Frauen, es ist noch ein weiter Weg zur Freiheit

8. März ist der Kampftag der Frauenbewegung. Ob es die überhaupt noch gibt, und wenn ja, wofür sie eigentlich kämpft, das ist eine andere Frage. Zumindest eine ganze Reihe der Ursachen.

Zum Beispiel Gewalt. All diejenigen, die gerne glauben, gleiche Rechte für Frauen sei doch längst Realität, all das Gejammer über Benachteiligung sei Schnee von gestern wurden durch den jetzt vorgelegten Bericht der europäischen Agentur für Grundrechte mal wieder eines Besseren belehrt. Gewalt gegen Frauen, eine EU-weite Erhebung. 198 Seiten  harte Fakten. Jede dritte war schon körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Jede fünfte hat körperliche oder sexuelle Gewalt von ihrem Partner erlebt. Drei von vier wurden am Arbeitsplatz schon sexuelle belästigt. Jede fünfte wird gestalkt, vier von fünf Stalkings werden nicht bekannt. Zwei Drittel aller Gewalttaten innerhalb einer Partnerschaft werden nicht angezeigt. 70 bis 80 Prozent der Täter kommen aus dem sozialen Umfeld: aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis.

Und so weiter, es kann dir schlecht werden wenn du sowas liest. Es treiben sich offenbar immer eine Menge Bestien unter der Männerwelt des 21.Jahrhunderts herum, nicht nur in Talibanistan, auch im erleuchteten Europa. Am übelsten sieht es ausgerechnet bei den Skandinaviern und im Baltikum aus, bei diesen selbsternannten Ober-Gutmenschen. Am besten schneiden erstaunlicherweise Polen und Portugal ab. Keine Ahnung warum. Vielleicht ist dort die Dunkelziffer am höchsten. Vielleicht auch, weil die am wenigsten so tun als wären sie die besseren, moralischeren Menschen. Wahrscheinlich sind die Dunkelziffern aber überall sehr hoch.

Auch andere Klischees stimmen offenbar nicht. Sabine Böhm vom Nürnberger Frauennotruf erklärt das Klischee für falsch, das sei vor allem ein Problem sozialer Unterschichten. In ihrer Praxis stelle sie fest, in Akademikerhaushalten, in denen beide Partner einen akademischen Abschluss haben, sei das Risiko häuslicher Gewalt sehr viel höher ist als in jeder anderen Gruppe.

Mir ist das auch schon passiert. Nur weil ich ihm fast die Halsschlagader durchgebissen hätte, endete der Vergewaltigungsversuch  anders als er sich das dachte. Aber ich gehöre nicht zu denen, die über sowas die Klappe halten, aus „Scham“ oder was auch immer. Es ging damals sowieso nicht, dazu waren die Spuren der Auseinandersetzung zu sichtbar. Fast noch mehr ergrimmt haben mich aber die dummen Sprüche wie „wenn du rumläufst wie eine Nutte, brauchst du dich nicht zu wundern wenn man dich für eine Nutte hält“.

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Leider kommen solche dummen Sprüche wesentlich öfter von Frauen als von Männern. Es kann dann schon mal zu erneuter Gewalt an Frauen kommen, diesmal von mir, und zwar in Gestalt einer Ohrfeige.

Für mich heißt Frauenbewegung, Feminismus – kämpfen nicht nur für 100% gleiche Rechte sondern kämpfen für mehr Freiheiten – auch für das Recht, nicht nur wie eine „Nutte“ herumzulaufen, sondern auch eine zu sein – und zwar ohne deswegen diskriminiert oder sozial ausgegrenzt zu werden. Für das Recht, sich zu verschleiern, ohne deshalb ausgegrenzt zu werden. Für das Recht Sex  zu haben mit wem du willst und wie oft du willst. Für das Recht auf Karriere, Macht und Geld. Ohne deswegen auf Kinder und Beziehung verzichten zu müssen. Für ein Leben ohne Angst vor Gewalt.

