Krimis sind doof

Ich weiß nicht warum Krimis so en vogue sind. Vor allem im TV. Mich ödet es langsam an. Zum abgewöhnen. Tatort aus allen deutschen Groß- und Mittelstädten. US-Krimis in allen Schattierungen. Der betuliche Inspector Barnaby aus Britannien. Das finstere Wallander-Zeug  aus Schweden. Polizeiruf 110 aus der alten DDR. Donna Leon aus Venedig, ästhetisch noch am schönsten. Und so weiter. Es werden immer mehr.

Dabei ist das Strickmuster eigentlich immer dasselbe. Vor allem wird immer jemand umgebracht, ohne Leichen geht es nicht. Manchmal sogar mehrere. Irgendwann wird dann jemand geschnappt, und natürlich jemand mit dem du nicht sofort gerechnet hast. Sonst wäre es ja langweilig.

Warum steigt nicht endlich mal jemand in die Produktion anderer Krimis ein? Als ob Kriminalität nur aus Mord und Totschlag bestehen würde. Wie wäre es mit Wirtschaftskriminalität? Der Investmentbanker manipuliert Geschäfte um abzuzocken? Insidergeschäfte am Aktienmarkt? Umsatzsteuerkriminalität über die Grenzen mit Phantomgeschäften? Szenen aus dem Beschaffungsamt der griechischen Marine, wer schmiert am besten? Oder mit Polit-Kriminalität – illegales Abhören und verbotene Amtshilfe für die NSA? Manipulierte Meinungsumfragen vor der Wahl? Wie jage ich einen Bundespräsidenten aus dem Amt, und es war noch nicht mal kriminell? Oder Sport-Kriminalität – Dopingsünder gewinnt den Wettkampf?

Ich habe ja gar nichts dagegen wenn auch mal ein Mordfall zu lösen ist. Aber statt immer nur filmische Porträts irgendwelcher Kommissarinnen oder Kommissare zu bringen, so nett die manchmal sein mögen – Krimis über die weitverbreitete völlig gewaltfreie Kriminalität hätten einiges an aufklärerischem Potenzial. Wie unsere Gesellschaft wirklich funktioniert, die Realitäten hinter dem verlogenen Geschwafel vor den Fernsehkameras, das könnte man mit solchen Krimis gut und eingängig herausarbeiten.

Aber es hat wohl Gründe, warum das alles nicht gewollt wird.

 0216AP (29)

Neiiiiin nicht schon wieder ein Krimi!!

Über sunflower22a

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10 Antworten zu Krimis sind doof

  1. tikerscherk schreibt:

    Volle Zustimmung.
    Es ist einfach sterbenslangweilig immer nur witzelnde Kommissare zu sehen, die einer Blutspur hinterher jagen.
    Der Fall mit dem Bundespräsidenten wäre zu interessant.

  2. Düsselbarsch schreibt:

    Aber was mir mehr zu denken aufgibt: Ist in sunflowers Universum Platz für Kitsch. (s.o. zu Donna Leon.)?

  3. Freund „Johannes Brandrup“ – s.Z. TV-Krimi-Akteur ist ja der Meinung, dass das Fernsehen nur für Frauen gemacht wird. (Mit Außnahme von Fußball und Tagesschau) …In diesem Sinne bekenne ich mich hier erstmals öffentlich zu VERBOTENE LIEBE und ROSAMUNDE PILCHER (okay – für die habe ich auch gearbeitet) – JA – ICH SEHE MIR DAS AN !

  4. Tim schreibt:

    Ich habe die Serie zwar selbst noch nicht gesehen, aber wenn es um Wirtschaftskriminalität geht kommt mir da sofort „White Collar“ in den Sinn. Oder auch „Suits“. Wenn Du es ernsthafter magst, „Damages“ mit Glenn Close – nebenbei bemerkt eine der wenigen Serien mit bärenstarken, überhaupt nicht gender-typischen Frauenrollen.

    Das deutsche Fernsehen kann man vergessen, es ist ein bräsiges, selbstverliebtes, irrelevantes Behördenfernsehen und Lichtjahre hinter der Kreativität und Originalität zurück die man in der Fernsehbranche der Staaten oder Großbritanniens versprüht. Diese sogenannten procedurals (jeder Fall wird in 45-90 min gelöst) die Du hier kritisierst gibt es dort natürlich ebenfalls zuhauf (CSI, NCIS, Castle etc.) – aber es gibt eben auch deutlich anspruchsvollere Serien die nicht nur den Mord der Woche nach Schema F abhaken.

    Ich denke da an Genreserien wie „The Shield“, das legendäre „The Wire“, „The Killing“ und Co. die eine völlig andere Erzählstruktur aufweisen und deutlich mehr Grips erfordern. Heute wo man sich jede internationale Serie mit ein paar Klicks streamen kann ist doch wirklich niemand mehr auf das überteuerte deutsche Behördenfernsehen angewiesen.

    Ich habe seit zehn Jahren keinen Fernseher mehr und schaue nur noch online. Langweiler wie der Tatort interessieren mich nur soweit als dass ich ab diesem Jahr dank Professor Kirchhof auch Rundfunkgebühren bezahlen muss für ein Angebot welches ich nie nutze – die gute alte GEZ-Gebühr konnte man zumindest verweigern, die Haushaltsabgabe leider nicht mehr.

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