Der Übergang vom Mann zur Frau und zurück, Teil 2

Teil 1 erschien hier. Dieser Text ist Teil eines Vernetzungsprojekts von 9 Blogs, das hier anfängt. .

Es gibt nicht nur Männer, die sich irgendwie falsch geboren fühlen und sich dann zur Frau umwandeln lassen. Auch manche Frau fühlt sich nicht so 100% als das, was wir üblicherweise unter einer Frau verstehen – ohne aber deshalb an eine Umwandlung zu denken. Elliott Sailors ist so jemand. Sie ist eine dezidiert heterosexuelle Frau, und ein Model. Mit 30 gehörte sie als weibliches Model schon zum alten Eisen und beschloss jetzt, ab sofort als männliches Model weiterzumachen. Sie legte sich eine Männerfrisur zu, quetscht per Stretchband ihre Brüste platt und posiert ab jetzt für Männermode. Für männliche Models ist nämlich mit 30 noch lange nicht Schluss – eine dieser sexistischen Schweinereien aus dem Modebusiness.

Natürlich – über so etwas zerreißen sich jetzt alle die Klappe, und natürlich überwiegend unfreundlich. Die Anschuldigung, es gehe ich doch nur um ihre Karriere, und deswegen spiele sie mit Transgender – na und? Was ist schlimm daran, seine Karriere zu befördern – andere gehen für ihre Karriere über Leichen. Sailors sagt, natürlich gehe es ihr auch darum, mit 30 in ihrem Job weitermachen zu können – aber nicht nur. Sie habe das ganz allein beschlossen – in ihrer ganzen Model-Karriere sei so gut wie alles von der Agentur vorgegeben gewesen, aber diese Sache nicht.

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Aber sie fühle sich auch in der traditionellen Frauenrolle nicht wohl. Selbst über eine Geschlechtsumwandlung habe sie schon nachgedacht, aber das sei auch nicht ihre Sache. Sie fühle sich nicht als Mann, aber auch nicht als feminine Frau.  In high heels und Kleidern fühle sie sich verkleidet. In ihrer Freizeit trage sie meist Männerklamotten. Wenn sie in Manhattan herumlaufe, werde sie immer für einen Mann gehalten, und das sei toll, weil es zeige, dass sie das könne und sie voll männlicher Energie stecke. Wenn die Leute dann merken, dass sie eine Frau ist, werde sie immer für eine Lesbe gehalten, aber das sei sie nicht – und niemand verstehe, warum eine heterosexuelle Frau so herumlaufe. Männer, die zur Begrüßung Frauen umarmen und Männern die Hand schütteln, kommen bei ihr total durcheinander.

Ihr Ehemann akzeptiert das – auch wenn er deshalb immer wieder für homosexuell gehalten wird, wenn er mit dem angeblichen Mann Elliott Sailors händchenhaltend herumläuft. Sie besteht darauf, sie sei weder transgender noch homosexuell, sondern einfach nur eine Frau die sich in Männerklamotten wohler fühlt.

Irgendwie witzig. Ich versuche das zu verstehen und denke, mit all meinen bisexuellen Neigungen müsste ich das eigentlich nachvollziehen können. Erotische Männer sind attraktiv, keine Frage. Auch die erotische Ausstrahlungskraft so manch einer schönen Frau finde ich sehr faszinierend und hinreißend. Aber wenn ich mir mal vorstelle, mein Freund würde sich üblicherweise kleiden wie eine Frau, aber sich doch als Mann fühlen und sollte ihn als Mann lieben – ich vermute, das würde mich wohl überfordern.

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Über sunflower22a

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5 Antworten zu Der Übergang vom Mann zur Frau und zurück, Teil 2

  1. kalypso schreibt:

    hmh………….ich stelle mir gerade vor, wenn ich einen freund hätte, und der würde jetzt nen rock anziehen……………würde ich wohl am ehesten ein model „schottenrock“ präferieren. alles andere fände ich ziemlich tuntig, so à la „ein käfig voller narren“. wenn jetzt einer mit straßkleidchen und nylons in high heels käme, pffffffffffffffffffff………..da wäre bei mir wohl die luft raus.

    es ist doch als frau viel leichter, einen anzug anzuziehen als für einen mann ein abendkleid.

    • rocknroulette schreibt:

      ja, das hab ich mir auch grad überlegt. eine frau in männerklamotten ist doch vor allem eine frau in hosen, hemden und kleidung, die weder brust, noch po oder taille hervorhebt. nichts besonderes eigentlich und vielleicht sogar sexy. ein mann im abendkleid dagegen ist ein „hingucker“, etwas, bei dem man sich immer fragen würde, was da wohl dahintersteckt.

  2. Shhhhh schreibt:

    Liebe sunflower,

    Ihre Bescheidenheit in allen Ehren, aber die Aktion beginnt bei jedem von uns und endet auch wieder dort;). Vielen Dank für diesen tollen Text, auch wenn ich bei Ihrer Assoziation ein wenig „kreativer“ war, als es vermutlich geplant war, vielen Dank, dass das alles geklappt hat, für die Geduld, für alles einfach:)

  3. DasKleineTeilchen schreibt:

    es ist doch viel einfacher; frauenklamotten sind frauenklamotten, in der regel eher unpraktisch, aber auf ästhetisch bzw schlicht „weiblich“ getrimmt. männerklamotten sind einfach klamotten. thats it. nothing more.
    ich hab ne sehr liebe freundin, der gehts genauso. wenn ihr kerl nicht grösser wäre als sie, hätten die beiden jeweils keine „eigenen“ klamotten.

  4. Pingback: Fremde Federn: A Powerful Photo Collection on Female Masculinity | sunflower22a

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