Frauen im Selbstmitleid-Modus

Meine Kollegin Kim hat einen geschlechtsneutralen Vornamen, was immer wieder zu Verwechslungen führt. Da kann es sogar vorkommen, dass sie von übereifrigen Frauenrechtlerinnen für einen männlichen Chauvinisten gehalten wird. Auf eine von ihr verantwortete Veröffentlichung bekam sie eine Mail „mit Interesse, aber auch mit großer Verärgerung habe ich Ihre Veröffentlichung gelesen. Sie richtet sich anscheinend nicht an mich, sondern nur an Männer. Sie tun sprachlich so als gäbe es keine Frauen. Das ist nicht nur undemokratisch, es verstößt auch gegen das Grundgesetz, Art. 3 und gegen das AGG.  Ich bitte Sie, hier mehr Bewußtsein und Sensibilität zu zeigen. Beigefügt habe ich Informationen, wie es besser geht. http://www.vernetzungsstelle.de/index.cfm?uuid=4562FCEBC2975CC8A613507FCFDA0133&and_uuid=E8AC2C73E63010ACFF74FA238A3DA169

Und alles nur, weil die Veröffentlichung in normaler deutscher Sprache geschrieben war. Es kamen darin also keine „VerbraucherInnen“ vor und auch meist keine „Verbraucherinnen und Verbraucher“, und auch keine „Verbraucher/innen“ und auch nicht die neueste Erfindung „Verbrauchende“ –  sondern eben „Verbraucher“, und damit waren Männlein wie Weiblein gemeint. Jeder normale Mensch und jede normale Menschin kapiert das. Aber nicht die Selbstmitleids-Feministin.

In gleiche Horn bläst, natürlich, Emma. Das Grundgesetz muss jetzt umgeschrieben werden. „Eine Frau ist es leid. Sie ergreift die Initiative. Das Resultat liegt jetzt auf dem Tisch: ein Grundgesetz in geschlechtergerechter Sprache. Nun muss das nur noch umgesetzt werden. …„ Beim Lesen des Artikel 3 ist mir der Hut hochgegangen!“ Und so hackte sie in ihr Flugblatt: „Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden. Kein Mann darf also wegen seines Geschlechts benachteiligt werden. Das freut mich, aber wie steht es mit den Frauen?“ Sie hat jetzt aus dem GG ein gGG gemacht, ein „geschlechtergerechtes Grundgesetz“.

Hat die vielleicht Probleme. Mit ist keine andere Sprache bekannt, in der solche Verrenkungen stattfinden. Die Weltsprache Englisch kennt nur consumer und niemand käme auf die Idee, es seien nur Männer gemeint.

Bleiben wir noch einen Moment bei dieser bekloppten Emma. Sie zu lesen ist Zeitverschwendung, aber wenn du etwas suchst worüber du ablästern willst, hier wirst du immer fündig. Wo ist die Girl Power hin, jammert da eine Amelie, die etwas gegen Sexismus tun will. Sie fragt sich „Warum stehen meine Kommilitoninnen und ich dem Sexismus so gelähmt gegenüber? Was ist mit der Girl Power von damals geschehen?… Meine Kommilitonen, die genauso wie ich Soziologie und Politik studiert haben, machen über Themen zur Gleichberechtigung lieber Witze, als sich ernsthaft damit zu beschäftigen…. Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass sich meine Geschlechtsgenossinnen auf den Lorbeeren eines Kampfes ausruhen, der noch nicht gewonnen ist…. Sexismus ist allgegenwärtig!“ Und die Konsequenz ist, „Unsere Gesellschaft sollte sich eine „Halt! Stopp!“- Mentalität zulegen.“

Ach je. Ja, wir haben den Kampf noch nicht gewonnen, es gibt noch viel was Frauen erkämpfen müssen, und zwar vorwiegend im ökonomischen Bereich . Irgendwie landen wir am Ende viel zu oft in den Positionen mit weniger Geld. Alles wahr. Liegt das am „allgegenwärtigen Sexismus“, den die bösen Männer uns gegenüber  an den Tag legen? Und was ist unser Anteil daran, dass wir aus irgendwelchen Gründen so oft diejenigen sind, die die familiären Verpflichtungen übernehmen, wir in der Regel die Kinder erziehen, deswegen in der Teilzeit landen, dass wir unsere Interessen nicht konsequent genug vertreten? Mit dem Gejammer über den „allgegenwärtigen Sexismus“ kommen wir doch nicht weiter. Im Gegenteil, ich mache selber sehr gerne sexistische Sprüche über Männer und bin meist enttäuscht, wenn sie dann nicht schlagfertig sondern „betroffen“ (schreckliches Wort) reagieren.

