler, aber guter Werbespruch.

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Ich muss sagen: ich wurde positiv überrascht. Wirklich. Kaum zu glauben.

Das Bikini-Haus ist vor allem architektonisch sehr gelungen. Aus einem langen, gedrungenen Schlauch etwas zu machen, ist eine Herausforderung, sie haben es gut gelöst. Das Haus ist ziemlich verschachtelt, aber es fällt kaum auf. Eine tolle Terrasse auf dem Dach mit Blick in die Affenkäfige des Zoos., darunter und daneben die Läden. Viel Tageslicht strömt herein, sehr angenehm.

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Das Laden-Angebot unterscheidet sich sehr von den sonst üblichen Shopping Malls, die H&Ms und Mangos und so weiter sucht man hier vergeblich. Auch die Designershops mit Weltraumpreisen halten sich in Grenzen. Es gibt sogar große Shops, da kannst du gar nichts kaufen, die sind einfach nur eine Ausstellung – Schiesser Artists for Revival zum Beispiel, eine Linie mit Originalmodellen aus dem 20.Jahrhundert, und zwar genauso haltbar wie damals.

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Eine tolle Idee sind die 20 Boxen im Innenbereich, die junge aufstrebende Labels vorwiegend aus Berlin angeblich für wenig Geld mieten können um so ein kommerziell attraktives Ambiente zu finden, in dem sie was werden können.

Allerdings, und das ist der Wermutstropfen, deren Angebot ist leider nicht umwerfend. Leider. Es ist, nun ja, soooo German.

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Es überwiegen die beige-braun-grauen Töne, die Klamotten überwiegend langweilig und oft geradezu kuttenhaft geschnitten, sogar Kapuzenpullis (!) haben sie im Angebot. Hallo? Schon mal was von Eleganz und Stil gehört? Der Stil dieser Stadt scheint aus Prinzip eine Art Anti-Eleganz zu sein. Wenn man dann mal Farben vorfindet, dann sind sie entweder zu grell oder der Schnitt passt nicht. Allenfalls die aufgedruckten Sprüche sind richtig gut – Sprücheklopfen können die Berliner eben besser als Eleganz.

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Wer Eleganz will, muss wohl doch zu den internationalen Labels. Vielleicht prägt die allgemeine Schluffigkeit Berlins die Designer hier derart, dass das einfach nicht geht – dafür braucht man wohl das Ambiente von Milano oder Paris. Leute, ich wünsche euch so sehr den Erfolg, aber ihr müsst noch echt was dafür tun.

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Eine Shopping Mall, in die ich vermutlich gerne gehen werde, erst recht wenn alle noch nicht eröffneten Läden fertig sind. Eine Gefahr für mein Konto, potenziell.🙂

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Über sunflower22a

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4 Antworten zu A Concept Mall

  1. Pingback: Jemütlichkait | Wortmischer

  2. kalypso schreibt:

    du meckerst über gentrifizierung und kapitalismus und dann findest du eine shopping mall gut?!

    meine liebe, hier schalte ich dich ab!

    viel spaß beim weiteren klamotten kaufen!

  3. sunflower22a schreibt:

    hä? hast du das eigentlich gelesen? vielleicht ist es nicht politically correct nicht einfach nur bei dem Gedanken Shopping Mall sofort das Kotzen zu kriegen. Auch ein orientalischer Bazar ist aber nichts anderes als eine Shopping Mall. Nennen wir es doch einfach anders. Ladenzentrum. Schön deutsch. Ja, das Bikini-Haus ist ein Ladenzentrum das mir gefällt weil es anders ist als die 08-15-Shopping Malls. Das kann dir gefallen ohne dass du deswegen in der FDP bist. Zum Glück ist das so. Und, leider, die Klamotten gefallen mir eben weniger gut. Also habe ich…keine gekauft. Hätte ich aber gern. Ja. Warum nicht? Ist das schlimm? Have a nice day!

  4. Johannes schreibt:

    Berliner Stil ist eben, dass Du alles tragen kannst. In anderen Grossstädten gibt es immer eine Art konservativen Stil, so eben auch in Milano und Paris. Wenn Du da so frei rumläufst, wie in Berlin, etwa mit hippen Trainingshosen, zerrissenen Strumpfhosen und Schlumpfpullover o.a. wirst Du schräg angeschaut. Dann doch weit lieber die Berliner Restfreiheit, als die internationalen Konventionen.

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