Making Waves

Islam. Rückständig, gewalttätig  und frauenfeindlich. So ist es, glauben die aufgeklärten Westler, und bestärken so nur ihren Überlegenheitsanspruch, ihren kulturellen Universalitätsanspruch. Sie sollten diesen Film sehen. Sie sollten ihn genauso sehen wie die konservativen Muslime, die ihrerseits glauben, sie hätten ein Monopol auf den Koran, und Männer seien Frauen überlegen.

„Making Waves: Expressions of Gender Equality in the Sacred Texts and Islamic Tradition“ ist ein Film über Feminismus und Islam, über muslimische Aktivistinnen für die Rechte der Frauen. Sisters in Islam, eine couragierte Organisation in Malaysia, wird hier porträtiert, oder die Gruppe Muswah. Von einer marginalen, am Rande der Subversion agierenden Gruppierung zu einer respektierten Autorität über Fragen zu Frauen im Islam – das ist der Weg von Sisters in Islam. Ebenso wie Musawah sind es tief religiöse Frauen, die im Gegensatz zu vielen anderen den Koran wirklich lesen, und zwar wie sie sagen mit offenen Augen, ohne Vorurteile. Sie sehen darin ein Buch der Barmherzigkeit, der Toleranz, der Solidarität, der Gleichberechtigung, der Menschenwürde, der Befreiung. Sie sind überzeugt, der Islam beruht auf dem Koran, aber die Scharia und all die anderen reaktionären Praktiken beruhen nicht auf dem Koran, sie seien eine uralte kulturelle Tradition, die mit dem Islam gerechtfertigt werden aber nicht aus dem Islam abgeleitet werden können.

Diese Aktivistinnen kommen zu Wort, aber auch männliche islamische Theologen. Der Film zeigt der couragierten Kampf des Gambia Committee on Traditional Practices (Gamcotrap) gegen Genitalverstümmelung – zusammen mit islamischen Theologen, nicht gegen sie.

Ich muss sagen, ich bin kein religiöser Mensch. Aber die Verteufelung des Islam hilft nicht weiter. Man kann den Koran in alle möglichen Richtungen interpretieren, das ist ja das Grundproblem solcher heiliger Schriften. Aber warum soll man diese Interpretation nur den Reaktionären und Patriarchen überlassen? Reclaim Islam, fight against patriarchal interpretations of religious texts – ich finde das beeindruckend. Diese Frauen verändern ihre Gesellschaften, sie verändern ihre Kultur mit der Religion und nicht gegen sie. Bewundernswert. Mehr über den Film hier und hier.

Diese Frauen brauchen ganze viele Nachahmerinnen – Frauen wie das Women Living Under Muslim Laws Solidarity Network.  Ihre neuesten News: In Saudi-Arabien hat eine Fraueninitiative jetzt gefordert, das System der totalen Kontrolle von Frauen durch ihre männlichen verwandten zu beenden. „Laws in the kingdom enforcing such restrictions on women “are not based on religious” teachings”, sagt die Initiatorin Aziza Yousef. Im benachbarten Golfemirat  Bahrain empfiehlt das Oberste Gericht, Vergewaltigung in der Ehe müssen ebenso straffrei sein wie eine „vernünftige körperliche Disziplinierung“ von Ehefrauen und Töchtern. Was rebellischen Frauen in Bahrain blühen kann, habe ich hier geschrieben. Zainab al-Khawaja, die mutige Menschenrechtskämpferin aus Bahrain, wurde zwar am 16.Februar freigelassen, hat aber noch einen ganzen Berg weiterer Anklagen vor sich – wie lange sie in „Freiheit“ bleiben kann ,ist völlig offen. Am Internationalen Frauentag gab es in Baghdad eine Frauendemonstration gegen geplante Gesetze, nach denen Mädchen schon mit 9 Jahren zwangsverheiratet werden können. Auch das wird mit der Sharia begründet, natürlich, womit denn sonst.

Wir brauchen noch viel mehr Wellen, um diese patriarchalen, reaktionären Traditionen zu überwinden.

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Making Waves

  1. Pingback: Verzerrte Wahrnehmungen | Punkgebete

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