Müssen Männer eigentlich immer Frauen beeindrucken?

Nein, müssen sie nicht. Wirklich nicht. Auch wenn manche es vielleicht glauben. Manchmal machen Männer auf Frauen dann einen besonders guten Eindruck, wenn sie sie nicht beeindrucken wollen.

Aber es gibt Wissenschaftler, die sind anderer Meinung. Robert Sapolsky sieht aus wie Karl Marx, wirklich ein sehr männliches Profil,  und schrieb unlängst im Wall Street Journal:

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Männer benehmen sich anders, wenn Frauen anwesend sind, ja sogar wenn sie nur an Frauen denken. Das sei das Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien. Die Zeitschrift „Evolutionary Psychology“ habe schon 2008 nachgewiesen, dass in Anwesenheit von Frauen Männer sich im Straßenverkehr unvorsichtiger bewegen und eher bei Rot über die Straße gehen.  Sapolsky ist sicher, damit würden sie ihren Mut unter Beweis stellen. Ähnliche Studien seien in zahlreichen anderen wissenschaftlichen Zeitschriften immer wieder erschienen: Männer – vor allem Single-Männer, und unter diesen wiederum die mit einer „unrestricted sociosexual  orientation“ – benehmen sich risikofreudiger wenn Frauen anwesend sind. Alle Studien hätten zudem ergeben, in Anwesenheit anderer Männer stelle sich dieser Effekt nicht ein. Er schlägt deshalb vor, Cheerleader bei Sportveranstaltungen wegzulassen.

Sapolsky führt auch an, andere Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass Männer in Anwesenheit von Frauen (aber nicht in Anwesenheit anderer Männer) großzügiger seien. Sie würden eher Geld ausgeben, eher wohltätige Spenden tätigen wenn attraktive Frauen anwesend sind: je attraktiver die Frau, desto mehr Geld wird ausgegeben. Man könne dies mit dem Titel der Studie am besten zusammenfassen: „Men Behaving Nicely: Public Goods as Peacock Tails.“

Sapolskys Fazit: „The allure of the opposite sex makes men more violent, but only, it seems, in circumstances where violence is rewarded with higher status. When status can be achieved in a more socially desirable way, things work differently. In short, with the right social arrangements, this ludicrous tendency of men can be harnessed not only to encourage a ferocious goal-line stand but to make the world a kinder place.”

Soweit der vollbärtige Chef-Feminist des, man höre und staune, Wall Street Journal.

Aber ist das alles wirklich so simpel? Ich meine, sind Männer wirklich so simpel? Amanda Marcotte ist da nicht ganz so sicher. Sie stellt die Faktenlage, auf der Studien basieren, gar nicht in Frage, stellt aber fest: die Studien weisen nur nach, dass Männer sich in Gegenwart von Frauen anders benehmen, aber nicht dass sie deswegen zu Angeberei neigen. Sie vermutet eher, dass Männer die sich so leicht von Frauen zu irgendeinen Verhalten verleiten lassen, generell risikofreudiger seien als die Gesamtpopulation. Andere Studien hätten nämlich festgestellt, dass sie auch durch andere Anreize zu so einem Verhalten gebracht werden können. Dasselbe gelte für Zeitdruck – vielleicht sei die Existenz einer Uhr auf dem American Football-Feld für aggressiveres Verhalten wichtiger als die Anwesenheit von Cheerleadern? Sie schlägt vor, die Psychologen sollten doch mal dieselben Studien machen und herausfinden, wie sehr Männer durch wunderschöne Katzen abgelenkt werden – sie wäre nicht überrascht, wenn dasselbe herauskommen würde.

Marcottes Fazit: “Sapolsky’s article shows what is one of the fatal flaws of evolutionary psychology, which is this tendency to read too much into the results because the researchers are so eager to reinforce their beliefs that men and women are practically different species and our behavior is „hard-wired“ and immoveable. Because of this, they tend to leap right to these elaborate theories of instinctual behaviors, when it may be something as simple as our inability to walk and chew gum at the same time.”

Nota bene: Der Autor des ersten Artikel s im WSJ ist ein Mann. Die Gegenrede stammt von einer Frau.

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Was hat er sich denn jetzt schon wieder einfallen lassen, um mich zu beeindrucken?

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu Müssen Männer eigentlich immer Frauen beeindrucken?

  1. Tim schreibt:

    Männer werden umso attraktiver für Frauen, je weniger sie versuchen Frauen zu beeindrucken. Das gilt insbesondere für schöne Frauen die es gewöhnt sind, dass Männer, oder besser gesagt, „Männer“ um sie herum tanzen wie um ein goldenes Kalb.

    Eine der größten Absurditäten des derzeitigen feministischen Mainstreams besteht für mich darin, Männer zu Appeasern umerziehen zu wollen, wo es doch Nichts gibt was das instinktive Unbewusste der Frauen so sehr abturnt wie rückgratlose Männer die den Ja-Sager geben.

  2. waswegmuss schreibt:

    Vlt. liegt es daran, dass Männer grundsätzlich zur Albernheit neigen.

  3. tikerscherk schreibt:

    @waswegmuss- wie meinst du das?

  4. whose schreibt:

    „Männer werden umso attraktiver für Frauen, je weniger sie versuchen Frauen zu beeindrucken. Das gilt insbesondere für schöne Frauen die es gewöhnt sind, dass Männer, oder besser gesagt, “Männer” um sie herum tanzen wie um ein goldenes Kalb.“

    Ist das so? Dann müßte ich mich vor schönen Frauen ja kaum noch retten können. Die Realität sieht allerdings „ein wenig“ anders aus😉

    Es stimmt, häufig reagieren diese Damen negativ auf „dumme“ riskante Verhaltensweisen, also Rumgehampel, weil ne Frau anwesend ist.

    Das bedeutet aber keineswegs, daß diese Damen riskanten Verhaltensweisen generell abgeneigt sind. Es kommt halt auf die Verhaltensweise an sich an. „Cleveres“ riskantes Verhalten wird sehr häufig goutiert. Gerade von „schönen Frauen“.

    Die „Beeindrucker“ machen das also garantiert nicht, weil der Effekt gleich NULL ist😉

  5. whose schreibt:

    Zu der Studie an sich: Studien werden häufig so angelegt, daß sie eine vorher aufgestellte Hypothese zu bestärken scheinen. Das Gleiche gilt für Widerspruch zu diesen Studien. Es lassen sich immer Beispiele finden, die der jeweiligen Studie bzw. der dazugehörigen Hypothese widersprechen.

    Es gibt da eine uralte Redewendung, die das große Dilemma von Studien der Sozialforschung prima wiedergibt: „Es gibt solche und solche“.

    Kann man auch astrein auf die Frage „Sind Männer wirklich so simpel?“ anwenden. Jou, so simple Männer gibts. Und so simple Frauen.

    Gibt aber auch andere😉

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