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Zufällig bin ich auf einen Blog von  Rosalarian gestoßen, die das ganz wunderbar illustriert hat. „Does your brand of feminism remove barriers for women, or simply move them around? Does is expand options for women, or does it just shift them? You don’t liberate women by forcing them to choose option B instead of option A. What is comfortable for you might not be comfortable for someone else, and it’s entirely possible that what you see as oppressive, other women find comfortable or even downright liberating.”

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Wunderbar illustriert. Darum geht es – Frauen das Recht auf Vielfalt, auf ihren eigenen Weg. Ein Recht auf auf 50 and more ways of life, 50 and more shades of sexy, 50 shades of dress, 50 and more shades of spiritualism – and even to 50 and more ways of their own personal puritanism. Sie haben das Recht, von der Gesellschaft (und das sind zu 50% wir selbst!!) zu verlangen, diese Unterschiede nicht nur auszuhalten, sondern sich sogar noch darüber zu freuen dass es so viele Möglichkeiten gibt. Genau das scheint vielen so unendlich schwer zu fallen. Globalisierung, Multi-Kulti, Leistungsdruck, die sich ständig ändernde Welt, alles das macht Angst, stellt viele Gewissheiten  tagtäglich in Frage. Viele reagieren darauf indem sie sich an diesen überholten Gewissheiten, an einer vermeintlichen „Normalität“ um so krampfhafter festklammern und so zu moralisierenden Spießbürgern werden. Sie versuchen ihren Frust dadurch kompensieren indem sie andere in ein Korsett aus Normen und Vorschriften pressen wollen. Lasst es endlich sein. Kämpfen wir gegen gewalttätige Männer, gegen Frauen die uns ihre Normen vorschreiben wollen,  für die Vielfalt, für die Freiheit. Dafür steht der 8.März.

we can

Über sunflower22a

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8 Antworten zu Frauen, es ist noch ein weiter Weg zur Freiheit

  1. anonym schreibt:

    lol, lies mal die studie richtig, schau dir die fragen an

  2. sunflower22a schreibt:

    ja, meine Herren, wir bilden uns das alles nur ein. Wir sind kollektive Hypochonderinnen. Die Lebenswirklichkeit sieht leider doch anders aus, aber als Mann kann man sie leichter verdrängen.

    • Tim schreibt:

      Bei derart weit und schwammig gefasster Definition von „Gewalt“ sähe diese Studie genauso aus wenn die Forscherinnen auch Männer befragt hätten – haben sie wohlweißlich nicht, da die Ergebnisse dem feministischen Mainstream zuwiderlaufen würden und das nicht auf die Agenda passt. Stalking, Psychoterror, Gewalt in der Partnerschaft – alles Erfahrungen die auch Männer machen. Anders als weibliche Opfer haben diese Männer nahezu keine Anlaufstellen um sich Hilfe zu holen, ihre Gewalterfahrung wird von staatlicher Seiten und dem familiären Umfeld lächerlich gemacht und in Abrede gestellt.

      Was soll eigentlich Deiner Meinung nach ein Mann machen der von seiner Partnerin geschlagen wird? Schlägt er zurück kommt die Polizei und er wird aus der Wohnung entfernt (selbst wenn sie ihm gehört), irgendeine Beweisführung ist unnötig – ihr Wort genügt, das Gewaltschutzgesetz macht’s möglich. Will er sich Hilfe suchen, wird er als Schlappschwanz und Weichei lächerlich gemacht.

      Dass Männer zudem die primären Opfer von Kapitalverbrechen wie Mord, Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge, schwerer Körperverletzung usw. sind lässt sich ohnehin in jeder Kriminalstatistik nachlesen.

      Tatsächlich erweisen solche „Studien“, wo jeder Knuff unter 15 jährigen Schülern (!) und jeder verbale Streit zur sexuellen Gewalterfahrung hochgejazzt wird, jenen Menschen einen Bärendienst die knallharter und latenter körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt sind. So wie auch der Begriff der Vergewaltigung trivialisiert wird, wenn ein 18 Jähriger nach dem Sex mit seiner 17 jährigen Freundin als Vergewaltiger im Knast landet (wo er dann Erfahrung mit echter Vergewaltigung machen darf), so wie es in diversen US-Bundesstaaten der Fall ist mit ihren schwachsinnigen, puritanischen statuatory „rape“ laws.

