Männer im Schuhfieber

Eines der beliebtesten Klischees über Frauen und Männer ist, dass Frauen süchtig nach ständig neuen Schuhen sind, tagelang Schuhe einkaufen können und sich ganze Schränke damit füllen können, während Männer darüber nur den Kopf schütteln können und mit einer Handvoll Schuhe auskommen.

 AGWDM-shoe-whore

Gut, ich bin nicht ganz frei von diesem Phänomen, auch wenn es bei mir nachgelassen hat. Kürzlich erhielt ich aber Einblick in eine Szene, die mich vollkommen verblüfft hat. Männliche Schuhe-Sammler, Schuh-Fetischisten – noch krasser: Männer, die mit teuren neuen Schuhen herumstolzieren um damit andere Männer zu beeindrucken. Ich hätte das für mit den genetischen Anlagen der Männerwelt für unvereinbar erklärt, hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen.

Was ich aber immer noch nicht verstehe, ist: warum ausgerechnet DIESE Schuhe?

Es geht nämlich um Turnschuhe. Natürlich heißen die in dieser Szene nicht mehr so. Sie werden auch nicht mehr zum Sport benutzt. Sie heißen jetzt Sneakers. Merkwürdigerweise will man mit den teilweise Hunderte von Euro teuren Schuhen nicht wirklich schön aussehen, sondern – cool. Ach so, natürlich, was denn sonst. Es gibt spezielle Läden dafür, eigene Zeitschriften, websites, blogs, Sammlermessen, unglaublich. Und natürlich, Bio-Fairtrade-Ausgaben, alles dabei.

Es gibt dann eigene Dresscodes in dieser Szene, welche Klamotten, welche Socken, welche Mützen zu welchen Schuhen, pardon Sneakers, passen und welche nicht. Und die Trends und Regeln ändern sich ständig, heute cool, morgen out. Selbst Bärte werden mit den Sneakers schon harmonisiert, nach welchen Regeln auch immer.

Bärte. Das zeigt schon, dass die Damenwelt in dieser Turnschuh-Szene  nicht so recht vertreten zu sein scheint, mein Gewährsmann sagt sogar: die Ladies gehörten irgendwie nicht in diese Sneakers-Szene, es müsse auch noch Dinge geben wo mann unter sich bleibt. Das sei heutzutage ja nicht mehr so einfach.

Klar. Kann ich verstehen. Ihr seid bei den High Heels ja auch nicht dabei. Ich finde das voll in Ordnung, dass ihr euch mit so einer Hingabe über Schuhe hermacht, die passenden Socken, überhaupt um euer Outfit. Wie lange habe ich mich über Männer gewundert, denen ihr Aussehen einfach nur egal ist, die keine Lust haben sich darüber Gedanken zu machen oder die einfach nur eine 08-15-Standardkleidung tragen, mit der sie nur eines wollen: nicht auffallen, in der Masse untergehen. Gratuliere!

Nur eines klappt nicht: ich kenne wenige Ladies, die sich von den Turnschuhen erotisch angezogen fühlen. Eigentlich gar keine. Vielleicht gibt es sie. Dennoch: umgekehrt schaffen wir das mit den High Heels dafür spielend leicht. Eine nackte Frau in High Heels bringt einen Mann um den Verstand, ein nackter Mann in Sneakers löst eher große Heiterkeit aus.

Ehrlich: Ich mag keine Turnschuhe. Auch keine Sneakers. Ich finde sie, nun ja, einfach nicht schön. Gut, für die nicht sehr zahlreichen Fälle wo ich mich zu sportlichen Aktivitäten aufraffe, habe ich auch ein Paar im Schrank. Wenn ich es brauche, muss ich es immer suchen. Aber das sind Funktionsschuhe, so wie Gummistiefel oder so ähnlich. Ich weiß nicht, ob Frauen in Turnschuhen gut aussehen können. Wahrscheinlich nur in androgyner Streetwear.

 NYFW-Street-Style-Best-58

Aber das macht nichts. Es ist ja eine männliche Subkultur. Männliche Schuh-Subkulturen finde ich aus Prinzip gut. Spannend wird es nur, wenn sich der Subkultur-Flair der Sneakers auflöst, weil der Trend um sich greift. Wenn das alles Mainstream wird. Wenn H&M der größte Sneakers-Shop wird. Was macht ihr dann? Mein Gewährsmann verzog auf diese Frage nur das Gesicht, als hätte ich ihn mit Zitronensaft eingesprüht.

Ich wünsche euch, dass ihr noch möglichst lange davon verschont bleibt. Dass die männliche Turnschuh-Subkultur möglichst lange als Subkultur erhalten bleibt, und der Mainstream lieber mit – excuse me – schöneren Schuhen herumläuft.

 IMG_3179

Sehr preiswertes Angebot, zum Schwachwerden – aber wer würde schon €479 für Turnschuhe ausgeben…

Über sunflower22a

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9 Antworten zu Männer im Schuhfieber

  1. Zu den Bärten ein kleiner Hinweis auf Bibi Boe’s Initiative „Bärte des Grauens“.

  2. Nordberliner schreibt:

    Da kenn ich noch eine Schuh-Subkultur: Feuerwehrleute. Rettungsdienstler. Vielleicht auch Polizisten, da hab ich aber keinen Einblick, also ist das nur Vermutung.