Bleiben wir noch einen Moment bei Emma. Das Blatt ist einfach ein zu dankbares Lästerobjekt. Die Herausgeberin fragt, „Warum laufen die Männer weg?“ und liefert auch gleich die Antwort: „Je emanzipierter Frauen sind, umso schwerer scheinen sie sich heute zu tun mit der Liebe… die kosmopolitische Soziologin Eva Illouz behauptet in ihrem vielgerühmten Rundumschlag zur Liebe in der Moderne, Frauen würden heute „auf eine neue und nie dagewesene Weise von Männern dominiert“… Sie ist nicht die erste, die den Verdacht hegt, dass die einstige ökonomische und rechtliche Herrschaft von Männern über Frauen abgelöst wurde von einer subtileren und darum sehr viel gefährlicheren, von einer „emotionalen Dominanz“. Eine Dominanz, bei der die Frauen selbst in größerem Ausmaß denn je Mittäterinnen sind.“

Schlussfolgerung ist dann die Frage „Wollen wir die Liebe abschaffen?“, und die Antwortet lautet Ja. Den Rest dieses Dünnschisses können die ganz Doofen dann für 9.95 Euro im Emma-Shop kaufen.

Ich höre jetzt auf, sonst bekomme ich Depressionen. Es ist sowieso ein Wunder, dass ich die angesichts dieses Gejammers nicht längst habe.

Meine Damen, die Girl Power lebt, sie ist lebendiger denn je. Das Heulsusengejammer von früher brauchen die Girls von heute aber nicht mehr. Zum Glück. Die Girls von heute sind die erste Frauengeneration seit langem, die gleichberechtigt und ohne Diskriminierungserwartung aufwächst und deswegen nicht jammert, sondern ihren Weg geht. Auch wenn der einigen nicht passt. Es gibt auch immer mehr Girls, denen die Männer nicht mehr so wichtig sind, dass sie sich ständig am Feindbild Mann abarbeiten müssen. Mit diesem weinerlichen Selbstmitleid hat noch nie jemand Diskriminierungen überwunden. Frauen haben heute mehr Selbstvertrauen denn je, sich zu wehren. Die brauchen dafür schon gar keine Ratschläge von dieser Schwarzer.

Irgendein altrömischer Philosoph hat mal gesagt, wenn die Frauen „uns“ gleichberechtigt wären, wären sie „uns“ überlegen. Mag sein. Vielleicht hat er recht. Emotional empfinde ich das oft so, ob es einer rationalen Überprüfung standhält, weiß ich nicht. Ist mir auch egal. Der ewige Gegensatz Mann-Frau ist in der Biologie der Säugetiere nun mal angelegt, und ob er zur Qual oder zum Spaß wird, das liegt an uns. Zu mindestens 50% auch an den Damen.

Wer es nicht schafft, aus diesem Gegensatz etwas Schönes, Spannendes, immer wieder Überraschendes zu machen, hat manchmal objektiv Pech. Und verdient dann alle Hilfe der Gesellschaft. Manchmal sind so Leute aber einfach zu sehr negativ eingestellt, ob Frau oder Mann. Diese feministischen oder maskulistischen Heulsusen jammern dann über die Ungerechtigkeit der Welt, hervorgerufen durch das andere Geschlecht. Damit ist man dann Opfer, und an nichts mehr selber schuld, und verändert dann auch nichts mehr.

Meine Meinung: raus aus dieser Sackgasse! Normalerweise halte ich nicht viel von diesen Lebensratgebern à la „13 Tipps für ein besseres Leben.“ Ausnahmsweise empfehle ich jetzt mal einen. Kürzlich zufällig bei Forbes gefunden. Amy Morin, Psychotherapeutin und Sozialarbeiterin, listet 13 Dinge auf, die starke Persönlichkeiten nicht tun. Recht hat sie.