      Die Realität ist wesentlich komplexer als der feministische Mainstream in unseren Massenmedien es Dich und andere Frauen glauben macht. Bei anderen Themen wie z.B. Russland hast Du diese Simplifizierungsmaschinerie ja schon erkannt. „Die Russen sind an allem Schuld, immer“, so lautet der Blogbeitrag von Dir. Ebenso wie die Männer an allem Schuld sind, immer.

      Or so it seems.

      • sunflower22a schreibt:

        Lieber Tim,
        danke für deinen Kommentar. Gestatte eine ausführliche Antwort. Ich finde das unredlich wie du argumentierst. Du sagst, erstens sind die Zahlen unglaubwürdig wegen verzerrter Definitionen, und zweitens sind Männer ohnehin mindestens genauso schlimm dran, und drittens falle ich auf die Medien rein die suggerieren „die Männer sind an allem schuld“.
        Tut mir leid, das nehme ich dir nicht ab.
        Man kann natürlich lange über Definitionen von Gewalt und Vergewaltigung reden. Der Hinweis auf durchgeknallte US-Gesetze bringt nichts, dort ist vieles durchgeknallt und die Studie untersucht Europa und nicht US-Bundesstaaten. Stalking, Psychoterror, Gewalt in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz und anderswo zu quantifizieren ist nicht einfach. Sollen wir es deshalb sein lassen? Wohl kaum. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Dunkelziffern hoch sind und dass andererseits immer mehr Frauen ihre Hemmungen überwinden, über solche Erfahrungen zu sprechen. Du kannst es drehen und wenden wie du willst, Gewalt gegen Frauen ist ein weitverbreitetes Phänomen, und es geht in allererster Linie von Männern aus. Und darüber muss man sprechen.
        Nun verweist du darauf, es gibt auch Gewalt gegen Männer. Klar. Leider auch überwiegend von Männern ausgehend, und das sagst du nicht. Aber, es gibt nichts zu beschönigen, auch Frauen üben Gewalt gegen Männer aus, wie subtil oder offen auch immer. Das relativiert aber die Gewalt von Männern ausgehende Gewalt nicht im geringsten. Du hast recht, über Gewalt von Frauen gegen Männer oder auch gegen andere Frauen wird weitaus weniger geredet, und untersucht wird sie auch kaum. Stimmt. Du hast recht mit der Forderung, das zu ändern. Ich stimme dir zu. Aber um das zu fordern, muss man die Gewalt gegen Frauen in keiner Weise relativieren. Warum forderst du die überwältigende Männer-Mehrheit des Europaparlaments nicht auf, so eine Studie in Auftrag zu geben? Komisch, dass ich die Klagen über Gewalt von Frauen gegen Männer immer nur im Kontext höre, Gewalt von Männern gegen Frauen zu relativieren. Ich finde, hier gibt es ein Glaubwürdigkeitsproblem. Es wäre weitaus nachvollziehbarer, die Veröffentlichung offizieller Studien über Gewalt gegen Frauen zu begrüßen und gleichzeitig zum Anlass zu nehmen, nun auch die Gewalt gegen Männer zu untersuchen.
        Dasselbe gilt für die Klage „Anders als weibliche Opfer haben diese Männer nahezu keine Anlaufstellen um sich Hilfe zu holen, ihre Gewalterfahrung wird von staatlicher Seiten und dem familiären Umfeld lächerlich gemacht und in Abrede gestellt.“ Kann man das nicht ändern? Kann man solche Anlaufstellen nicht einrichten? Kann man das nicht fordern, ohne gleichzeitig die Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen?
        Nein, „Männer sind nicht an allem schuld. Immer“ – habe ich das etwa behauptet? Danke, dass du meinen Blog so aufmerksam liest – aber es dürfte dir nicht entgangen sein, dass ich mindestens so oft Frauen kritisiere, die anderen Frauen ihre Normen aufzwingen wollen, wie ich Männer kritisiere. Diesen Vorwurf lasse ich nicht gelten, und du weißt dass das reine Polemik ist.

