Männer rasieren sich – aber wo?

Professor Lisa Wade ist eine feministische Soziologin, die wie keine andere versteht, knochentrockene  wissenschaftliche Themen einem Alltagspublikum interessant zu vermitteln. Eines ihrer immer wiederkehrenden Themen ist die Kapitalismuskritik und der Einfluss des Profitdenkens auf Geschlechterrollen und Geschlechteridentitäten.

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Absolut lesenswert einer ihrer neuesten Beiträge über…Rasierklingen. Gillette, eine Tochterfirma von Procter & Gamble, hat offenbar ein Absatzproblem, weil Bärte bei Männern wieder populärer werden, oder sie sich zumindest seltener rasieren. Bärte sind Hip. Jetzt fangen Männer mit schwachem Bartwuchs schon an, sich transplantationsmedizinische Hilfe zu holen – Lisa fragt „Are Hipsters to blame for a rise in facial hair transplants?“. Offenbar. Hipster setzen die Trends, und deswegen sind sie an den Trends auch schuld.

Für Gillette ist das aber ganz klar ein Problem. Da kommt Gillette eben auf die Idee, dann sollten sich Männer eben woanders als im Gesicht öfter rasieren, also zum Beispiel auf der Brust oder natürlich die Schamhaare.

Wie bringt man Männer dazu? Der Trend ist ja schon da. Aber es sollte natürlich aus Sicht von Gillette nicht dazu kommen, dass der vor einigen Jahren zeitweise einsetzende Trend zum „brasilianischen Wachsen“ bei Männern wiederbelebt wird. Sollte nicht schwerfallen. Waxing machen die Männer nämlich gar nicht gern. Das tut ja richtig weh. Rasieren nicht. Aber dennoch, wie bringt man sie dazu, Körperteile zu rasieren die sie bisher nicht rasiert haben?

Na klar. Für schöne Frauen machen viele Männer sogar das, zumal sie selber Frauen meist auch lieber ohne störende Haare mögen. So denkt sich das auch Gillette. Und deshalb lässt Gillette schöne Ladies in Werbespots genau diese Botschaft an den Mann bringen.

Kate Upton beantwortet die Frage wie wichtig es für sie ist, dass ein Mann sich „da unten“ rasiert, erwartungsgemäß mit „sehr wichtig!“

Fehlt nur noch die Aussage, ein Mann der nicht Gillette-Klingen nimmt, kommt auch nicht in Frage.

Lisa Wade findet das gar nicht gut. This is the sexual objectification of male bodies.  The use of threats like “you’ll be disgusting to women if you don’t do what we say” is a form of social control.   One point for capitalism over its long-enduring opponent in the male hygiene and grooming market: gender ideology.”

Ja, Lisa, du hast recht. Ehrlich gesagt, ohne diese Haare finde ich Männer und natürlich auch Frauen trotzdem einfach schöner. Ohne dass ich dafür soziale Kontrolle brauche. Aber mann könnte Gillette trotzdem eins auswischen – wachsen statt rasieren.😉

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Oh je…Hilfe!

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Schöööön!

Über sunflower22a

I am a mystery.
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3 Antworten zu Männer rasieren sich – aber wo?

  1. Martin schreibt:

    Hallo Isabel,
    als jemand, der seit langen Jahren unter der Nase glatt trägt, empfehle ich allen Geschlechtsgenossen, es so zu machem wie ich. Hab mit vor ca. drei Jahren eine Blitzlampe (IPL 2) zugelegt. Ab und an muss ich noch einzelne Haare „jagen“, sonst aber schön glatt. Am Kinn funktioniert es gar nicht und am Glockenspiel auch nicht richtig gut, da hilft nur Rasur. Mehrkosten entstehen dadurch praktisch keine. Verwende eine fünffachklinge zwei Wochen fürs Kinn, also am Waschbecken und danach zwei Wochen in der Dusche. Eine Form der sozialen Kontrolle ist dies nicht, ganz im Gegenteil. Im Sommer darf ich mir gerne mal – vor allem von Frauen – einen dummen Spruch anhören. Und mit Kapitalismus hat es auch nichts zu tun, denn schon im alten Ägypten rasierten sich beide Geschlechter. In weiten Teilen Afrikas und Asiens ist dies auch heute noch üblich. Achte doch bitte mal drauf, wenn Du Fernsehberichte siehst. Es hat nur Vorteile: bin schneller geduscht, abgetrocknet, die Lotion zieht schneller ein und bleibe länger frisch. Und Hygiene verändert auch nichts an der Geschlechtsidentität, was ich Probandinnen, die das nicht glauben, gerne beweise, so sie denn schön glatt sind. Sicher bleibt richtig, dass der Körper Zielscheibe gesellschaftlicher Verhältnisse ist. Doch kann ich nicht einsehen, warum ausgerechnet hier mit Kritik angesetzt werden soll. Ein bischen Körperstress kann Männern hier gar nicht schaden.

  2. Düsselbarsch schreibt:

    …. wer ’s mag.

  3. Pingback: Gesichtshaare | sunflower22a

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