Weiblichkeit

Weiblichkeit. Welch ein Wort. Zwar sollte man in Sprachen nicht allzuviel reininterpretieren – diese ganzen Gendertheorien der Sprache sind oft derart überdreht, dass mir bei sowas schnell der Hut hochgeht. Aber dennoch. Das Weib. Die Germanen sind noch nicht einmal in der Lage, in ihrer überkomplizierten Sprache einer Frau das richtige grammatikalische Geschlecht zuzuordnen. Eine Blume ist weiblich, eine Katze auch (selbst wenn sie ein Mann ist), aber das Weib ist ein Neutrum.

Nun gut, die Angelsachsen sind nicht viel besser. Sie sparen  sich zwar das alberne der-die-das, und so ist es dann „the woman“, aber was ist woman – nur ein von „the man“ abgeleiteter Begriff. Abgedreht. Feministische Versuche, daraus „womon“ und ähnliches zu machen, haben sich nie durchgesetzt. Warum nicht „the lady“? weil Traditions-Feministinnen keine ladies sein wollen. Selber schuld. Ich bin gerne eine Lady.

Wieviel schöner aber ist das italienische „la donna“. Es gibt kaum einen schöneren Begriff für die Frau, finde ich, vor allem wenn es perfekt und akzentfrei ausgesprochen wird.

Aber ich schweife ab. Ich wollte über die Wahrnehmung von „Weiblichkeit“ und Männlichkeit schreiben. Wir können es auch Femininität und Maskulinität nennen. Microsoft  Word meldet sofort: Rechtschreibfehler, Femininität gibt es nicht, Maskulinität dagegen ist in Ordnung.

Ist es nicht paradox: Männlichkeit wird assoziiert mit Stärke, Kraft und Macht – und doch hat Männlichkeit vor nichts mehr Angst als vor der mit Schwäche assoziierten Weiblichkeit. Männer wollen nicht als „weibisch“ gelten, sie werden sofort von ihresgleichen nicht mehr für voll genommen. Wer sich benimmt wie eine Frau, hat alle Stärke verloren.

Da muss sofort die “Manmergency” kommen .

Stereotypen, die die Werbung nur allzugerne bedient.  Natürlich brauchen Männer auch nur wenige Kosmetika, und auf keinen Fall dieselben wie die Frauen

Viele Männer lassen sich solche gesellschaftlichen Stereotypen immer noch widerspruchslos bieten und reproduzieren sie selbst.

Welch ein Kontrast dazu die Bemühungen vieler Frauen, sich nicht länger vorschreiben zu lassen,  als „männlich“ geltende Eigenschaften möglichst nicht auszuprägen. Die Ban Bossy-Kampagne bringt es auf den Punkt:

„When a little boy asserts himself, he’s called a “leader.” Yet when a little girl does the same, she risks being branded “bossy.” Words like bossy send a message: don’t raise your hand or speak up. By middle school, girls are less interested in leading than boys—a trend that continues into adulthood. Together we can encourage girls to lead.“

Ihre „leadership tips for girls“ sind eigentlich banal: entschuldige dich nicht dafür dass du dich zu Wort meldest, nimm Herausforderungen an statt ihnen aus dem Weg zu gehen, übernimm nicht stillschweigend die Arbeit anderer die ihren Job nicht tun, und so weiter.

Die Kunst besteht darin, nicht einfach zu versuchen die Männer zu kopieren, was leider viele versuchen. Das kommt nicht gut an. Frauen müssen ihren eigenen Führungsstil finden. Weibliche Vorgesetzte kommen in männerdominierten Berufen schlechter beim Personal an wenn sie sich wie Männer zu benehmen versuchen  – wenn sie sich allzu weiblich geben, werden sie aber auch nicht für voll genommen. Das fängt schon bei der Kleidung an – diese ganzen langweiligen Businessklamotten gelten als Zeichen für Seriosität statt als Zeichen für Langeweile. Führungskraft im Minirock? Ein Verstoß gegen alle Dresscodes, schlimmer als ein Mann ohne Krawatte. Welche Dummheit.

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Für Frauen ist es in einem solchen Umfeld viel schwieriger, Erfolg zu haben als für Männer. Überall vermintes Gelände, überall lauern Fehler. Wenn dich dein Instinkt im Stich lässt, bist du verloren. Umgekehrt gilt das nicht unbedingt, wenn Männer in einem eher weiblich dominierten Umfeld die Chefs sind, kämen sie nie auf die Idee sich wie weibliche Vorgesetzte benehmen zu wollen.

Immer wieder finden Soziologen daher, dass die meisten Menschen an männlichen Führungskräften weniger auszusetzen haben als an weiblichen. Leider sind für karrierebewusste Frauen oft andere Frauen die größten Hindernisse – dabei wären sie darauf angewiesen, sich gegenseitig zu unterstützen. Sonst verändern sich die Frauenanteile in den Führungsetagen der Gesellschaft weiterhin nur im Schneckentempo.

Warum halten sich Geschlechterstereotypen so hartnäckig? Sind nicht diejenigen Menschen am interessantesten, die ihnen nicht entsprechen? The sexiest man alive ist sexy weil er Wert auf gutes Aussehen und einen gepflegten Körper legt, weil er sich mit dir über viele „typisch weibliche“ Themen unterhalten kann, weil er eben nicht „dominant“ sein muss. The sexiest woman alive, zumindest für mich, ist eben keine Pamela-Anderson-Tussie sondern eine starke intelligente Persönlichkeit, die natürlich auch gut aussieht, die man dominant sein kann und sich auch mal führen lässt. Die richtige Mischung ist es, die den Sex-Appeal ausmacht. Alle bewundern the sexiest people alive. Aber wer wagt es schon, ihnen nachzueifern und mit dieser richtigen Mischung herumzuexperimentieren. Davor haben fast alle Angst, die Männer noch viel mehr als die Frauen. Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen den Mut haben, diese „richtige Mischung“ für sich auszuprobieren und herauszufinden. Das Leben würde viel schöner, viel interessanter, viel erotischer.

 

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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3 Antworten zu Weiblichkeit

  1. kalypso schreibt:

    also ich bin wohl eher eine „trintiy“ – matrix lässt grüßen!

    schönes wochenende und herzlichen gruß

  2. kalypso schreibt:

    und der fehlerteufel ist mein bester freund……und nach 1 weißbier und 1 rotwein …….
    höhö…..es ist natürlich „trinity“.

    prost!

  3. kalypso schreibt:

    und ganz viel „kalypso“ ……fluch der karibik!

    und jetzt huschel ich mich ins bett……..wo mein sohn schon liegt……..jaja….auch das ist weiblichkeit…..mütterlichkeit…….kümmern, nähren…..da sein und einfach mal nix tun…..
    loslassen………..zuhören………….und genießen!

    ein geschenk!

    ab und an………..er ist mal süße dreizehn…………..liegt er doch noch bei mama im bett….
    und freue mich, wenn er mir erzählt, dass er morgen mit seiner freundin, in die er verliebt ist, ein date hat…………ach…..

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