  3. kalypso schreibt:

    guten morgen liebe sunflower,

    weißt du was für mich freiheit bedeutet: selbstbestimmt und selbstbewusst zu leben.

    und: es gibt noch was anderes als äußerlichkeiten wie karriere, macht und geld.

    meine eigene innere macht – meinen selbstwert und die daraus entstehenden taten und handlungen.

    auch ich habe schon so manchen schlag abbekommen, sei es pysisch oder psychisch.
    gewalt liegt in der natur des menschen. und nicht nur von männern!!!
    wie sagte konfuzius schon: es geht nicht darum niemals hinzufallen, sonder immer wieder aufzustehen.

    wir werden im leben immer wieder auf menschen treffen, die uns unserer macht berauben wollen, uns manipulieren, ausnutzen oder anlügen.

    sich davor zu schützen und sich eben nicht auf einen teufelskreis des: wie du mir – so ich dir – einzulassen. kein ping-pong-spiel entstehen lassen. einfach stehen lassen und weitergehen………………
    oder am allerbesten: sich auf manche menschen gar nicht erst einzulassen!!

    viele frauen/männer wollen und können gar nicht alleine sein.
    wie oft höre ich: ach, ich brauch nen mann/frau!!
    und: lieber eine/n schlechten als gar keinen!

    es ist immer leicht, mit dem finger auf andere zu zeigen – die anderen neun zeigen zeigen trotzdem auf uns selbst!

    und ja, es ist nicht leicht eigenverantwortung zu übernehmen. dazu gehört auch, zu hinterfragen, was hat das mit mir zu tun?! es gibt immer zwei seiten der medaille!

  4. anonym schreibt:

    hi sun,

    natürlich hast du recht wenn du sagst man darf gewalt gegen frauen nicht verharmlosen aber und das wird jetzt böse, sag wann hast du das erste und letzte mal gewalt erfahren?
    wie oft wurdest du dumm angemacht und von wem mann oder frau vielleicht verstehst du jetzt was wir meinen. wie gesagt es geht nicht um verharmlosen es geht darum das gewalt gegen männer keine lobbi hat.

    wustest du das es einen männerbericht der bundesregierung gibt, der nie veröffendlicht wurde, das ist halt nicht gewollt

  5. Anonymer-User schreibt:

    War klar, dass wieder die chauvinistischen Maskulinisten ihren Senf dazugeben müssen, „unterdrückter Männerbericht“ und „Gewalt gegen Männer“, dass ich nicht lache. Wo werden denn bitte Männer unterdrückt und vergewaltigt? Und Frauen die ihre Männer oder Freunde schlagen, stellen eine absolute Minderheit dar.
    Und wo werden Männer von Frauen ausgebeutet? Von Männerbordellen und männlichen Zwangsprostituirten mit weibliche Zuhältern habe ich auch noch nichts gehört.
    Wir leben eben leider in einem Patriarchat (ich hätte lieber ein matriarchat, weil ich der Meinung bin, dass Frauen die besseren Menschen sind, schon alleine wegen deren höherer EQ) und ein Mann kann sich schon physisch gegen eine Frau wehren, also ist das absoluter Blödsinn, einfach lächerlich und unseriös wie hier versucht wird das Thema Frauendiskriiierung, Sexismus und Ungleichbehandlung zu verhamrlosen oder zu relativieren. Noch was: Ich bin ein Mann und Gentleman und mich widern diese Chauvinisten, Machos und Maskulinisten an. Schlimm genug, dass Frauen für die gleiche Arbeit in gleicher Position durchschnittlich immer noich weniger verdienen als Männer.
    Außerdem: Männer sind im Durchschnitt krimineller (Kriminalitätsstatisik ist eindeutig, gerade bei Gewaltverbrechen und v.a. Schwerverbrechen), aggressiver, arroganter, egoistischer untreuer und unreifer.

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