Ein Herz für Piloten

Ach was sind das doch für Gierhälse, diese Lufthansa-Piloten. Mindestens 70 000 und bis zu 260 000 Euro im Jahr kassieren sie angeblich Gehalt, und dürfen schon ab 55 in den Ruhestand. Und dann streiken die noch und wollen 10% mehr.

Da empören sie sich, die deutschen Medien, da haben sie wieder ein Aufregerthema gefunden.

Zugegeben: neidisch kann man da schon werden.

Und sauer auch.

Aber es war wenigstens nett, es rechtzeitig vorher anzukündigen dass sie streiken. Ich hänge jetzt nicht gestrandet in irgendeinem Flughafen rum, nein. Die angeblich so wichtige Konferenz war dann plötzlich doch nicht so wichtig. Dann eben nicht. Freut mich. Ich hatte sowieso keine Lust darauf. Zugegeben, das erhöht das Verständnis für den Pilotenstreik ganz erheblich.

Überhaupt: so ein netter kleiner Pilotenstreik trägt zur vieldiskutierten Entschleunigung bei. Die reden nicht nur, die machen es auch. Schön.

Ja, ich finde es inzwischen gut dass die Lufthansa-Piloten streiken. Die scheinheiligen Medien sollten sich lieber darüber aufregen, das die schlechter bezahlten easyjet und Ryanair und AirBerlin und Air France und so weiter Piloten nicht auch endlich streiken. Tut es endlich. Kämpft für eure Rechte. Setzt einen Mindestlohn für Piloten durch.

Denn euren Job möchte ich nicht. Er wäre mir zu anstrengend, und die Last der Verantwortung wäre mir auch zu schwer. Für den Job ist die Bezahlung okay.

Worüber ich mich echt aufrege, sind ganz andere Gehaltsskandale. Warum jemand wie Bahnchef Grube 5 Millionen im Jahr bekommt, ist mir schleierhaft. Warum ein armes Land wie Berlin allen Chefs seiner landeseigenen Betriebe bis hin zur Müllabfuhr mehr bezahlt als dem angeblichen Chef von allen, dem Regierenden Bürgermeister. Der natürlich auch nichts leistet und dafür noch viel zu gut und nicht etwa zu schlecht bezahlt wird.

Es gab mal einen Kanzlerkandidaten Steinbrück, der sich darüber echauffierte, dass jeder nordrhein-westfälische Sparkassendirektor mehr Gehalt kassiert (nicht verdient) als die Kanzlerin. So etwas gehört thematisiert, jeden Tag, auch ohne dass die Sparkassendirektoren für mehr Gehalt streiken. Die holen sich das auch ohne Streik. Still, leise, heimlich. Das ist die Schweinerei.

Vor zwei Wochen veröffentlichte das Handelsblatt die Gehaltstabellen der Dax-Chefs. Alles Männer, 100%. VW­-Chef Winterkorn kassiert 15 Millionen im Jahr. Mehr als eine Million im Monat. Geradezu bescheiden der Allianz-Chef, der Finanzjongleur schiebt sich nur 6 Millionen im Jahr rüber, immerhin eine halbe Million im Monat. Daimler-Chef Zetsche holt sich 8 Millionen im Monat ab, genauso wie die beiden Deutsche-Bank-Chefs.

Das sind die sichtbarsten Fälle. Aber der Skandal liegt in der Fläche. Es gibt jede Menge Leute in diesem Land, die ganz ohne Streik sich weitaus mehr Geld im Jahr zuschanzen als die Lufthansa-Piloten. Die Ärztefunktionäre, die Spezialärzte, die Wirtschaftsanwälte, die Fußballspieler und Sportfunktionäre, die Quasselstrippen à la Günter Jauch und so weiter. Die gehören umfassend wieder zur Kasse gebeten. Kein Wort davon in den Medien. Die Reichen sind tabu. Aber auf streikende Piloten zu schimpfen, das ist billig.

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Meine Liebste, wir müssen wohl selber fliegen…

Über sunflower22a

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2 Antworten zu Ein Herz für Piloten

  1. Shhhhh schreibt:

    Ich fände es schöner, wenn sich so ein Streik tatsächlich nur für den Arbeitgeber „auszahlte“. Was wäre denn, wenn alle Maschinen pünktlich fliegen aber der Flug den Passagier nichts kostet? Das wäre schmerzhaft, denn es verursacht die Kosten ohne den Gewinn. So steht alles nur still und man einigt sich irgendwie auf einen Betrag und der Verbraucher hat etwas zu meckern.

  2. rano64 schreibt:

    Recht hast du! Komischerweise sollen Arbeitnehmer, die für ihre Belange kämpfen, immer für das „große Ganze“ (was immer das sein soll) zurückstecken und verzichten, wenn sie denn ausnahmsweise mal am längeren Hebel sitzen. Wenn Großkonzerne ganze Staaten erpressen, ist das natürlich was gaaaanz anderes.

    Und selbstverständlich kosten die bösen, bösen Streiks und das Bestehen auf Vetragstreue immer die ach so kostbaren Arbeitsplätze, die von den Unternehmen so großherzig und uneigennützig bereitgestellt werden. Ich könnte kotzen, wenn ich diesen Mist überall lesen und hören muß.

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