Stillende Mütter – ein öffentliches Ärgernis?

Amerikas Prüderie schlägt bisweilen die verrücktesten Kapriolen, und das an den Orten an denen man es am wenigsten erwarten würde. Neokonservative Hardliner haben schon seit längerem Victoria’s Secret auf dem Kieker. Die sexy Lingerie und die Werbung dafür würden angeblich die Moral von Amerikas Kindern verderben – dazu habe ich hier was geschrieben. Ausgerechnet Victoria’s  Secret hat sich jetzt geoutet als kleinkarierter, prüder Laden. Zumindest in Austin, Texas – eigentlich die liberalste Stadt in einem sonst ausgesprochen konservativen Staat.

Ashley Clawson, eine junge Mutter, war gerade mit ihrem Baby auf einer Shopping Tour durch den Laden und hatte schon Waren für 150 Dollar eingesammelt, als das Baby plötzlich Hunger verspürte. Wäh, wäh, wäh. Jetzt muss rasch gehandelt werden. Sie wollte das Baby in einer Umkleidekabine stillen. Das Personal verweigerte das Ansinnen und erklärte ihr, das müsse sie gefälligst außerhalb des Ladens machen. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als das schreiende Baby in einer öffentlichen Toilette zu stillen, berichtet today.com.

Anastasia Hohriakova grief

Ja, wofür haben Frauen eigentlich Brüste? Um sie in teure BHs von Victoria’s Secret zu stecken? Hmmm, da war doch was – stimmt. Babys ernähren. Damals in der Steinzeit. In den Zeiten vor Alete und Nestlé. Total abgedreht. Warum fragt sie überhaupt, das macht man einfach ohne zu fragen.

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Immerhin: Sie schrieb darüber auf facebook und schaffte es in die Lokalnachrichten von…ausgerechnet Fox News, dem rechtskonservativen Hetzpropagandasender, der sich wahrscheinlich diebisch freute, Victoria’s Secret diese Heuchelei unter die Nase zu halten.

Irgendeine Vorgesetzte hat dann wohl kapiert, was für ein PR-Debakel das ist, und entschuldigte sich. Clawson werde einen $150-Gutschein erhalten (der dann aber nicht ankam). Victoria’s Secret erklärte, stillende Mütter seien selbstverständlich in allen Läden willkommen.

Zu spät. „Nursing advocates and moms groups from across the country—and the world—have contacted Clawson and want to stage a nurse-in at Victoria’s Secret stores. Clawson simply hopes that the company will make a donation to an organization that supports breastfeeding and make new moms feel welcome.

Aber hallo. Welch eine Hysterie. Endlich wieder einen Aufreger gefiunden. Eine Entschuldigung und Klarstellung, dass das nicht die Politik der Firma ist, reicht wohl nicht. Jetzt müssen Spenden an Stillgruppen-Organisationen erpresst werden. Ein „nurse-in“ im Laden – da kommen dann Dutzende Mütter und stillen demonstrativ. Wäre ich PR-Chefin von Victoria’s Secret, würde ich den Spieß umdrehen, die Mütter willkommen heißen und jeder einen Gratis-BH schenken. Auf den Fox News-Bericht bin ich jetzt schon gespannt – und die vielen schwarzen Balken im Bildmaterial…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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4 Antworten zu Stillende Mütter – ein öffentliches Ärgernis?

  1. rocknroulette schreibt:

    hab neulich einen schönen artikel dazu gelesen, der von prüderie weit entfernt ist: http://www.taz.de/!79576/

  2. tikerscherk schreibt:

    Sehr lustig, der taz-Artikel!

  3. kalypso schreibt:

    naja – ich kann die chefin des lokals schon verstehen……..komme ja schließlich auch aus der gastro. ein lokal ist nun mal kein kinderspielplatz. da bin ich knallhart. wozu gibts „mutter und kind cafe“.
    ich habe meinen kurzen auch 7 monate gestillt. meistens zuhause und wenn ich mal unterwegs war, dann privat oder beim spazierengehen im park. frau kennt ja die stillzeiten einigermaßen. meine brüste überall rauszuhängen finde ich persönlich einfach nur doof.
    ich habe einmal im zug stillen müssen auf dem weg zur oma (7std. fahrzeit) und einmal aufm flughafen und im flugzeug. weitere öffentliche auftritte sind nicht zu verzeichnen.

    mir ist sowieso schleierhaft, warum zu mittagszeiten die mamas draußen rumgrätschen.
    ich war zuhause, habe für mich und kind gekocht und danach gabs mittagsschlaf.
    so richtig spießig und eine wohltat fürs kind. das braucht nämlich ruhe und nicht pausenlos eine
    sinnlose reizüberflutung. aber das ist den meisten wohl einfach zu langweilig………..
    tja – kinder großzuziehen ist nunmal auch ein verzicht unserer bisherigen lebensweise.
    außer sie kommen mit 3 monaten in die krippe, damit mama karriere macht.

    schönen sonntag!

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