1.       Sie verschwenden keine Zeit damit, sich selbst zu bemitleiden. Sie wissen nämlich, dass das Leben meist nicht fair ist. Wenn etwas schiefgegangen ist, überlegen sie was sie nächstes Mal besser machen können.

2.       Sie vermeiden es, ihren Gemütszustand von anderen abhängig zu machen. Sie sagen nie „Mein Chef macht mir schlechte Laune“, sondern legen Wert darauf, sich nicht von anderen mental steuern zu lassen.

3.       Sie haben keine Angst vor Veränderungen. Veränderungen sind für sie Herausforderungen, Stagnation ist für sie schlimmer als neue Herausforderungen.

4.       Sie verschwenden ihre Lebenszeit nicht damit, über Dinge zu jammern, die sie ohnehin nicht ändern können. Also beispielsweise das Wetter, die verspätete Bahn, den Stau, oder Handlungen anderer Menschen.

5.       Sie überlegen nicht dauernd, wie sie es anderen Leuten recht machen können. Sie sind freundlich und nett, aber sie erwarten, dass andere Leute sie so akzeptieren wie sie sind.

6.       Sie haben keine Angst davor, kalkulierbare Risiken einzugehen – und das ist etwas anderes als Risikoscheue oder die Dummheit, ständig auf Risiko zu spielen.

7.       Sie schwelgen nicht ständig in der „guten alten Zeit“, sondern denken nach vorne.

8.       Sie machen nicht denselben Fehler immer wieder, sondern wissen dass sie für sich selbst verantwortlich sind, und merken deshalb auch, wenn sie denselben Fehler immer wieder machen.

9.       Sie sind nicht neidisch auf Erfolge anderer Menschen, sondern lernen davon, es selber auch besser zu machen.

10.   Sie geben nicht gleich auf, wenn etwas nicht geklappt hat, sondern suchen andere Wege, zum Ziel zu kommen.

11.   Sie haben keine Angst alleine zu sein, im Gegenteil, sie wissen, dass sie Zeit für sich selbst brauchen und nehmen sie sich notfalls auch.

12.   Sie glauben nicht, dass ihnen die Welt irgendetwas schuldig ist, sondern sie wissen, dass sie sich ihrer Rechte selbst erkämpfen müssen.

13.   Sie erwarten nicht, dass alles sofort klappt, sondern denken langfristig.

Klingt alles banal? Ja. Ist es auch. Aber es ist insbesondere banal für Leute mit starker Persönlichkeit. So wie Sie, liebe Leserin und lieber Leser,  und ich. Für die meisten Heulsusen dagegen ist das nicht banal.

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Über sunflower22a

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4 Antworten zu Frauen im Selbstmitleid-Modus

  1. Janusz schreibt:

    Also konsequenterweise hättest du am Ende des Artikel schrieben müssen: „So wie Sie, lieber Leser, und ich.“😀

  2. waswegmuss schreibt:

    Gut gebrüllt Löwin!
    Starke Männer wollen starke Frauen!

  3. Der ewige Gegensatz Mann-Frau mag wohl in der Biologie der Säugetiere (Sind damit nur die Säugenden gemeint?) angelegt sein, bei den BorstenwürmerInnen verhält es sich jedoch ein klein wenig anders: Wenn man dem Weibchen das Gehirn entfernt, wird es zum Männchen:

    http://www.neukölln.org/gehirne/

    Und dann braucht es keine Flyer, Plakate oder Aufstellelemente für den Schreibtisch mehr.

  4. rocknroulette schreibt:

    hab den Link zu deinem Artikel von der Neuköllner Botschaft bekommen und ich sage: chapeau. ich bin echt keine feministin. vor allem, weil mich die selbst- und sogenannten feministinnen wegen genau der dinge, die du auch ansprichst, meilenweit rennen lassen. ich verhalte mich lieber gleichberechtigt, anstatt stundenlang zu debattieren.
    klar, es fängt in den köpfen an. aber wenn ich jetzt köpf/innen dazu sage, oder allen männern eben diesen abschlage, wird mich das nicht weiterbringen.

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