    Anders als bei den „Sneakers“ muss der Schuh tatsächlich wichtige Anforderungen erfüllen. Nach DIN EN Norm. S3. Stahlkappe, Säurefeste und strom-isolierende Sole, Umknickschutz, wasserabweisend und trotzdem sollte man nicht allzusehr schwitzen. Man muss damit Autofahren, laufen, vielleicht auch mal rennen können. Und ja, was hermachen sollten die Stiefel schon was.
    Die Baumarktschuhe reichen für ein paar Stiefel, die man auch im Sommer mehrere viele Stunden trägt, einfach nicht aus. Zu recht. Die Kosten gehen ebenfalls in den dreistelligen Bereich, aber dafür bekommt man auch was geboten.
    Bis Feuerwehrmann/frau (ich finds cool, dass es immer mehr davon gibt) den richtigen Schuh gefunden hat, kann schon etwas Zeit beim einkaufen vergehen.

    Turnschuhe fand ich schon immer unbequem. Es sollte schon festes Schuhwerk sein, muss ja nich der DIN EN-Sicherheitsnorn entsprechen. Im Dienst schon.

  3. kiezneurotiker schreibt:

    Pfeif auf High Heels, es geht nichts über Frauen in Chucks.🙂

  4. kalypso schreibt:

    moin sunflower,

    wie gesagt, ich trage boots, docs und mein absoluter lieblingsschuh: der bergstiefel – so wie früher mit ösen – von meindl. genial.

    ich persönlich finde es unmännlich, wenn männer soviel gedöns um ihr aussehen machen.

    das erinnert mich wiederum am „zoolander“ (mit ben stiller und owen wilson – genial) wo es ja nur ums „was gibt es anderes als wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig gut auszusehen“.

    mein sohn ist jetzt 13 und er entdeckt das stylen……..herrlich…….er achtet auf seine frisur, und das neueste ist jetzt haargel. und wenn er so vorm spiegel steht und seine posen macht, dann lachen wir gemeinsam und sagen: was gibt es anderes als wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig gut aussehen.

    früher hatte ich haare bis zum arsch
    nach der geburt vom kind rappelkurz – vor 5 jahren eine glatze für 2 jahre – und jetzt ist es ein kurzhaarschnitt mit grauen, naturbedingten strähnen…..hehe.
    und: high heels habe ich NOCH NIE leiden können!!!!🙂
    find ich persönlich „puffig“.
    für mich zählt mittlweile der geist eines menschen und nicht sein aussehen.

    herzlichst
    kalypso

    • sunflower22a schreibt:

      hi kalypso, natürlich zählt der geist mehr als das aussehen, aber das ist doch eigentlich auch kein widerspruch, kein entweder-oder, finde ich.
      ein scharfer schuh wäre auch der hier: http://www.seaofshoes.com/files/2014/02/Junya1.jpg

      • kalypso schreibt:

        moin sunflower,

        jaaaaahhh……das kommt mir schon sehr entgegen!!! grins……

        nein, natürlich ist es kein widerspruch wenn beides harmoniert. meistens ist es aber nicht so………..

        und was die stöckelschuhe – so nannten wir das früher – angeht – ich mag einfach keine schuhe, wo der absatz so unendlich hoch ist. alles über 6cm muß frau meines erachtens auch nicht unbedingt anziehen. ist auch gar nicht gut für den rücken und die füße. und ich als alte ballettmaus kann es sowieso nicht tragen, weil meine füße kaputt sind. deswegen auch die treter à la bergschuh und so. alles hohe erzeugt einfach nur riesenschmerzen.
        und noch was optisches: die meisten frauen KÖNNEN überhaupt nicht in so hohen schuhen ästhetisch laufen – sie grätschen wie der storch im salat. ist das denn schön?

        und aus dem alter wo der spruch gilt: wer schön sein will, muß leiden – bin ich definitiv raus – und jetzt nicht weil ich nicht mehr schön bin…….hehehehe….

        einen schönen tag und herzlichen gruß!

  5. kalypso schreibt:

    …… ist halt „haute couture“…….obwohl so eine fast identische lederweste habe ich 20 jahren – die besteht noch aus meiner rockerzeit!! höhö…….
    es ist nicht so, daß ich niemals modisch war – eigentlich jedoch eher unorthodox – ich mag nix vorgeschriebenes. früher war ich ein ganz schön wilder feger………

    doch mit der geburt meines sohnes, der trennung kurz danach und seit jahren alleinerziehend mit sehr wenig geld, da wechseln doch die interessen gewaltig.

    was mit z.b. gut gefällt ist das schwarze lederkleid bei deinem neuesten artikel. die länge würde ich doch bitte – klassisch italienisch – zu meinem alter passend – bis zum knie tragen.

    und was meine person angeht – hat mal ein lieber freund – als ich frisch die glatze hatte – nur lächelnd gemeint: oh……eine kleine sinead!!!🙂

    herzlichst
    kalypso

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